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Clemens Albrecht, Günter C. Behrmann, Michael Bock, Harald Homann, Friedrich H. Tenbruck
Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik
Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule
Klappentext
Die Frankfurter Schule ist bekannt geworden als jene geistige Strömung, die die Studentenbewegung inspirierte. Weniger bekannt ist, daß sie schon seit den 50er Jahren prägenden Einfluß auf die intellektuelle Entwicklung in der Bundesrepublik hatte.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2000
Die Zeit für die historische Einordnung der Kritischen Theorie in die Geschichte der Bundesrepublik scheint gekommen. Uwe Justus Wenzel stellt zwei Bände vor, die sich dieser Aufgabe auf unterschiedliche Weise stellen.
1) Albrecht/Behrmann u.a.: "Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik"
Der Anregung ihres Lehrers, des Soziologen Friedrich H. Tenbruck, folgend, versuchen mehrere Soziologen in diesem Band nachzuweisen, dass die Begründer der Kritischen Theorie Adorno und Horkheimer als "Vollstrecker des `Reeducation`-Programms" der USA so etwas wie die geistigen "Gründungsväter" der BRD wurden. An dieser Umwertung der Einschätzung - Kritische Theorie statt im ständigen außerparlamentarischen Widerstand nun geradezu von staatstragender Bedeutung - sei vielleicht sogar etwas dran, so der Rezensent Uwe Justus Wenzel. In der Absolutheit, mit der die These vorgetragen wird, habe sie jedoch "etwas leicht Forciertes". Als Korrekturmaßnahme begrüßt er den Band aber durchaus.
2) Schneider/Stillke/Leineweber: "Trauma und Kritik"
Die Autoren des Bandes sehen sich selbst in der Tradition der Kritischen Theorie - und setzen sich als 68er doch kritisch mit den Psychostrukturen der Gefolgschaft (die Theoretiker als "Ersatzeltern") wie mit den Ausdifferenzierungen der Theorie - Adorno versus Horkheimer, Habermas versus die 68er, Marcuse, der "Onkel aus Amerika", als Alternative zu den anderen - auseinander. Heraus kommt, stellt Uwe Justus Wenzel fest, ein Stück "aufgeklärter Selbstverständigungsprosa". Überzeugend findet er auch die These von der Projektion der 68er-Generation als Opfer des Naziregimes: nur so habe man womöglich "ein Bewusstsein von der Realität der Opfer" gewinnen können. Das könne denn auch das Verdienst der kritischen Theorie als "negativer Lebenslehre" bleiben: auf der "Erfahrung der Shoah als Zivilisationsbruch" insistiert zu haben, der nicht historisierbar ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
In einer ganzseitigen Doppelrezension bespricht Lorenz Jäger das Buch zusammen mit Alex Demirovic "Der
nonkonformistische Intellektuelle" (Suhrkamp), das ebenfalls vom Frankfurter Institut für Sozialforschung handelt. Jäger nutzt seine Rezension zu einer ausgreifenden Reflexion über die Bedeutung der "Frankfurter Schule", zu der ihn vor allem
1) "Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik" von Clemens Albrecht und seinen Mitarbeitern anregt. In den Essays der Autoren werde die "prägende Kraft der Theorie" Horkheimers und Adornos für die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft deutlich. Vor allem ihre Auseinandersetzung mit der Nazi-Zeit sei für viele Akademiker, Journalisten und Intellektuelle bestimmend gewesen. Die Frankfurter Schule sei es gewesen, die diese Beschäftigung mit der Vergangenheit als eine "gesellschaftliche Daueraufgabe" an die Deutschen gestellt hätte. Andererseits ermöglichte sie durch den Filter dieser Reflexion auch wieder, dass man sich mit der deutschen Tradition von Beethoven bis Hölderlin befassen könne, "ohne sie zu hassen". Albrecht und seine Mitarbeiter zeigten, wie sich Horkheimer und Adorno auch mit den Mitteln der Universitätspolitik und mit Hilfe publizistischer Vermittler ihre Stellung erkämpften - ganz wichtig sei dabei der Suhrkamp-Verlag und seine "edition suhrkamp" gewesen. "Die Distanz von der Schule hat Albrecht und seinen Mitarbeitern zu einem originellen Ansatz verholfen, der es überhaupt erst wieder möglich macht, sinnvoll über die Kritische Theorie nachzudenken".
2) "Der nonkonformistische Intellektuelle" von Demirovic kommt bei Jäger schlechter weg. Er lobt zwar die schiere Fülle der Dokumentation, findet aber Demirovics Begriff des "nonkonformistischen Intellektuellen" flach und allzu pädagogisch. Hier erweise sich, dass Demirovic als Mitarbeiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung aus einer Innenperspektive schreibe und den Gegenstand seiner Forschung zugleich zu seiner "normativen Leitfigur" mache.
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