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Klappentext
Die zentrale Frage Ernst Schuberts ist, wie die Menschen im Mittelalter überleben konnten, wie sie sich mit ihrer Umwelt und wie sie sich miteinander auseinandersetzten. So handelt dieses Buch von Wäldern und Abwässern, vom Fluchen und von der Liebe, von scheinbar so weit auseinander liegenden Sachverhalten wie dem Unrat auf der Straße und der Gotteslästerung, der Rodung des Waldes und dem Liebeszauber.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2002
Wer hätte das gedacht, staunt Valentin Groebner: Im Mittelalter ging es gar nicht so viel anders zu als heute, berichtet der Rezensent. Denn schon damals beklagte man durch Umweltveränderungen bedingte Überschwemmungen, den Mangel an sauberem Trinkwasser und die Abholzung der Wälder. Und mancher Mensch des 13. Jahrhunderts sei weiter vom Aberglauben entfernt gewesen als Menschen in späteren Jahrhunderten. All das hat der Rezensent dem Band des Göttinger Professors für Landesgeschichte Ernst Schubert entnommen. Mit "Verve", einer gehörigen Portion Ironie und Sachkenntnis berichte der Autor, so Groebner, über Müllhandel und Fäkalien und die Vorliebe einer "proteinarmen" Gesellschaft, mit Vergnügen Singvögel zu verspeisen. So weit, so gut. Im zweiten Teil des Bandes habe der Autor nämlich leider den roten Faden verloren und schreibe so ziemlich über alle Aspekte des mittelalterlichen Lebens. Und, mäkelt Groebner, es dränge sich am Ende doch der Verdacht auf, Schubert sei an genau jenen Klischees über das Mittelalter "kleben geblieben", gegen die er eigentlich habe anschreiben wollen. So fehle hier der Blick auf französische, osteuropäische und italienische Quellen. Schade, bedauert der Rezensent, dass auch ein so "kluges, gelehrtes und ironisches" Buch der auf Deutschland fixierten Landesgeschichte verhaftet geblieben sei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2002
Obwohl er einige erhellende Details über das Alltagsleben des Mittelalters in Ernst Schuberts "Alltagsgeschichte des Mittelalters" findet, äußert sich Rezensent Michael Borgolte sehr kritisch über den Versuch des berühmten Mediävisten, das mittelalterliche Alltagslebens darzustellen und zu deuten. Borgolte verweist auf die geschichtswissenschaftliche Kontroverse zur Erforschung der Alltagsgeschichte. Demnach habe sich die Geschichtswissenschaft vor einigen Jahren vom Forschungsansatz der Alltagsgeschichte verabschiedet, weil das individuelle Leben der Menschen zwar rekonstruierbar sei, sich einer Theoretisierung aber entziehe. Umso überraschter zeigt sich der Rezensent über Schuberts ambitionierten Versuch über das mittelalterliche Leben. So viele interessante Details Schubert auch anhäuft, Borgolte erklärt dessen Projekt aus eben dargelegten Gründen für gescheitert. Das unendliche Material, das Schubert unstrukturiert ausbreitet, überfordert nach Ansicht des Rezensenten einerseits den Leser und führt andererseits dazu, dass kein Raum für eine intensivere Beleuchtung verschiedener spannender Einzelaspekte bleibt. Die Stärke der Untersuchung liegt nach Einschätzung des Rezensenten in der Darstellung der mittelalterlichen Ökologie: fasziniert haben den Rezensenten hier vor allem Abschnitte über die "Sorge um die rechte Luft und die Nutzung und Kultivierung des Waldes im Mittelalter".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.04.2002
Um das große Ganze des Geschichtlichen in den Blick zu bekommen, tritt der Autor, so Rezensent Thomas Thiemeyer, ein paar Schritte zurück, und wählt als Rahmen seiner Betrachtungen nicht den Menschen, sondern die Natur. Jedoch gibt es für den Mittelalterhistoriker, der vom Wetter, von Feld, Wald und Wiesen aufs geschichtliche Handeln kommen will, ein nicht unbeträchtliches Problem: es ist in den Quellen kaum einmal die Rede davon. So bleibt der rote Faden, bedauert Thiemeyer, "dünn". Der Historiker landet, wenig überraschend, alsbald bei "traditioneller Wirtschafts- und Sozialgeschichte". Die aber treibe er, findet der Rezensent, auf allemal interessante Weise, etwa wenn er das Verhältnis des Menschen zum Tier beschreibt (und von einem Fall berichtet, in dem ein zur Sodomie missbrauchtes Schaf wegen Anstiftung zum Ehebruch verurteilt wird). Immerhin aufschlussreiche "Indizien" sammle der Autor zu den zwischenmenschlichen Verhältnissen, und er gelange zu originellen Deutungen, die den "populären Klischees" vom finsteren Mittelalter durchaus widersprechen. Das scheint dem Rezensenten verdienstvoll.
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