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Eva-Maria Silies
Liebe, Lust und Last
Die Pille als weibliche Generationserfahrung in der Bundesrepublik 1960-1980. Diss.
Klappentext
Die Markteinführung der Pille in der Bundesrepublik 1961 eröffnete Frauen und jungen Mädchen neue Wege bei der Familienplanung und im Sexualverhalten: Die Verhütung wurde sicherer, die Anwendung einfacher, und die Verantwortung lag nun bei ihnen. Zugleich wurde öffentlich darüber debattiert, ob und wie die Pille die Sexualmoral der jungen Generation veränderte; moralische Bedenken prallten auf die Forderung nach sexueller Selbstbestimmung.
Als mit der Frauenbewegung Anfang der 1970er Jahre das Private politisch wurde, forderten viele Frauen ein Umdenken in Bezug auf die Geschlechterrollen. Sie entwickelten ein neues Körperbewusstsein, infolgedessen sie die Pille wiederum häufig ablehnten. Die sexuellen und körperlichen Erfahrungen der Frauen, die in den 1960er Jahren mit der Pille verhüteten, unterschieden sich grundlegend von denen ihrer Mütter. Die Möglichkeiten der Pille waren eine stille generationelle Erfahrung, die Frauen mindestens so sehr prägte wie das politische Geschehen dieser Zeit, und die ihr Verhältnis zur Generation ihrer Mütter und zu Männern neu definierte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2010
Laut Martina Lenzen-Schulte hilft dieses Buch, den Blick zu schärfen für die Widersprüche im Umgang mit der Pille - auch heute. Aus Eva-Marie Silies' Dissertation zu frühen Erfahrungen mit der Antibabypille erfährt die Rezensentin hingegen vor allem über Töchter von Müttern, über Generationserfahrungen und wie Medien, Ärzte und Kirche in den 60er Jahren die Debatten anheizten. Dass es in den Betten weniger heiß zuging und der Griff zur Pille eher von Pragmatismus bestimmt war, lernt Lenzen-Schulte aus den dokumentierten Interviews. Und auch was die Frauenbewegung der Pille, ihren Verheißungen und den harten Tatsachen verdankt. Im Ganzen erscheinen der Rezensentin die historischen Exkurse im Band aufschlussreich, nur manchmal sieht sie die Autorin allzusehr Partei ergreifen für die Laien und gegen die Experten. Das führe zu schiefen Deutungen, meint sie.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2010
Alliterierende Schlagwörter eignen sich nicht immer zum Buchtitel, findet Rezensentin Miriam Gebhardt, und das, obwohl sie selbst schon zu diesem Mittel gegriffen hat ("Sünde, Seele, Sex"). Zumal Eva-Maria Silies in ihrer Dissertation über die Antibabypille nicht wirklich über "Liebe, Lust und Last" erzählt, sondern so etwas wie eine "Generation Pille" der bis 1950 geborenen Frauen der Bundesrepublik auszumachen meint, wie die Rezensentin erklärt. Ohne Frage habe die Pille mit der Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung die Frauen enorm geprägt, meint Gebhardt. Das Wort von der "Generation Pille" erscheint ihr dennoch etwas allgemein, auch wenn sie begrüßt, dass die Autorin materialreiche Gelegenheit bietet, über den Zusammenhang zwischen Verhütung und gesellschaftlichem Wandel nachzudenken. Positiv ist Gebhardt aufgefallen, dass Silies ihre Geschichte der Pille nicht zur Widerstandsgeschichte der Frauen gegen Kirche und patriarchale Unterdrückung werden lässt, sondern sich vielmehr mit dem mit der Verhütung einhergehenden "Wertewandel" auseinandersetzt. Mit den "kulturellen und mentalen Voraussetzungen" des durchschlagenden Erfolges der Pille allerdings beschäftigt sich Silies nicht eingehend genug, findet die Rezensentin.
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