Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Christoph Fehige
Soll ich?
Klappentext
Welchen Grund haben wir, anderen zu helfen? Christoph Fehige beantwortet die alte Frage der Moral neu: mit einer apriorischen Mitleidsethik. Von der unsicheren Hoffnung, dass Natur oder Erziehung des Menschen für die richtigen Affekte sorgen, hat sich diese Moralbegründung befreit - dass wir Gründe haben zu helfen, entpuppt sich als begriffliche Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2005
Die Philosophie, findet Uwe Justus Wenzel, beantwortet Fragen, die sich auch Kinder stellen, und sie beantwortet sie längst schon im Bewusstsein der von der Tradition gegebenen Antworten. Etwas neckisch begibt sich auch der Rezensent aufs Niveau der Kinderfrage und erläutert Christoph Fehiges Untersuchung am einfachen Beispiel: "Lotte zum Beispiel muss Hans den Bagger nicht zurückgeben, aber sie soll es." Warum sie soll, anders gesagt: welche guten Gründe es gibt, das, was sie soll, sogar freiwillig zu wollen, das werde von Fehige erörtert. Das Argument, bei dem er lande, habe mit dem Wunsch zu tun, das eigene Mitleid, bei dem einem unwohl ist, besser durch Vermeidung des Leids des anderen, dessen Leid man so schwer ertragen kann, zu vermeiden. Anders gesagt: "Dieses konjunktivische Unwohlsein angesichts deines Leids ist der implizite Wunsch, du mögest nicht leiden." Wenzel bescheinigt dem Autor Raffinement in der Nuancierung vorhandener Theorien.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.03.2005
Durchaus kritisch betrachtet Manfred Geier diesen Versuch von Christoph Fehige, eine Ethik des Mitgefühls logisch zu begründen. Skeptisch stimmt ihn schon dessen Ansatz, das Handeln der Menschen, ihre Motive und Neigungen zugunsten "apriorischer" Gründe zurückzustellen, um eine "Empathie a priori" als Prinzip des moralischen Handelns ins Spiel zu bringen. Fehiges deduktive Argumentation bringt Geier auf folgende Formel: "Jeder wünscht, dass jeder glücklich ist und keiner leidet." Zwar räume Fehige ein, dass dies nicht unbedingt den Tatsachen entspreche. Aber er sehe darin kein grundlegendes Defizit, zumal wenn man das deduktive Argument immer subtiler, differenzierter und formalisierter mache, um seine logisch zwingende Kraft zu erhöhen. Der formale Beweis für eine "apriorische Glücksthese" und "apriorische Mitleidethik", den Fehige dann entwickelt, erscheint Geier "nur noch für Fachspezialisten nachvollziehbar". "Verblüffend" findet er Fehiges dabei trickreichen Einsatz des Konjunktivs. "Er spricht von dem, was wünschbar wäre und was empathisch mitgefühlt würde, wenn man sich das Glück und Leid des anderen 'vollständig, lebhaft und korrekt' vorstellte." Fehiges Ausführungen über das "konjunktivische Unwohlsein" im Falle fremden Leids quittiert er dann spöttisch: "Welch ein Glück, dass es für den strengen Logiker den grammatischen Konjunktiv gibt! So kann er als vernünftiger Mensch aus apriorischen Gründen ein gutes Gewissen haben, auch wenn er nichts tut."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2005
In seinem Buch "Soll ich?" untersucht Christoph Fehige die Rolle der Gefühle beim moralischen Handeln, berichtet Rezensent Gustav Falke. Dabei komme es dem Autor nicht so sehr darauf an, von moralischen Handlungen zu zeigen, dass sie geboten sind, sondern nachzuforschen, welchen Grund wir haben könnten, das Gebotene auch zu wollen. Fehige sehe in der Empathie, dem Mitleid und der Mitfreude, ein apriorisches Prinzip. Sofern die Menschen vor dem Leid des anderen nicht die Augen verschlössen, hätten sie den deutlichen Impuls zu helfen. Die Aufgabe der Ethik sei damit zu der Frage verschoben, "warum die meisten von uns meistens nicht genau genug hinsehen und wie damit umzugehen ist." Falke merkt an, dass sich Fehige im Detail allerdings eher für die vorstellungs- und handlungstheoretische Abgrenzungen interessiere, was es heißt, etwas 'eigentlich' zu wissen oder zu wünschen. Da wird es dann doch deutlich abstrakter und blutleerer. Falke kommt nicht umhin, auf den Widerspruch zwischen der "auf Popularität zielenden Aufmachung" des Bändchens und den "engschrittigen Schulabgrenzungen" hinzuweisen. Und so resümiert er: "Der allgemeinen Wende von der Rationalität zu den Gefühlen, vom Sollen zum Sein entspricht nicht gleichermaßen eine Wende von der Abstraktion zur Fülle ethischer Phänomene."
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi
Mit 33 Abbildungen. 1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen ...
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








