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Evelyn Adunka
Der Raub der Bücher
Über Verschwinden und Vernichten von Bibliotheken in der NS-Zeit und ihre Restitution nach 1945
Klappentext
Im Mai 1945 fanden Offiziere der britischen Besatzungsmacht im konfiszierten Olivetanerkloster Tanzenberg in Kärnten eine Bibliothek mit 500.000 bis 700.000 Bänden: zum einen aus der ausgelagerten Zentralbibliothek der Hohen Schule der NSDAP, zum anderen aus Bibliotheken, die von Einsatzstab-Reichsleiter Rosenberg (ERR) vor allem in Frankreich und in der Sowjetunion geraubt worden waren. In der umfangreichen Literatur über den Kunst- und Kulturgutraub der Nationalsozialisten hat bisher eines gefehlt: die systematische Untersuchung des Raubs von Büchern und Bibliotheken. "Der Raub der Bücher" arbeitet nun erstmals diesen Aspekt des NS-Kunstraubes auf.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2002
Im Gegensatz zum Thema des "nationalsozialistischen Kunstraubs", das in den letzten Jahren zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat, wie Rezensent Paul Jandl erklärt, ist das Thema des Bücherraubs bislang unerforscht geblieben. Der Wiener Historikerin Evelyn Adunka verdankt man nun den "ersten, umfassenden Versuch", so Jandl, "die Geschichte der unter dem Nazi-Regime gestohlenen Bibliotheken aufzuzeichnen". Adunka, so der lobende Rezensent, ist es "mit großer Präzision und unterschiedlichsten Fallstudien" gelungen, ein "Gesamtbild" des Bücherraubs zu zeichnen. Dieser zielte darauf ab, wie Jandl bei Adunka gelesen hat, eine "Zentralbibliothek der Hohen Schule" zusammenzustellen, die nach dem Krieg das Herzstück einer nationalsozialistischen "Eliteforschungsstätte" werden sollte. Die Bücher, referiert Jandl weiter, stammten größtenteils aus jüdischen Bibliotheken in Paris, Brüssel, Amsterdam, Prag oder Wien. Die "verschlungenen Wege", die die geraubten Bücher gegangen sind, hat Adunka geradezu "akribisch" erforscht, bemerkt Jandl anerkennend. Besonders aussagekräftig findet er auch, dass die Autorin ihre Studie mit einem "Glossar nationalsozialistischer Euphemismen" abschließt, denn - und dass ist Adunkas Schluss - die 'Beschönigungen' hätten nach dem Krieg keineswegs ein Ende genommen. Die Aufarbeitung stehe weitgehend still; nur die Bücher, die von ihren ehemaligen Besitzen beantragt wurden, seien auch zurückgegeben worden. In diesem Sachverhalt sieht Jandl große Ähnlichkeiten mit dem des Kunstraubs: "Verschwiegenheit bis zum Ende des Krieges, Schweigen danach."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2002
Bücherraubend zog der "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" im nationalsozialistischen Auftrag durch die europäischen Bibliotheken und ließ schätzungsweise vier Millionen Bände mitgehen, teils zur Bewahrung, teils zur Vernichtung. Beträchtliche Teile dieser Raubstücke sind 1945 im österreichischen Kloster Tanzenberg wieder aufgetaucht und, soweit möglich, restituiert worden. Sehr verdienstvoll findet sie es, daran lässt die Rezensentin Eva Menasse keinen Zweifel, dass sich die Historikerin Evelyn Adunka des dunklen Kapitels angenommen hat, mit dem Ergebnis ist sie jedoch nicht sehr glücklich. Zwar scheint ihr die "Darstellung von Einzelschicksalen" gelungen, etwa desjenigen des Indogermanisten Norbert Jokl, dessen Bibliothek nach seiner Ermordung durch die Nazis an die Österreichische Nationalbibliothek fiel. Insgesamt aber geht es ihr in dem Buch zu sehr durcheinander - was nicht zuletzt durch den Gegenstand bedingt ist, wie sie einräumt - , jeder "Ansatz zur systematischen Darstellung" fehlt.
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