Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Sylvia List. Nicht weit von der Grenze zu Weißrußland liegt Bransk, auf den ersten Blick eine unauffällige polnische Kleinstadt. Und doch hat es mit diesem Ort eine besondere Bewandtnis: Von keinem anderen Ort in Polen wissen wir mehr über sein jüdisches Schtetl. Das ist zunächst der Initiative eines jungen Bransker Historikers zu verdanken, der sich für die jüdische Vergangenheit seines Heimatortes interessierte. Die Historikerin Eva Hoffman hat dessen Forschungen um eigene Recherchen ergänzt und zum Porträt eines typischen polnischen Schtetls erweitert.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2000
Frei von jeder Sentimentalität ist das Buch der Harvard-Historikerin Hoffmann, betont Klaus Harprecht, eine "ernüchternde" und aufschlussreiche Lektüre, wie die Autorin, selbst jüdisch-polnischer Abstammung, das Leben des jüdischen Schtetls in Polen am Beispiel des Städtchens Bransk durch die Jahrhunderte verfolge. Das polnische Königtum ließ die jüdischen Gemeinden über Jahrhunderte hinweg autark bleiben, berichtet Harprecht, so dass sich die polnischen Juden quasi als eigene Nation zu verstehen begonnen hätten. "Eine Symbiose fand nicht statt", zitiert Harprecht die Autorin. Diese kulturelle Autonomie wie auch die geistigen Enge des Schtetls, das kaum Anknüpfungspunkte mit den polnischen Nachbarn hatte, wird von der Autorin durchaus als ambivalent beschrieben, so Harprecht. Den polnischen Antisemitismus sehe sie aber "frei von Elementen des biologischen Rassismus", hier seien nationalistische, religiöse und soziale Vorurteile zusammengekommen. Hoffmanns Sprache ist schlicht und geschliffen zugleich, lobt Harprecht, und davon sei auch in der Übersetzung von Sylvia List nichts verloren gegangen. Bloß die falsche Datierung des Hitler-Stalin-Pakts irritiert ihn - ein Wink an den Lektor.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2000
Andreas Breitenstein widmet dem Buch in der Samstagsbeilage der NZZ einen großen Essay, den er dazu nutzt, die Geschichte des polnisch-jüdischen Verhältnisses, gewissermaßen mit dem Buch in der Hand, nachzuzeichnen. Er lobt dabei zunächst den Willen Eva Hoffmans zur Objektivität, obwohl ihr Buch, das sie als Tochter ehemaliger Schtetl-Bewohner geschrieben hat, durchaus auch ein "sentimentalisches" Projekt sei. Mit Bewunderung zeichnet Breitenstein dann nach, wie die Autorin - oft anhand von Aufzeichnungen, die im kleinen Schtetl von Bransk erhalten geblieben sind - vom Mittelalter bis zur Shoah die ganze Komplexität des Verhältnisses darstellt. Die nach der Shoah kursierenden Extrembilder von der "Idylle" beziehungsweise dem "Inferno" polnisch-jüdischer Beziehungen treffen danach selbstverständlich beide nicht zu. Es gab nach Breitenstein Höhepunkte in den Beziehungen, in denen den Juden sogar ein demokratisches Selbstvertretungsrecht zugestanden war, und Tiefen, die im Grunde immer tiefer werden, je näher das zwanzigste Jahrhundert rückt. Die Gegensätze zwischen Polen und Juden brechen nach Breitenstein besonders nach 1794 aus, als Polen zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt wird, und die Polen ihren nationalen Mythos als "Christus der Völker" entwickeln, während die Juden zumindest unter Preußen und Österreich relativ unbehelligt bleiben. In späteren Zeiten schildert Hoffman nach Breitenstein das Schtetl als einen zutiefst konservativen und weltabgewandten Verband, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufzulösen begann. Erst seit 1989, so Breitenstein, wird für beide Seiten eine Erinnerung möglich, die zwar geteilt bleibt, aber gegenseitigen Respekt einschließt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.04.2000
Elisabeth Bauschmid hebt anerkennend hervor, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen weiteren "larmoyanten Abgesang" auf eine verschwundene Welt handelt. Vielmehr untersuche die Autorin mit ihrer Studie, warum das Zusammenleben von Polen und Juden bis zum Ende des zweiten Weltkriegs weitgehend gescheitert war. Indem sie das Scheitern der friedlichen Ko-Existenz beleuchte, analysiere sie nach eigenem Bekunden auch die Bedingungen, die für eine "multikulturelle Gesellschaft" nötig wäre, wenn sie funktionieren soll. Hoffmanns Buch zeige, dass es auch in längeren Zeitabschnitten der "Toleranz" immer nur ein Nebeneinander und nie ein Zusammenleben gab.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Von Lesern empfohlene Bücher
Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi
Mit 33 Abbildungen. 1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen ...
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen







