Bücherschau der Woche
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Klappentext
Ein Konflikt wird stillgelegt und erneuert sich: Marlene, eine der vier Hauptfiguren in Dieter Wellershoffs neuem Roman, hat einst ihren Mann Leonhard verlassen, um mit seinem besten Freund Paul, einem Chirurgen an ihrer Klinik, zusammenzuleben. Nicht ohne Mühe ist es ihnen gelungen, die Verletzungen und Kränkungen in einem schwierigen Freundschaftsbund vergessen zu machen. Die Balance zwischen ihnen wird scheinbar vollends wieder hergestellt, als Leonhard, ein angesehener Richter, eine viel jüngere Studentin im Hause seiner Freunde kennen lernt und bald darauf heiratet. Aber die Freundschaftsrituale scheitern. Der Liebeswunsch der jungen Frau, die ihrem als falsch empfundenen Leben entkommen möchte, sprengt alles auseinander, und sie zahlt dafür den äußersten Preis. Wellershoff beschreibt das Geschehen aus den wechselnden Perspektiven seiner Figuren. Jeder versucht die anderen zu durchschauen und zu beeinflussen, während sich etwas vollzieht, das ihnen allen aus der Hand gleitet.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000
Ziemlich pessimistisch hört sich an, was Michael Braun über die Prosa Dieter Wellershofs schreibt: In seinen Büchern ist "alles in das Dämmerlicht der Todeserwartung getaucht". Trotzdem oder gerade deswegen scheint den Leser eine interessante und tiefsinnige Lektüre zu erwarten. Auch in seinem neuen Buch mit dem Titel "Liebeswunsch wird eine menschliche Grenzsituation gestaltet. Wer moderne Erzählkonstruktionen liebt, ist bei Wellershof falsch, warnt Braun. Dieser Autor bevorzugt das "behutsame epische Entfalten exemplarischer Konfliktsituationen, das Erzählen gewöhnlicher Alltagssituationen, in die dann das Ungeheuerliche einbricht", erklärt der Rezensent. In seinem neuen Roman ist es das absolute Liebesverlangen einer Frau, der im Widerspruch zur Realität des bürgerlichen Ehealltags steht und für sie einen unlösbaren Konflikt darstellt, der in die Katastrophe mündet. Kritisch sieht Braun Wellershofs Tendenz zum Erläutern, manche Szenen erscheinen ihm antiquiert, einiges überpsychologisiert. Als "beklemmend intensiv und präzise" charakterisiert er den Text überall dort, wo Autor die seelischen Krisen seiner Figuren bis zu den tiefsten Wurzeln hin verfolgt. Schade, dass Braun so viel vom Inhalt preisgibt. Das nimmt ein wenig von der Spannung und Vorfreude auf das Buch!
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2000
Geschichten von "Leidenschaft und Verlusten" kennen wir aus dem Leben und der Literatur, erinnert uns Iris Denneler, und wollen sie trotzdem immer wieder hören. Jedenfalls, wenn sie unsere täglichen "Beruhigungstendenzen" irritieren. Aber da ist sie sich bei Wellershoff nicht so sicher. Die vier Wahlverwandtschafts-Protagonisten sind nämliche "langweilige Pedanten", "schulmeisterliche Protokolleure ihrer Sehnsüchte", denen der auktoriale Erzähler folgt, anstatt sie zu konterkarieren. Bleibt die (wohlwollende) Möglichkeit, das "Liebesparallelogramm" als "Autopsie des Autors" zu lesen, in dem "viel von Krankheiten und Tod die Rede ist". Wellershoff ist für Denneler ein "exzellenter Theoretiker und Kritiker". Vom "Autor" spricht sie an dieser Stelle nicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2000
Katrin Hillgruber ist hellauf begeistert von diesem Roman, der die unselige Geschichte von zwei Paaren erzählt, die im Selbstmord einer jungen Frau endet. Schon die Exposition des Romans findet die Rezensentin "gewaltig", und sie wird auch im weiteren Verlauf des Buches nicht enttäuscht. Sie lobt das Werk als "Augentext", das durch "exakte Beschreibung" überzeugt. Der Autor, dessen letzte Romanveröffentlichung 17 Jahren zurückliegt, biete hier ein "Meisterstück", das durch "stilistische Noblesse und sprachliche Konkretion" besticht, schwärmt die Rezensentin. Der Verlierer, der schon in seinen früheren Büchern als Hauptfigur hervortrat, erscheint hier in einer Frauengestalt, die Hillgruber als ein "faszinierendes Frauenporträt" preist. Sie sieht durch den Roman Wellershoffs Ruf als "Spezialist für Existenzgefährdungen" bestätigt und fühlt sich durch dieses Buch "reich beschenkt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Seit 1983 hatte man nichts von Dieter Wellershoff gehört, schickt Kritiker Wolfgang Schneider voraus. Den nun erschienenen Roman fand er so spannend, dass er ihn bis zum Ende nicht aus der Hand legen wollte. Doch bei soviel Genuss wird ein deutscher Kritiker leicht nervös. Ist das wirklich ein gutes Buch? fragt er und muss die ganze Geschichte noch einmal aufrollen. Mal erinnert sie ihn wegen der beiden Paare, die im Zentrum des Romans stehen, an Goethes Wahlverwandtschaften. Allerdings ohne Goethes schöne Ironie. Eine Prise `Effi Briest` kommt auch vor, und außerdem ist das ganze Buch geschickt aus den vier verschiedenen Perspektiven der Hauptfiguren erzählt. Und weil Wellershoff auch Wolfgang Schneiders psychologische Anforderungen beim Durchschauen des `Beziehungstheaters` erfüllt und dabei sogar noch mehr Wohlwollen zu bieten hat als Botho Strauß, besteht das Buch - trotz `einiger Vorbehalten gegen die Sprache` - den Test: ein gutes Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.09.2000
Ist der Kölner Schriftsteller Wellershoff ein Autor, der nur Düsternis und Ausweglosigkeit konstatiert, gar propagiert? Werner Jungs Schilderung des in der Kulturschickeria von Köln in den 90er Jahren angesiedelten Romans legt diesen Verdacht nahe. Vier Menschen, genauer gesagt: zwei Paare sind die Protagonisten des Buchs, sie finden und betrügen und verlassen einander; die eine für immer, indem sie ihrem Leben ein Ende setzt, die anderen bleiben als gefühlserkältete Wesen und eben nur halblebendig zurück. Wellershoff erweise sich wieder mal als Meister des psychologischen Realismus, schreibt Jung, wie er Wünsche, Phantasien und Planungen seiner Protagonisten beschreibe und durchkreuze. Ausweglos? Jung lässt seine Besprechung mit dieser Frage ausklingen. Oder will er den Lesern nicht verraten, was er erfahren hat?
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.09.2000
Es ist der Wunsch einer jungen Frau nach Liebe, die in das Leben dreier arrivierter, durch alte Affären und eine Ehe miteinander verknüpfter Menschen einbricht, schreibt Ulrich Greiner. Am stärksten beschäftigt den Rezensenten jedoch, warum Wellershoff, der knapp 75-Jährige, der in allen Lexika steht, so wenig geliebt wird, warum man ihn behandelt, "als gehörte er nicht mehr recht dazu". Liegt es daran, dass er "eine Spur zu berechnend schreibt" oder dass seine Geschichten weder von exotischen Menschen handeln noch in exotischen Landschaften stattfinden? Wellershoff ist, so Greiner, ein realistischer Erzähler, der "menschliche Verhältnisse gründlich durchdenkt und erkennbar wiedergibt". Vielleicht liege es daran, dass er "von deutschen Landschaften, deutschen Mentalitäten" schreibt. Und dass man die Lakonie, mit der er sowohl die Tüchtigen als auch die verzweifelt Begehrenden in den eigenen, "ungeliebten Breiten" zeichnet, weniger goutiere als "spanische Affären und amerikanische Krisen".
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