Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Deutscher Geist und Reich der Geister? Geisterseher und Tischrücker, magische und spiritistische Weltdeutungen in einem Jahrhundert der Modernisierung und der fortschreitenden Entzauberung der Welt? Auch in diesem 19. Jahrhundert gab es - in allen Schichten, wie der Autor zeigt - den Glauben an eine Geisterwelt und an vielfältige Möglichkeiten, mit ihr umzugehen und zu verkehren. Sein Buch ist das erste, das die Geschichte dieses Glaubens zwischen Goethezeit und fin de siecle umfassend und im Kontext kultur-, geistes- und sozialgeschichtlicher Entwicklungen beschreibt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.03.2003
In der Spätaufklärung des 18. und im durch naturwissenschaftlich-technischen Fortschrittsglauben geprägten 19. Jahrhundert waren Geisterglaube und spiritistische Praktiken in verschiedenen Kreisen en vogue, weiß der "add" zeichnende Rezensent. "Gerade in romantisch geprägten Bildungsschichten", berichtet er, "erlebten schwärmerisch veranlagte Menschen jene Erscheinungen, die ihnen eine wohlige Gänsehaut bescherten." In seiner nun erschienenen Dissertation "Leben mit den Toten - Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland, 1770-1990" geht es Diethard Sawicki nach Angaben des Rezensenten nicht darum, die "Wahrheit" über jene zumeist absichtlich erzeugten Phänomene herauszufinden. Vielmehr möchte er die Diskurse und Gedankenexperimente des ausgehenden 18. und 19. Jahrhunderts nachzeichnen. So kann er laut Rezensent zeigen, "dass das Zeitalter des Bürgers nicht nur von Ingenieuren und Unternehmern, sondern auch von Geistersehern und Somnambulen geprägt wurde".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.10.2002
Diethard Sawicki webt ein "dichtes Bild" des Spiritismus in Deutschland, lobt Albert Kümmel. Dabei verschränke Sawicki theoretische und ideologische Hintergründe mit "minutiös recherchierten Fallgeschichten" und schildere so die historische Darstellung des Geisterglaubens von 1770 bis 1900 mit "zitatenfreudiger Farbigkeit". Sawicki unterschiedet dabei vier Phasen, erzählt Kümmel: von der Privatisierung des Jenseits, dem Mesmerismus der ersten Hälfte über die amerikanische Mode des Tischrückens zur Mitte des 19. Jahrhunderts bis hin zum letzten Aufflackern des Spiritismus in der Folge der aufsehenerregenden Experimente des Astrophysikers Friedrich Zöllner mit dem Medium Henry Slade im Jahre 1877. Die einzige "kleine Schwäche" des Buches sieht Kümmel in der allzu positiven Darstellung des Geisterglaubens. So betone Sawicki etwa das "emanzipatorische Potenzial" von Schlafwandlern, gehe aber kaum auf die negativen Folgen des Hexenglaubens oder des bösen Blicks ein.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.03.2002
Mit seiner Forschungsarbeit "Leben mit den Toten" hat Diethard Sawicki nach Einschätzung des mit "hz" zeichnenden Rezensent eine eindrucksvolle kulturgeschichtliche Analyse des Spiritismus vorgelegt, die weit verstreutes Material über Geistererscheinungen und ihre Gläubigen zusammenstellt. Mitunter finden sich darin auch kuriose Anekdoten. So erfährt man beispielsweise, dass Bettine von Arnim bei der Ausarbeitung ihrer Sozialpolitik auf die Hilfe von Geistern zurückgegriffen hat. Nach den Ausführungen des Rezensenten stellt der Autor den Spiritismus als ein "Chamäleon" vor, das seine "weltanschauliche Farbe unterschiedlichsten Zeitgeistern" anpasst: Während man die Geister am Ende des Ancien Regime noch für "richtige" Gespenster hielt, betrachtete man sie Ende des 19. Jahrhunderts als "Materialisationen" im Sinne einer materialistischen Metaphysik. Der Rezensent würdigt insbesondere Sawickis "detektivische Recherchen" und seinen "gut lesbaren" Stil. Allerdings entgleite Sawicki manchmal der rote Faden, so dass der Leser gezwungen sei, die Kontinuität der Leitmotive in der spiritistischen Debatte selbst zu rekonstruieren.
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