Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Nahezu jeder zweite Kinderarzt in Deutschland - ein Drittel davon Frauen - war nach 1933 im Sinne der nationalsozialistischen Gesetze jüdischer Herkunft oder galt als politisch missliebig. Ihre Erfolge und vor allem ihre Beliebtheit erregten schon vor 1933 die Missgunst vieler ihrer nichtjüdischen Kollegen. Mit der vorliegenden Studie untersucht zum ersten Mal eine deutsche medizinische Fachdisziplin die Hintergründe und die z.T. erschütternden Umstände der Verfolgung ihrer über 750 betroffenen Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Wien und Prag. Biographische Daten, Selbstzeugnisse und Briefe berichten von ihren einzelnen Schicksalen. Die Zerstörung der Existenz dieser Menschen wurde von der Mehrzahl der deutschen Kinderärztinnen und Kinderärzte jener Generation widerstandslos geduldet. Es ist daher das besondere Anliegen dieser Untersuchung, nicht nur die Erinnerung wach zu halten, sondern dem weiteren Vergessen und Verdrängen entgegen zu wirken.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2000
Als "eindringliche und bedrückende Studie" zum Schicksal von Kinderärzten in Deutschland, Wien und Prag, die im Sinne der NS-Gesetze als Juden galten, stellt Manfred Gasper dieses Buch vor. Mittelpunkt der Dokumentation bilde "ein biografisches Lexikon von rund 750 Personen", je nach Quellenlage "auf lebensgeschichtliche Daten reduziert oder mit umfangreichen, zumeist autobiografischen Begleitinformationen" versehen. Der Bildteil zeige neben Fotos auch Faksimiles. Der Rezensent lobt die unprätentiöse Form, mit der Medizinhistoriker Eduard Seiler seine Fakten präsentiere. Seine Ergebnisse würden vom Autor selbst als unvollständig bezeichnet, worin auch eine Mahnung zu lesen sei, die Untersuchung weder als abgeschlossen, noch die Bürde der Vergangenheit abschütteln zu dürfen.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.09.2000
Christoph Jahr bespricht zwei Bände zum Thema "Ärzte im Nationalsozialismus", die aus völlig unterschiedlicher Perspektive den Ärztestand jener Zeit ins Visier nehmen.
1) Michael H. Kater: "Ärzte als Hitlers Helfer"
Zu reißerisch findet Jahr den deutschen Titel dieses Standardwerks, das bereits 1989 im kanadischen Toronto als "Doctors under Hitler" veröffentlicht wurde. Das Buch zeichnet sich gerade durch profunde und differenzierte Recherche aus, so Jahr, die sich keineswegs nur auf den bekannten KZ-Arzt Mengele erstreckt, sondern die ganze Ärzteschaft unter die Lupe nimmt. Und dabei hat Kater Erstaunliches zutage gefördert, berichtet Jahr: gerade die Ärzteschaft war einer der am meisten naziorientierten Berufsstände. In Zahlen ausgedrückt: die Ärzte waren etwa im Verhältnis 3:1 in der NSDAP überrepräsentiert, in der SS sogar 7:1. Jahr erklärt diese Tatsache damit, dass der Elite- und Euthanasiegedanke eine große Faszination auf die Ärzte ausgeübt haben muss; "moralische Blindheit" war wohl die häufigste Krankheit der NS-Zeit, konstatiert der Rezensent.
2) Eduard Seidler: "Verfolgte Kinderärzte 1933-1945"
Der Antisemitismus war auch eine nützliche Angelegenheit für solche Ärzte, die sich so allzu großer Konkurrenz entledigt konnten, meint Jahr und berichtet weiter, dass 40 Prozent der medizinischen Hochschullehrer ihre Stelle aufgeben mussten. Neben den Hochschullehrern waren es die einfachen Ärzte, von denen etwa 15 Prozent als jüdisch klassifiziert wurden, und die Kinderärzte, von denen sogar 50 Prozent als jüdisch galten, die gezwungen waren, ihre Arbeit aufzugeben. Was mit ihnen passierte, listet ein von der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin in Auftrag gegebenes Buch auf, das, wie der Rezensent schreibt, naturgemäß unvollständig ausfallen muss. Etwa 600 Einzelschicksale konnten recherchiert werden, berichtet Jahr, einem Teil der jüdischen Ärzteschaft gelang die Flucht, viele andere starben durch Deportation.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








