Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Nathalie Mälzer-Semlinger. Seit zehn Jahren arbeitet Adele als Schulbusfahrerin auf der dünn besiedelten Hochebene. Trotz des Kinderlärms, der ihre Tage füllt, ist ihr Leben still. Während der langen Fahrten beobachtet sie die sich ständig verändernden Kinder, die Wandlungen der Natur und erinnert sich an ihr eigenes Leben. Dass ihre Ankunft in dieser Gegend eine Rückkehr war, ein letzter wichtiger Schritt auf dem Weg einer schmerzhaften und radikalen Selbstbestimmung, hält sie verborgen. Ihr Bruder hat den Kontakt abgebrochen, der Vater lebt in einem Altersheim, die Mutter ist lange tot. Als Adele sich in Tony verliebt, glaubt sie noch, ihr Geheimnis wahren zu können. Emmanuelle Pagano erzählt behutsam und schlicht eine außergewöhnliche Lebensgeschichte. Ein mutiger Roman, spannend, poetisch und hoffnungsvoll.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2008
Zufrieden scheint Peter Urban-Halle mit Emmanuelle Paganos Roman über Adele, die früher ein Junge war und jetzt in die Gegend ihrer Kindheit zurückkehrt, wo sie Busfahrerin wird. Der Roman kreist für ihn um Themen wie Tod, Trost, Neugeburt. Zu den Stärken des Buchs zählt er die gelungenen Beschreibungen der rauen Natur und die Darstellung des Verhältnisses von Adele und ihrem Bruder. Zudem ist er erleichtert, dass das Thema Geschlechtsumwandlung im Roman nichts mit "politischem Bekenntnis oder Gender-Mode" zu tun habe. Gleichwohl wirken Adeles Gedanken dazu auf ihn irgendwie "hölzern und angelernt" und die entsprechenden Passagen klingen für ihn "ein wenig pflichtbewusst".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2008
Mit "Der Tag war blau" legt die französische Autorin Emmanuelle Pagano eine eindringlich geschriebene Erzählung von großer Lebensklugheit vor, lobt Rezensentin Anne Kraume. Paganos Protagonistin ist Adele, eine Schulbusfahrerin, die allein und zurückgezogen in der französischen Provinz lebt. Ihre Absonderung ist darauf zurückzuführen, dass Adele einst als Junge geboren wurde und sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hat, berichtet Kraume. Diese Geschichte schildere Pagano, indem sie Adele während ihrer Busfahrten über die Landschaft, die sich durchfährt, nachdenken und sich dabei an die dort verlebte Kindheit erinnern lässt. Dabei gehe es der Autorin nicht darum, anhand von Adeles Geschichte psychologische oder (gender-)politische Theorie zu betreiben, berichtet Kraume. Stattdessen stelle Pagano körperliche Reize in den Mittelpunkt der Geschichte: Adeles Erfahrungen von Schmerz, Begierde, Wohlbefinden und Unbehagen. Kraume lobt, dass ihr dies dank genauer Beobachtung und treffender Beschreibung gut gelingt. Doch hätte sich die Rezensentin mehr von dem gewünscht, was die Autorin ausspart: Die soziale und politische Dimension der Geschichte von Adeles Geschlechtsumwandlung. Beeindruckt hat Anne Kraume jedoch die lebenskluge Gelassenheit, mit der Pagano ihre Protagonistin versieht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.03.2008
Christine Hoffmann zeigt sich berührt von der Plastizität dieses Romans. Die Geschichte eines Coming-outs in der französischen Provinz gelingt Emmanuelle Pagano ihrem Empfinden nach vor allem durch Anschaulichkeit, eine "unmittelbare Körperlichkeit" und die aus dem Text sprechende "Lebensklugheit". Ganz und gar lässt sich dadurch jedoch das Gefühl der Rezensentin, dass etwas fehlt, nicht ausschalten: Ein diskursives Moment immerhin, die "politische Dimension", ein Aufbegehren der Hauptfigur gegen soziale Zwänge, gibt Hoffmann zu bedenken, hätte es ruhig sein dürfen.
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