Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Eva-Maria Silies

Liebe, Lust und Last

Die Pille als weibliche Generationserfahrung in der Bundesrepublik 1960-1980. Diss.

Cover: Liebe, Lust und Last

Wallstein Verlag, Göttingen 2010
ISBN-10 3835306464
ISBN-13 9783835306462
Gebunden, 488 Seiten, 39,90 EUR

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Klappentext

Die Markteinführung der Pille in der Bundesrepublik 1961 eröffnete Frauen und jungen Mädchen neue Wege bei der Familienplanung und im Sexualverhalten: Die Verhütung wurde sicherer, die Anwendung einfacher, und die Verantwortung lag nun bei ihnen. Zugleich wurde öffentlich darüber debattiert, ob und wie die Pille die Sexualmoral der jungen Generation veränderte; moralische Bedenken prallten auf die Forderung nach sexueller Selbstbestimmung.
Als mit der Frauenbewegung Anfang der 1970er Jahre das Private politisch wurde, forderten viele Frauen ein Umdenken in Bezug auf die Geschlechterrollen. Sie entwickelten ein neues Körperbewusstsein, infolgedessen sie die Pille wiederum häufig ablehnten. Die sexuellen und körperlichen Erfahrungen der Frauen, die in den 1960er Jahren mit der Pille verhüteten, unterschieden sich grundlegend von denen ihrer Mütter. Die Möglichkeiten der Pille waren eine stille generationelle Erfahrung, die Frauen mindestens so sehr prägte wie das politische Geschehen dieser Zeit, und die ihr Verhältnis zur Generation ihrer Mütter und zu Männern neu definierte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2010

Laut Martina Lenzen-Schulte hilft dieses Buch, den Blick zu schärfen für die Widersprüche im Umgang mit der Pille - auch heute. Aus Eva-Marie Silies' Dissertation zu frühen Erfahrungen mit der Antibabypille erfährt die Rezensentin hingegen vor allem über Töchter von Müttern, über Generationserfahrungen und wie Medien, Ärzte und Kirche in den 60er Jahren die Debatten anheizten. Dass es in den Betten weniger heiß zuging und der Griff zur Pille eher von Pragmatismus bestimmt war, lernt Lenzen-Schulte aus den dokumentierten Interviews. Und auch was die Frauenbewegung der Pille, ihren Verheißungen und den harten Tatsachen verdankt. Im Ganzen erscheinen der Rezensentin die historischen Exkurse im Band aufschlussreich, nur manchmal sieht sie die Autorin allzusehr Partei ergreifen für die Laien und gegen die Experten. Das führe zu schiefen Deutungen, meint sie.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2010

Alliterierende Schlagwörter eignen sich nicht immer zum Buchtitel, findet Rezensentin Miriam Gebhardt, und das, obwohl sie selbst schon zu diesem Mittel gegriffen hat ("Sünde, Seele, Sex"). Zumal Eva-Maria Silies in ihrer Dissertation über die Antibabypille nicht wirklich über "Liebe, Lust und Last" erzählt, sondern so etwas wie eine "Generation Pille" der bis 1950 geborenen Frauen der Bundesrepublik auszumachen meint, wie die Rezensentin erklärt. Ohne Frage habe die Pille mit der Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung die Frauen enorm geprägt, meint Gebhardt. Das Wort von der "Generation Pille" erscheint ihr dennoch etwas allgemein, auch wenn sie begrüßt, dass die Autorin materialreiche Gelegenheit bietet, über den Zusammenhang zwischen Verhütung und gesellschaftlichem Wandel nachzudenken. Positiv ist Gebhardt aufgefallen, dass Silies ihre Geschichte der Pille nicht zur Widerstandsgeschichte der Frauen gegen Kirche und patriarchale Unterdrückung werden lässt, sondern sich vielmehr mit dem mit der Verhütung einhergehenden "Wertewandel" auseinandersetzt. Mit den "kulturellen und mentalen Voraussetzungen" des durchschlagenden Erfolges der Pille allerdings beschäftigt sich Silies nicht eingehend genug, findet die Rezensentin.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren