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Erasmus von Rotterdam
Vertrauliche Gespräche
Klappentext
Übersetzt und herausgegeben von Kurt Steinmann. Erasmus von Rotterdam war einer der einflussreichsten Humanisten Europas, ein Pazifist, ein unermüdlicher Publizist und Propagandist für eine umfassende Bildungs-, Gesellschafts- und Glaubensreform. Der vorliegende Band vereinigt zwanzig vertrauliche Gespräche, Dialoge, in denen Moral und Lebensführung sowie drängende politische und gesellschaftliche Fragen thematisiert werden. Und obwohl nun nahezu 500 Jahre alt, sind die Fragen von brennender Aktualität: Kann ein Krieg gerecht, das heißt zu rechtfertigen, sein? Kann man im Namen Gottes kämpfen? Wie kommt es, dass sich einzelne so oft und auf Kosten kollektiver Solidarität durchsetzen? Und worauf gründet sich eigentlich die Diffamierung und Unterdrückung des weiblichen Geschlechts? Beharrlich und mit viel Charme verkündet Erasmus seine humanistische Botschaft: den Triumph des unabhängigen und selbständigen vor dem dogmatischen, autoritätsgläubigen, konfessionell und politisch gefesselten Denken.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.02.2001
In seiner Rezension stellt Kurt Flasch Erasmus von Rotterdam als einen feinsinnigen Polemiker vor, der sich stets einer ideologischen Vereinnahmung entzogen habe. Ein gutes Beispiel dafür sind dafür seiner Ansicht nach die vorliegenden Schriften, in denen Erasmus kleine Alltagsgeschichten erzählt, die auf den ersten Blick "heiter und anspruchslos" erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung durchaus moralisch sind und viel von der damaligen Kultur verraten. So werde in Alltagsgesprächen der "Trend vom Bürger zum Adel" verspottet, über die Studierfähigkeit der Frauen debattiert, "kriegsführende Bischöfe und großspurige Militärs" verhöhnt und Ähnliches.. Flasch weist darauf hin, dass es sich bei diesem Band um eine Auswahl der Texte Erasmus` handelt, die sich von einem ebenfalls empfehlenswerten Auswahlband von Werner Welzig (1967) in mancherlei Hinsicht unterscheiden. Steinmann habe sich hier mehr aufs "Weltliche" konzentriert als Welzig, habe mehr das Witzige hervorgehoben als das Gelehrte. Außerdem hat Steinmann - wie der Leser erfährt - von der 1972 erschienenen Gesamtausgabe profitieren können. Doch von editorischen Besonderheiten abgesehen kommt Flasch insgesamt zu dem Fazit, dass ein "vergnüglicheres Lehrbuch (...) nie geschrieben worden" ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2000
Sehr liebevoll bespricht Jan Rüdiger diese Neuübersetzung eines Teils der "colloquia familiaria" und macht glaubhaft, dass es sich hierbei nicht nur um eine belehrende oder erbauliche, sondern auch um eine höchst unterhaltsame Lektüre handelt. Dies begründet er einerseits mit dem Stil des Erasmus, den er als einen großen Ironiker zwischen den Fronten des Katholizismus und des Protestantismus schildert. Sehr ansprechend schildert Rüdiger etwa das Gespräch zwischen der gebildeten Gläubigen und dem hochnäsigen Abt, der es nicht erträgt, das eine "Untergebene" mehr weiß als er, oder auch das Gespräch über die "Vorzüge und Nachteile des späten Aufstehens". Den anderen Grund für seinen Lobgesang benennt Rüdiger in der Neuübersetzung Kurt Steinmanns, die er für ihre Flüssigkeit und Eleganz lobt. Dies begrüßt er um so mehr, weil auch Erasmus "Colloquia" in einem aktuellen Latein geschrieben und als "Konversationsübungen für ein elegantes mündliches Latein" gedacht gewesen seien. Nur manchmal geht ihm Steinmann zu weit: Das Wort "emorior" (tot umfallen), das immerhin durch Cicero und Catull nobilitiert worden sei, hätte Rüdiger nicht mit "abkratzen" wiedergegeben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.08.2000
Vor knapp 500 Jahren (zwischen 1522 und 1531) sind die "colloquia familiara", die "vertraulichen Gespräche" des Erasmus von Rotterdam, zum ersten Mal erschienen. Doch der Rezensent mit dem Kürzel "upj" findet, dass sie bis heute "nichts von ihrer Anschaulichkeit verloren haben." Die 20 dieser Gespräche, die von Kurt Steinmann neu übersetzt wurden, beleuchteten ein breites Spektrum menschlicher Anliegen und Schwächen. Der Rezensent lobt die Übersetzung als "lebendig" und den Anmerkungsteil als "informativ".
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