Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Karahasan erzählt von einer Frau, die keine Wahl hatte, mit sich selbst im Einklang zu leben. Verfolgung und Tod stellen sie vor einen unlösbaren Konflikt: einer Liebe treu bleiben oder sie verraten, man selbst sein oder am Leben bleiben.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.05.2000
Dieser Roman ist "genau und ergreifend" lobt Ilma Rakusa. Sie beschreibt anschaulich die Verwobenheit des Ich-Erzählers mit der Selbstmörderin Sara/Serafina. Sara ist eine Träumerin. Sie verabscheut Serafina, die Praktische, ihr anderes Ich, aber weil die Träumerin ohne die Praktische nicht leben kann, sucht sie den Tod. Der Ich-Erzähler gehe, während er über Sara/Serafina nachdenkt, "mit sich selbst kritisch ins Gericht", referiert Rakusa und vermutet, dass er Sara/Serafina um ihren Mut beneidet. Karahasan zeige mit "viel psychologischem Scharfsinn", dass im Krieg die Gefühle nicht abgestumpft, sondern "im Gegenteil überreizt" sind. Rakusa lobt auch die vielen Beobachtungen des Autors über den Krieg, Denkmäler, das Sarajevoer Herbstlicht und eine "wunderbare essayistische Abschweifung" über Türen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.05.2000
Mit großer Hochachtung vor der gelungenen Bewältigung eines diffizilen Themas und der "ausgefuchsten Verantwortungsethik" schreibt Dirk Schümer über diesen Roman. Karahasan wird zunächst als der Verfasser eines eindringlichen Tagebuches über die Belagerung von Sarajewo vorgestellt: für den Autor laut Schümer lange "die einzig mögliche Form, über das Geschehene zu schreiben". Nun habe er doch einen Roman darüber geschrieben, und zwar einen "meisterlichen". Schümer macht mit der Hauptfigur Sara bekannt: ihrem Schicksal im Sarajewo von 1942, wo sie nur durch Zufall der Deportation entkommt und ihrem Schicksal 1994, das schließlich mit ihrem Tod endet. Nach Meinung des Rezensenten tat Karahasan gut daran, die Parallelen zwischen Holocaust und Belagerung "eher beiläufig in die Handlung zu integrieren" und verweist auf andere Autoren, denen man größere Deutlichkeit in dieser Frage verübelt hat. Im reichen Westen, wo man Krieg nur aus dem Fernsehen kennt, komme es nämlich schlecht an, "wenn jemand die sakrifizierte Historie mit der schmutzigen Gegenwart" kurzschließe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.04.2000
Andreas Breitenstein begrüßt in seiner Rezension zunächst, dass der Autor einen Versuch unternommen hat, den Bildern, die der "neuvölkische Wahn in Ex-Jugoslawien produzierte" eine Sprache zu geben. Dabei profitiere das Buch vor allem davon, dass Karahasan nicht nur Romanautor, sondern auch gleichzeitig ein politischer Mensch sei. Breitenstein betont vor allem die transparente, bewußt einfach gehaltene Sprache, mit der der Autor die verschiedenen Charaktere und ihre Erlebnisse gezeichnet habe. Die Schilderung extremer Gefühlsschwankungen der Figuren, die sich vor allem durch Reden Luft machen ("denn solange man redet, ist man nicht tot") verknüpft der Autor mit "philosophischen und kulturgeschichtlichen Exkursen", in dem er sie in die Diskussionen in "Küche und Keller" integriert. Besonders beeindruckt zeigt sich der Rezensent von der Haltlosigkeit des Überlebenden, dem die Wertvorstellung von Leben und Tod zunehmend abhanden kommt, der als "Untoter" durch die Straßen zieht. Breitenstein sieht darin die "Scham" des Überlebenden, der es geradezu bedauert, nicht ebenfalls ermordet worden zu sein. Und diese Scham scheint ihm auch beim Autor selbst spürbar zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.03.2000
Ein Roman über den Krieg in Sarajewo. Harald Eggebrecht verhaspelt sich in seiner Rezension ein wenig in der Nacherzählung, um dann zu konstatieren, dass Karahasan Meister einer verschachtelten Erzählweise sei. "Ein Gefühl von untilgbarer Schuld liegt über dem Ganzen", schreibt Eggebrecht. Am tiefsten beeindruckt hat ihn die Geschichte der resoluten und kämpferischen Sara, die als Jüdin den Zweiten Weltkrieg überlebte und die - so scheint es - im Bosnienkrieg von Heckenschützen erschossen wird. Das Buch sei "eine Geschichte der Untröstlichkeit" über diesen Verlust.
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