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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Charles Bukowski

439 Gedichte

Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 386150457X
ISBN-13 9783861504573
Gebunden, 500 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übertragen von C. Weissner.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.01.2004

Florian Vetsch beginnt seine Besprechung mit einem überschäumendem Lob für den Übersetzer Carl Weissner, der die 439 Gedichte dieses Bandes von Charles Bukowski ins Deutsche gebracht hat. Erst durch ihn hat der amerikanische Lyriker und Romancier seine "adäquate" Übertragung ins Deutsche erfahren, so der Rezensent begeistert. Vetsch wendet sich in seiner Kritik ausdrücklich gegen die Einordnung von Bukowskis Werken in die Beat-Literatur und betont die "autobiografische Aufrichtigkeit" der Gedichte, die "knallhart" und bis zur "völligen Selbstentblößung" über die "Triebe und Süchte" ihres Verfassers erzählen. Vetsch gibt zu, dass manche Gedichte von "kaum zu unterbietender literarischer Qualität" sind, sie sich an der Vulgärsprache orientieren und ziemlich banal scheinen. Doch hat er auch viele Texte gefunden, deren "Direktheit" und "Vitalismus" ihm imponiert und die "kein Wort zuviel" verlieren. Kritiker hätten den Gedichten vorgeworfen, sie drehten sich immer nur um die gleichen Sujets - Pferderennen, Sauftouren, Frauengeschichten - berichtet Vetsch. Er selbst dagegen sieht hierin ein Moment der Kontinuität und ein Markenzeichen Bukowskis. Unser Rezensent räumt zwar ein, dass kaum jemand den Gedichtband an einem Stück durchlesen wird, doch ist er davon überzeugt, dass viele Leser darin "immer wieder gerne blättern" werden.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.04.2003

Über die Gedichte verliert Rezensent Frank Schäfer nicht allzu viele Worte, es herrscht in ihnen der wohlvertraute Bukowski-Sound. Und auch wenn einem Bukowskis "Säufergeprahle und Geprolle" nicht immer Spaß mache, könne dies sein Format natürlich nicht wirklich verringern. Schäfer stört sich vielmehr an der "Vollständigkeit" der Sammlung, die den Band immerhin eintausend anstrengende Seiten umfassen lasse. Und daran, dass der Leinenband und das goldgeprägte Dichterautogramm den armen Bukowski "ziemlich Rilke-verdächtig" aussehen lasse: "Looks like Klassikersarg."

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2003

"Da steht er nun", freut und wundert sich der rezensierende Schriftsteller Albert Ostermaier, "in seinem Prachtband wie ein Klassiker." Doch Ostermaier lässt keinen Zweifel daran, das Bukowski das auch verdient hat und nimmt ihn gegen geläufige Vorwürfe in Schutz. Zum Beispiel, dass er ein Schwätzer gewesen sei. Gewiss, räumt Ostermaier ein, manche Bukowski-Methapher müsse man im Sixpack nehmen, und es wären nicht alles Muskeln, womit er in seinen Gedichten spiele, sondern manchmal quelle auch "schwabbelndes Fett" heraus. Trotzdem erscheint ihm der amerikanische Dichter "wie ein Dichter aus dem richtigen Leben", "authentisch, als könne man seine Gedichte riechen" und wenn Literatur insgesamt stellvertretende Erfahrung sei, so müsse man nach diesen Gedichten eine Entziehungskur beantragen. Auch die Dichter, über die er schrieb, holte Bukowski für den Rezensenten "aus den Regalen ins Leben zurück". An den Gedichten bewundert er auch, wie sie das Große menschlich machen und "die unzähligen kleinen Unglücke gerade so groß, dass man sie noch ertragen" könne. Ostermaier schätzt Bukowskis fotografische Poesie für ihre Details, den "Rhythmus der Schatten", den "Schnappschuss, ausgelöst von einem Herzschlag", eine Lakonie, die er nie kalt und Verknappungen, die er immer auch verschwenderisch fand. Auch Übersetzer Carl Weissner bekommt Höchstwertungen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Ein dicker Band für die reifere Generation ist diese Bukowski-Ausgabe mit insgesamt 439, teilweise auf deutsch erstveröffentlichten Gedichten geworden, gesteht Willi Winkler fast etwas geniert ein. Dieser Gedanke muss auch den Verlag beschäftigt haben, denn von der Aufmachung her erinnert das Buch an die einbändigen Insel-Klassiker, amüsiert sich Winkler. Doch keine Angst, von der Buch-Bauchbinde grinst einen "der alte Sack" mit Bierflasche in der einen und Zigarette in der anderen Hand an, und auch seine Gedichte scheinen Winkler so frisch und direkt wie eh und je. Gerade die kunstlose, spontane Erfassung von Vorgängen und Empfindungen ist es, die Winkler bei Bukowski so gefällt. Momentaufnahmen eines kaputten, gescheiterten, gekränkten Lebens beschreiben, das kann keiner so wie er, versichert Winkler. Wo Bukowski bloß noch "vom Scheißen und Ficken, von Arsch und Titten redet", da kommt er Winkler allerdings kindisch vor: abgestandene Sätze, die Pose verbraucht. Leider, merkt der Rezensent an, wurde auf jede Kommentierung und auch eine anständige Lektorierung des Kompendiums verzichtet. Ab in die Schrankwand!

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