Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Elke Fein
Geschichtspolitik in Russland
Chancen und Schwierigkeiten einer demokratisierenden Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit am Beispiel der Tätigkeit der Gesellschaft Memorial
Klappentext
Im Umgang mit ihrer Geschichte offenbart sich das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Die vorliegende Studie untersucht Wandel und Kontinuitäten der Geschichtspolitik in der Sowjetunion und Russland von 1953 bis 1999, wobei der "offiziellen Geschichtspolitik" vor allem diejenige der 1987 unter anderem auf Betreiben Andrej Sacharows entstandenen Gesellschaft "MEMORIAL" gegenübergestellt wird. In der ausgehenden Sowjetunion forderte Memorials "Geschichtspolitik von unten" das ideologische Monopol der KPdSU-Führung heraus und entfaltete mit ihrem ethisch-moralischen Profil eine deren Legitimität und Macht zerstörende Wirkung.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2001
Zwei Bücher kann Ulrich M. Schmid vermelden, die sich auf sehr unterschiedliche Weise mit Russlands stalinistischer Vergangenheit und den Aufarbeitungsversuchen der Gruppe "Memorial" befassen.
1.) Irina Scherbakowa: "Nur ein Wunder konnte uns retten. Leben und Überleben unter Stalins Terror"
In Russland besteht anders als in den anderen jungen osteuropäischen Demokratien kein Interesse daran, kritisch die eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, behauptet Schmid einleitend. Eine Ausnahme bildet für ihn die Vereinigung "Memorial", der die Historikerin Irina Scherbakowa angehört. Da sich der Stalin-Terror nicht in abstrakten Zahlen ausdrücken lasse, so Schmid, habe sie die vermutlich einzig richtige Darstellungsweise gewählt: Scherbakowa schildert fünf Lebensschicksale, angefangen mit der Geschichte ihres eigenen Großvaters, die sich alle - ob politikgläubig oder -ungläubig - im repressiven Staatsapparat verfangen hatten. In Bezug auf ihre eigene Familie komme die Publizistin zu dem bitteren Schluss, dass die eigenen Vorfahren am Aufbau der Repressionsmaschinerie beteiligt waren, deren Willkür die Nachfahren dann zum Opfer fielen.
2.) Elke Fein: "Geschichtspolitik in Russland"
"Sorgfältig" nennt Schmid die Arbeit der Historikerin Fein, die offizielle wie dissidente Interpretationen der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts analysiert hat. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen steht die Gruppierung "Memorial", die sich 1987 während der Ära Gorbatschow gebildet hatte. Man habe, berichtet Schmid, auf eine Art "Nürnberger Prozess" gewartet - vergebens. Immerhin kam es 1992 zu einem Prozess gegen die KPDSU, in der die Unrechtmäßigkeit ihrer Herrschaft festgestellt wurde. Heute interessiere das kaum noch jemanden, meint Schmid, was sich auch daran zeige, dass die Mitglieder von "Memorial" zumeist schon recht betagt sind. Bedenklich findet Schmid ebenso wie die Autorin die Tatsache, dass die Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer systematisch verzögert wird bzw. teilweise einfach nicht stattfindet.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen







