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Klappentext
Aus dem Englischen von Eva Hesse. Das Jahrhundertwerk erstmals vollständig auf Deutsch: Von der Pound-Spezialistin Eva Hesse übertragen und von den Literaturwissenschaftlern Heinz Ickstadt und Manfred Pfister sorgfältig ediert und kommentiert.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.03.2013
Warum heute noch die Cantos lesen? Fast 1500 Seiten extatische Lyrik eines faschistischen amerikanischen Dichters? Aus Gründen der Aktualität, schlägt Rezensent Thomas Steinfeld vor. Er erinnert daran, dass die Bank "Monte dei Paschi di Siena" gerade vom italienischen Staat mit vier Milliarden Euro gerettet werden musste. Und genau diese Bank kommt auch in den Cantos vor, erzählt Steinfeld. Oder vielmehr: gleich mehrere Cantos sind ihr gewidmet. Die Bank galt Ezra Pound als Vorbild für eine Institution, die dem Gemeinwohl verhaftet ist - sie verlieh Geld, aber nur gegen Pfandsachen, "ohne eigenes Gewinninteresse". Pound stand mit dieser Auffassung nicht allein, so Steinfeld, sondern fand in der Moderne nicht wenige Gesinnungsgenossen, die wie er antikapitalistisch, antiamerikanisch und antisemitisch waren. Steinfeld interessiert hier jedoch nur der antikapitalistische Strang. Für die Gedichte selbst scheint er keine besondere Wärme entwickelt zu haben: "Ernst und Fleiß" bescheinigt er dem Dichter. Und der Übersetzerin Eva Hesse dankt er zwar für die vollständige Übertragung der Cantos. Doch scheinen ihm die Übersetzten Cantos von Rainer G. Schmidt, die in der Nr. 80 des Schreibhefts abgedruckt sind, besser gefallen zu haben, weil sie lakonischer, "weniger prächtig" sind.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2013
Werner von Koppenfels verneigt sich von dieser Ausgabe von Ezra Pounds "Cantos", die erstmals eine vollständige Übersetzung des Werks bietet. Er versteht das Werk als groß angelegten Versuch einer Erneuerung der Dichtung, der auf die Integration von Tradition und Moderne, Kunst und Geschichte zielt. Pounds "Cantos" ist für ihn ein "vielsprachiges Palimpsest", reich an Anspielungen, dionysisch, disparat und hochkomplex. Er lässt keinen Zweifel daran, dass Pounds "Cantos" ob seiner Sperrigkeit hohe Anforderungen an den Leser stellt. Die Schlüssel zum Verständnis des "Cantos" sieht er in den Elementen Mythos, Metamorphose und Autobiographie, auf die er ausführlich eingeht. Höchste Anerkennung spricht er Eva Hesse und Manfred Pfister für ihre exzellente Übertragung des monumentalen Werkes ins Deutsche aus. Die schön aufgemachte zweisprachige Edition besticht in den Augen des Rezensenten zudem durch ihren kundigen Kommentar, ihre profunde Einleitung und ihr "unentbehrliches" Nachwort.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2012
Dirk Pilz freut sich, dass Ezra Pounds "Cantos" jetzt auf Deutsch erschienen sind - "jetzt erst!", fügt er etwas aufgebracht hinzu. Einordnen lassen sich die Cantos nur schwer. Pound steht geradezu für das Überschreiten von Grenzen und Genres, eigentlich verwirft er die Grenzen ganz: zwischen Kunst und Politik, zwischen Bild, Ton, Wort und Sprachen, erklärt der Rezensent. In diesem "Sprach- und Bilderdschungel" tauchen chinesische Schriftzeichen neben italienischen Wörtern auf, diese wiederum neben Auszügen aus einer Partitur von Gerhart Münch. Pound will überfordern, meint der Rezensent. Fast sein ganzes Leben hat der Dichter an diesem Werk gearbeitet, von 1917 bis 1966. Viel schwieriger kann Dichtung nicht zu übersetzen sein, doch Eva Hesse hat es sich getraut, berichtet Pilz. Nicht mit jeder ihrer Entscheidungen ist er einverstanden, aber er hält ihr zugute, dass sie gar nicht das "Unmögliche" versucht hat, Pound auf Schritt und Tritt zu folgen. Stattdessen hat sie sich entschieden, sich auf ihr Gespür für "den Klang, den Geruch, die Konsistenz der Verse" zu verlassen, erläutert der Rezensent und verspricht, das Buch biete "Lese-, Denk-, Sing- und Summstoff für ein Leben".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.10.2012
In einer sehr einnehmenden Besprechung widmet sich Marie Schmidt dieser dichterischen und übersetzerischen Großtat und lässt keinen Zweifel daran, wie viel Bewunderung sie für dieses "doppelte Lebenswerk" empfindet. Denn nicht nur Ezra Pound hat an den Gesängen von 1917 bis 1966 gearbeitet, auch die Übersetzerin Eva Hesse, die den Dichter noch persönlich kannte, arbeitet seit 60 Jahren an Übertragungen seiner Gedichte. Natürlich sind Pounds Gesänge eine Zumutung, stellt Schmidt klar, der Mann war ein rabiater Antisemit und glühender Verehrer Mussolinis, und dieser Hang zum Totalitären fließt durchaus auch in seine Cantos ein. Aber eben nicht nur. Denn neben viel "bornierter und totalitärer Pragmatik" findet sie in ihnen auch avancierteste moderne Lyrik, einen Formenreichtum und eine Sinnlichkeit, die sie immer wieder von der Grandiosität des Werks überzeugen. Was die Unmenge an historischem und kulturellem Wissen betrifft, die Pound in seine Gesänge einfließen lässt, vergleicht sie das Werk mit Dantes "Göttlicher Komödie" und Homers "Odyssee". Also Widersprüche und Starrsinn aushalten, rät Schmidt, und neu ausloten, welche Aufgabe und Stellung Lyrik haben soll!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012
Riesenwerk, findet Rezensent Dietmar Dath und meint sowohl Ezra Pounds Versepos als auch Eva Hesses kongeniale Übersetzung. Was Pound hier an Vorarbeit für spätere Dichter geleistet hat, möchte Dath nur vermuten, jedenfalls, so Dath, wollte sein lyrisches Ich die Weltepoche durchdringen, erotisch, wahr, sprachlich vollständig. Laut Dath gelingt das auch, obzwar oder gerade weil Pound formal die Zügel schießen lässt. "Klappernden Krampf" und Verstiegenes muss der Rezensent immer dann ertragen, wenn der Autor Schwarzhemd trägt und Wirtschaftstheoretisch loslegt, und Antisemit war er auch, klar. Dann wieder weiß der Autor plötzlich, wie es geht, wie man progressiv schreibt, Dath fühlt sich verwiesen auf Typografie, Kino, Comic. Vor allem gefällt Dath der Erotiker Pound, der riskant vom Ficken dichtet, für ihn ein Akt der Vollständigkeit.
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