Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Marcus Ingendaay. Lenore Beadsman arbeitet in der Telefonzentrale eines erfolglosen Verlages in Ohio, der ihrem Freund Rick Vigorous gehört. Rick liebt sie über alles, hat aber Probleme mit dem Sex und erzählt ihr als Ersatz Geschichten, in denen Lenore nicht selten die Hauptrolle spielt. Um seine Probleme zu lösen, besucht er regelmäßig einen Psychiater, den auch Lenore konsultiert. Das Verhältnis Lenores zu ihrer Familie ist getrübt, lediglich ihrer Großmutter und Namensgeberin Lenore sen. fühlt sie sich verbunden. Lenore sen. ist jedoch aus dem Altersheim zusammen mit 25 Mitbewohnern und einem Teil der Angestellten verschwunden - und mit ihr ein wertvolles Notizbuch, das die Aufzeichnungen einer Wittgenstein-Vorlesung enthält, dessen Schülerin Lenore sen. war.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.01.2005
"Wer das Alberne auf Dauer nicht ertragen kann, darf diesen Roman nicht lesen", verkündet Kai Wiegandt. Alle anderen aber erleben ein "literarisch-kulinarisches Wunder". Vollgestopft mit lustigen Passagen ohne Sinn, stellt sich der Debütroman des mittlerweile schon beinahe klassischen David Foster Wallace als "fabuliergeile" Kampfansage an Geschmack und Sinnbedürfnis vor. Wiegandt erkennt deutliche Anklänge an das Vorbild Pynchon. So wechselten oft Genres und Register abrupt, so dass der Leser beizeiten den Eindruck bekommt, er hätte mittlerweile ein anderes Buch zur Hand genommen. Und auch das Motiv einer übergeordneten regulierenden Instanz sei eindeutig dem Meister entlehnt. Der Rezensent spürt auch deutlich die Nachwirkungen eines Wittgenstein-Seminars, das der Student Wallace damals besucht haben muss. Der frühe Wittgenstein unterscheidet drei Arten von Sätzen: sinnvolle, sinnlose und unsinnige. Wiegandt ordnet jeden einzelnen Satz des Romans der sinnlosen Kategorie zu. Es wird kaum etwas über die wirkliche Welt gesagt, aber nebenbei werden in all dem Unsinn doch ein paar Grundlagen skizziert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2004
Rezensent Richard Kämmerlings überschlägt sich vor Begeisterung, dass David Foster Wallaces genialisches Debüt endlich auf Deutsch vorliegt, eine Verzögerung, die er allerdings schlicht unverzeihlich findet. Kein Roman, eine Romanmaschine sei das, warnt er uns und präzisiert: "Meta-, ja Megafiction!" Die Gattung des postmodernen Romans sieht er hier auf die Spitze getrieben. Das Schreiben dieses Autors ("einer der intelligentesten, belesensten und sprachmächtigsten" der jüngeren amerikanischen Literatur") funktioniere wie ein gewaltiger Maelstrom, der alles hineinziehe, was in seine Nähe gerate. Atemlos lässt uns der Rezensent außerdem wissen, dass Wallace bei Erscheinen seines Erstlings vor achtzehn Jahren vierundzwanzig Jahre alt gewesen ist. Die vordergründige Handlung des Romans entspinnt sich Kämmerlings zufolge um das mysteriöse Verschwinden der Urgroßmutter von Protagonistin Leonore, die in den zwanziger Jahren bei Ludwig Wittgenstein in Cambridge studierte. Der Kriminalplot entwickele sich bald zu einem Thriller um Menschenversuche, Industriespionage und Nahrungsmittelskandale, sei letztlich jedoch eine falsche Fährte, da die eigentliche Handlung sich "im Zwischengeschossen des Erzählten" ereignen würde. Denn Protagonistin Leonore lebt, wie wir lesen, mit der Vorstellung, lediglich als Figur in einer von höheren Instanzen erfundenen Geschichte zu existieren. Was den Roman, in dem er immer wieder für den Rezensenten so explosiv macht, ist die Konsequenz, mit der Wallace all seine Ingredienzien zum Gegenstand "aufhebender, ja vernichtender Ironie" macht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
"Nur bedingt genießbar" lautet Klaus Nüchterns knappes Verdikt zu David Foster Wallaces Erstling. Ihm kommt es so vor, als hätte Wallace damals, als "überaus talentierter und fantasievoller Writing-Class-Hero", einfach alles in sein Debüt gepackt, was sich bei ihm in den vergangenen Jahren angestaut hatte. Eines der vielen Themen, die Wallace via den geschichtenerzählenden Helden in den Roman einschleust, hätte dem Rezensenten schon gereicht. Dann wäre es Wallace vielleicht sogar geglückt, das Genre des Familienromans wieder salonfähig zu machen und damit Kollegen wie Jonathan Franzen oder Jeffrey Eugenides zuvorzukommen. Aber nein, in diesem "Triple-Burger von einem Roman" sei alles Mögliche hineingepackt, weshalb Nüchterns (gar nicht so nüchterner) Ratschlag an potenzielle Leser ganz unZEITgemäß lautet: "Wer den 'Besen im System' lesen will, braucht einen wirklich fetten Joint."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004
"Sehr schön" hat David Foster Wallace hier die gute alte Tausendundeine-Nacht-Konstellation abgewandelt, lobt Rezensent Uwe Pralle: Rick Vigorous überspielt nachts seine sexuellen Unzulänglichkeiten gegenüber der Geliebten mit einer Parade von Geschichten, "komische und paradoxe, tiefsinnige, verstiegene und sarkastische". Genau darin, im Erzählen von Geschichten aller Couleur, liegt auch das "eigentliche Talent" des Schriftstellers, weiß Pralle. Wallace "sprüht vor Erzähllust" und baut stetig an seinem "Mosaik" aus einer Vielzahl an Textsorten. Das alles ist eingefügt in die "Parodie eines schulmäßigen Romanplots", mit einer samt ihren Wittgenstein-Dokumenten verschwundenen Großmutter. Die "verspielte Komposition" führt der Rezensent nicht nur auf den Autor, sondern auch auf die Entstehungszeit in den späten Achtzigern zurück, als die Postmoderne noch in vollem Gange war. Und schon an diesem Debütroman kann man erkennen, findet der Rezensent, warum das Werk von Wallace zum "Besten, aber auch Eigenwilligsten gehört, was die amerikanische Gegenwartsliteratur zu bieten hat".
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