Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Emmanuelle Pagano

Der Tag war blau

Roman

Cover: Der Tag war blau

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2008
ISBN-10 3803132169
ISBN-13 9783803132161
Gebunden, 171 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Seit zehn Jahren arbeitet Adele als Schulbusfahrerin auf der dünn besiedelten Hochebene. Trotz des Kinderlärms, der ihre Tage füllt, ist ihr Leben still. Während der langen Fahrten beobachtet sie die sich ständig verändernden Kinder, die Wandlungen der Natur und erinnert sich an ihr eigenes Leben. Dass ihre Ankunft in dieser Gegend eine Rückkehr war, ein letzter wichtiger Schritt auf dem Weg einer schmerzhaften und radikalen Selbstbestimmung, hält sie verborgen. Ihr Bruder hat den Kontakt abgebrochen, der Vater lebt in einem Altersheim, die Mutter ist lange tot. Als Adele sich in Tony verliebt, glaubt sie noch, ihr Geheimnis wahren zu können. Emmanuelle Pagano erzählt behutsam und schlicht eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Ein mutiger Roman, spannend, poetisch und hoffnungsvoll.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2008

Zufrieden scheint Peter Urban-Halle mit Emmanuelle Paganos Roman über Adele, die früher ein Junge war und jetzt in die Gegend ihrer Kindheit zurückkehrt, wo sie Busfahrerin wird. Der Roman kreist für ihn um Themen wie Tod, Trost, Neugeburt. Zu den Stärken des Buchs zählt er die gelungenen Beschreibungen der rauen Natur und die Darstellung des Verhältnisses von Adele und ihrem Bruder. Zudem ist er erleichtert, dass das Thema Geschlechtsumwandlung im Roman nichts mit "politischem Bekenntnis oder Gender-Mode" zu tun habe. Gleichwohl wirken Adeles Gedanken dazu auf ihn irgendwie "hölzern und angelernt" und die entsprechenden Passagen klingen für ihn "ein wenig pflichtbewusst".

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008

Mit "Der Tag war blau" legt die französische Autorin Emmanuelle Pagano eine eindringlich geschriebene Erzählung von großer Lebensklugheit vor, lobt Rezensentin Anne Kraume. Paganos Protagonistin ist Adele, eine Schulbusfahrerin, die allein und zurückgezogen in der französischen Provinz lebt. Ihre Absonderung ist darauf zurückzuführen, dass Adele einst als Junge geboren wurde und sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, berichtet Kraume. Diese Geschichte schildere Pagano, indem sie Adele während ihrer Busfahrten über die Landschaft, die sich durchfährt, nachdenken und sich dabei an die dort verlebte Kindheit erinnern lässt. Dabei gehe es der Autorin nicht darum, anhand von Adeles Geschichte psychologische oder (gender-)politische Theorie zu betreiben, berichtet Kraume. Stattdessen stelle Pagano körperliche Reize in den Mittelpunkt der Geschichte: Adeles Erfahrungen von Schmerz, Begierde, Wohlbefinden und Unbehagen. Kraume lobt, dass ihr dies dank genauer Beobachtung und treffender Beschreibung gut gelingt. Doch hätte sich die Rezensentin mehr von dem gewünscht, was die Autorin ausspart: Die soziale und politische Dimension der Geschichte von Adeles Geschlechtsumwandlung. Beeindruckt hat Anne Kraume jedoch die lebenskluge Gelassenheit, mit der Pagano ihre Protagonistin versieht.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2008

Christine Hoffmann zeigt sich berührt von der Plastizität dieses Romans. Die Geschichte eines Coming-outs in der französischen Provinz gelingt Emmanuelle Pagano ihrem Empfinden nach vor allem durch Anschaulichkeit, eine "unmittelbare Körperlichkeit" und die aus dem Text sprechende "Lebensklugheit". Ganz und gar lässt sich dadurch jedoch das Gefühl der Rezensentin, dass etwas fehlt, nicht ausschalten: Ein diskursives Moment immerhin, die "politische Dimension", ein Aufbegehren der Hauptfigur gegen soziale Zwänge, gibt Hoffmann zu bedenken, hätte es ruhig sein dürfen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren