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Claus-Steffen Mahnkopf (Hrsg.)
Mythos Cage
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2000
In einer Doppelrezension bespricht Hans-Klaus Jungheinrich zwei Bücher, die sich mit Ästhetik von Avantgarde-Musik befassen. Beide Bücher haben seiner Ansicht nach etwas gemein: Sie erscheinen ihm wie eine "Teil- oder Generalabrechnung" mit den vorherrschenden Kompositionspraktiken der vergangenen Jahrzehnte.
1) Claus-Steffen Mahnkopf (Hrsg.): "Mythos Cage" (Wolke-Verlag)
Den Vorwurf einer "Abrechnung" macht Jungheinrich hier vor allem dem Herausgeber, denn die Autoren der anderen Beiträge scheinen mit Mahnkopf nicht immer an einem Strang zu ziehen: Ihre Abhandlungen zu Cage findet der Rezensent zum großen Teil recht differenziert, während er bei Mahnkopf den Eindruck hat, dieser wolle in erster Linie mit der "Schimäre" Cage aufräumen. Zwar wäre es durchaus angebracht - wie Jungheinrich findet - den ein oder anderen Mythos kritisch zu hinterfragen. Der Ansicht, dass Cage für die Musikgeschichte völlig ohne Bedeutung sei, mag er jedoch nicht folgen. Jungheinrich, der großen Wert darauf legt, Mahnkopfs Begabung und Bildung ausreichend zu würdigen, vermutet hinter dem Versuch, John Cages Bedeutung zu schmälern, vor allem eine allzu dogmatische Verfechtung Mahnkopfs eigener Kompositionsrichtung, der "Schule des `Komplexismus``".
2) Hubert Stuppner: "Endzeit-Sonate" (conBrio-Verlag)
Bei diesem Band scheint sich Jungheinrich bisweilen nicht sicher zu sein, ob es sich um eine Satire handelt. Zwar habe das Buch einen beträchtlichen Unterhaltungswert, andererseits spürt der Rezensent sehr viel Destruktives: Der Text sei "bis in die letzte Fiber hinein durchsäuert, verbittert von Gift und Galle, von Ressentiment und Hass". Für Stoppner habe die Tonkunst der vergangenen Jahrzehnte vor allem etwas Pathologisches, mit Differenzierungen halte er sich nicht lange auf - höchstens, um die verschiedenen Sparten mit entsprechenden "psychoanalytischen Expertisen" zu versehen. Diese Methode enthüllt in Jungheinrichs Augen allerdings mehr von dem Autor als von der Musik. Stockhausen, Kagel, Rihm, Schnebel: "alle werden sie krankgebetet, und Rettung ist nirgends". Der Rezensent vermutet, dass Stuppner - vielleicht ohne es selbst zu ahnen - die beschränkte Konkurrenzfähigkeit seiner eigenen Kompositionen spürt und daher die Arbeiten seiner Kollegen entwertet, um im Vergleich besser abzuschneiden. Mit der in diesem Band deutlich spürbaren Verletztheit hat sich der Autor aber selbst keinen Gefallen getan, findet Jungheinrich.
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