Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Klappentext
"Die Erde ist mir Heimat nicht geworden"- dieser Ausspruch charakterisiert das gebrochene Verhältnis Karoline von Günderrodes (1780-1806) zu ihrer Zeit und ihre Zerrissenheit als Frau und als Dichterin. Begabt, intelligent, anziehend, als Tochter einer verarmten Adelsfamilie jedoch früh in einem Frankfurter Damenstift untergebracht, litt sie unter ihren eingeschränkten Lebensverhältnissen. Zwei Liebesbeziehungen scheiterten. Das Werk der Günderrode ist schmal. Zu Lebzeiten hat sie zwei Bände veröffentlicht: Lyrik, Dramen, Prosa. Der letzte geplante Gedichtband entstand in der Zeit ihrer Bekanntschaft mit dem neun Jahre älteren, unglücklich verheirateten Mythenforscher Friedrich Creuzer. Er wurde ihr Mentor und Geliebter. Doch die Verbindung zerbrach unter dem Einfluss von Freunden Creuzers. Nachdem er sich von ihr losgesagt hatte, wählte Karoline von Günderrode 26-jährig in Winkel am Rhein den Freitod. Den Dolch, Zeichen für Selbstbestimmung und Freiheit, trug sie stets bei sich.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.09.2006
Äußerst ungehalten ist Rezensentin Katharina Rutschky über diese Günderrode-Biografie. Denn aus ihrer Sicht liefert die Autorin darin nur die "nach den Vorgaben einer feministisch polierten Kunstreligion" aufgefasste, sattsam bekannte klischeereiche Opfererzählung. Zwar ergänze Autorin Dagmar von Gersdorff das Scheitern der Günderrode durch sozialgeschichtliche und feministische Erklärungen. Doch wirklich neu beleuchtet werde diese große Dichterin nicht - und ihre Literatur schon gar nicht, ärgert sich die Rezensentin, die Günderrodes Werke nur zitiert fand, wenn es der Biografin darum ging, Privates zu belegen. Auch findet die Rezensentin das jugendliche Alter der Günderrode und ihrer später so berühmten Freunde nicht ausreichend in Betracht gezogen. Aus ihrer Sicht hat nämlich manche Überspanntheit eher mit dieser Jugend zu tun und die Biografin hätte besser daran getan, etwas weniger durch die pathetische Brille ihrer feministischen Opfererzählung zu schauen. Denn die dem Tod so hingebungsvoll verbundene Günderrode erinnert die Rezensentin manchmal auch an die Popstars späterer Jahrhunderte, deren Leben nach der Devise "Live fast and die young" verlaufen sei.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.08.2006
Das einzig Positive, was Hannelore Schlaffer dieser Biografie abgewinnen kann, sind die korrekten Daten. Ansonsten, urteilt sie streng, verzichte Dagmar von Gersdorffs Porträt der Günderrode auf jede "psychologisch kompliziertere Deutung". Die Günderrode sei von "Gestalt ein Engel, von Gemüt ein Lamm" gewesen, und von den Männern doch nur herz- und rücksichtslos ausgebeutet worden, paraphrasiert sie Gersdorffs Darstellung, der die Rezensentin jedoch nicht folgen möchte. Unübersehbar findet sie selbst, dass sich die Günderrode mit ihrer Vorliebe für verheiratete oder anderweitig besetzte Männer selbst ganz gern ins Abseits brachte. Und die aufgebauschten Liebeskomplikationen hätte Schlaffer selbst eher als "Partnersuche unter Zwanzigjährigen" verbucht. Einen Hinweis auf den "zeittypischen Narzissmus", auf die Selbststilisierung romantischer AutorInnen als leidende KünstlerInnen, hat Schlaffer vergeblich gesucht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2006
So ganz zufrieden ist Thomas Meissner mit Dagmar von Gersdorffs Biografie der Karoline von Günderrode nicht. Einfühlsam sei sie ja, aber auch geprägt von "übergroßer Nähe" zu ihrem Gegenstand. Kritisch-reflektierende und erklärende Momente fehlen ihm. Bei den Freundschaften und Liebesbeziehungen der Günderrode, dem Schwerpunkt der Biografie, bleibe einiges ungeklärt, aber auch das literarische Werk wird für den Geschmack des Rezensenten zu wenig berücksichtigt. Im letzten Teil der Biografie erzähle die Autorin die tragische Liebe zu Friedrich Creuzer, eine Beziehung, die Karoline von Günderrode "dichterisch befruchtet", aber zugleich in den Selbstmord getrieben habe. Zumindest als Ergänzung dieses Buchs empfiehlt Meissner die Lektüre eines Essays von Christa Wolf über die Günderrode, der zusammen mit ausgewählten Werken und Briefen neu aufgelegt werde.
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