Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Claude Simon
Der blinde Orion

Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN-10 3861508583
ISBN-13 9783861508588
Gebunden, 170 Seiten, 24,90 EUR
Klappentext
Aus dem Französischen übersetzt von Eva Moldenhauer. Mit 22 Abbildungen. Als einer der wichtigsten Autoren des Nouveau Roman hat Claude Simon wie kaum ein anderer die moderne französische Literatur geprägt. 1985 wurde er dafür mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Beispielhaft für Simons virtuoses experimentelles Spiel mit der erzählenden Sprache ist "Der blinde Orion", entstanden 1970 auf Anregung des legendären Kunstverlegers Albert Skira. Das schmale Büchlein ist ein wahres Feuerwerk sprachlicher Assoziationen; Szenen, die immer wieder in Bildern erstarren, um gleich darauf wieder zu prallem Leben zu erwachen, ranken sich um wirkliche Bilder - Skizzen, Fotografien, Collagen, anatomische Illustrationen aus medizinischen Lehrbüchern. Im Zentrum steht das Monumentalgemälde "Der blinde Orion sucht die Sonne" von Nicolas Poussin, eines von Simons Lieblingsbildern.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2009
Joseph Hanimann empfiehlt diesen im Original bereits im Jahr 1970 entstandenen Band Claude Simons zu Poussins Gemälde "Der blinde Orion", der nun auch auf Deutsch erscheint. Sprachliche Assoziationen zur Figur des Orion, erfahren wir, führen den Autor schnell weg von der eigentlichen Bildbeschreibung und hin zu einer Vielzahl neuer Motive. Abgebildet sind in diesem Band "aus dem Grenzgebiet zwischen Kunst und Literatur" neben dem Orion-Gemälde zudem Werke wie Fotomontagen von Brassai und Warhol oder Collagen von Rauschenberg, teilt der Rezensent mit. Ohnehin müsse man sich bei Simon stets auf sein inneres Auge verlassen, meint Hanimann, nun würden eben die Bilder gleich mitgeliefert. Allerdings, stellt der Rezensent heraus, sind diese keine bloßen Textillustrationen, sondern geben ihrerseits immer wieder neue Assoziationsanstöße. Hanimann lobt außerdem die "prächtige" Aufmachung des Bandes, den er sowohl Simon-Liebhabern wie Neulesern ans Herz legen möchte.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.10.2008
Der 1970 in der Reihe "Sentiers de la creation" ("Pfade der Schöpfung") erschienene Band "Der blinde Orion" von Claude Simon liegt nun auch in einer deutschen Übersetzung und zudem in überaus prächtiger Ausstattung vor, freut sich Felix Philipp Ingold. Allerdings dürfe man sich weder von der bibliophilen Ausstattung noch vom Reihennamen auf die falsche Fährte locken lassen, denn Simon mache in seiner Einleitung wie auch im Buch selbst deutlich, dass er sich weniger als Schöpfer origineller Werke, denn als "Arrangeur und Monteur" verstehe, erklärt der Rezensent. Was der Autor hier ausgehend von Nicolas Poussins 1658 entstandenem Gemälde "Der blinde Orion sucht die Sonne" in mäandernder, "labyrinthischer Suchbewegung" wie Simon es selbst beschreibt, entwickelt, ist eine "wertfreie Beschreibungskunst", die nicht zuletzt deshalb so fesselnd ist, weil sie in der Lektüre das Beschriebene erst entstehen lässt und die Leser dabei vielfältige "sinnliche Erfahrungen" machen, wie Ingold schwärmt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2008
Sehr eingenommen zeigt sich Rezensentin Gesine Hindemith von Claude Simons Werk aus dem Jahre 1970, das nun erstmals auf Deutsch erschienen ist. Ausgehend von dem Gemälde des Künstlers Nicolas Poussin "Der blinde Orion sucht die Sonne", welches dem Autor als "poetologische Metapher" dient, entwirft Simon hierin ein Panorama an Bildassoziationen. Äußerst erhellend findet sie die Gedanken zur Kunst des Erzählens, mit denen der Autor seine Bildbetrachtungen ummantelt. Insbesondere das Vorwort des Schriftstellers instruiere den Leser gekonnt in literarischen Fragen, betont die Rezensentin. "Virtuos" reihe Simon in seinen weiteren Ausführungen szenische Bildbeschreibungen aneinander und kreiere dabei ein "beständiges Ineinanderkippen von Erzähl- und Bildebene", von deren Qualität Hindemith beeindruckt ist. In der fragmentarischen Konstruktion des Textes erkennt sie zudem Parallelen zur filmischen Schnitttechnik.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen






