Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem mexikanischen Spanisch von Ulrich Kunzmann. Ein Leben, das die Geschichte unseres Jahrhunderts erzählt. Aus einer alten, bürgerlichen Familie stammend, wächst die junge Laura in ein neues, unsicheres Mexiko, dessen Weg so wechselvoll verläuft wie Lauras Leben - bis in unsere Tage.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2001
Respektvoll, aber nicht gerade begeistert bespricht Katharina Döbler diesen Roman. Die Figuren, die um Laura kreisen, seien exemplarisch für "Weltanschauungen, Glaubensbekenntnisse" und "Wertsysteme" des 20. Jahrhunderts. Laura selbst bleibe dabei allerdings ein wenig konturlos. Man könne das Buch daher mit "dem kalten Blick eines Buchhalters" lesen, der überprüft, "ob auch alles darin vorkommt". Döblers Blick hat sich mit der Zeit jedoch erwärmt: sie lobt die erzählerischen Qualitäten Fuentes, die "boshafte Ironie", die "zugespitzten Schilderungen" und die "oszillierenden Nebengeschichten", die in der Übersetzung "deutlich blasser" seien als im Original. Ein bisschen nimmt sie Fuentes diese handwerkliche Qualität auch übel - eben weil er sie so geschickt einsetzt, dass sie ihm fast erlegen wäre. Leicht säuerlich merkt sie am Ende ihrer Rezension an, dass sie sein Konzept, eine Geschichte des 20. Jahrhunderts zu erzählen, "gewiss verstanden" hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2001
Die Geschichte Mexikos im zwanzigsten Jahrhundert, erklärt uns Rezensent Max Grosse, werde von Fuentes im Brennpunkt einer Frauenfigur gebündelt. Zunächst löst Grosse ein paar literarische Rätsel, die als Figurennamen daher kommen , aber Reverenzen an literarische Vorbilder wie Balzac oder Thomas Mann sind. Dann heftet er sich mit germanistischer Akribie an die Fersen des allwissenden Erzählers, und dechiffriert mit detektivischem Eifer literarische Anspielungen. Doch als der Erzähler plötzlich das Bewusstsein verliert und verschwindet, muss sich der Rezensent allein durch den Roman arbeiten. Gott sei dank steht ihm dabei aber noch die "Ringkomposition des Romans" zur Verfügung, und er ist nicht ganz aufgeschmissen. Wir geraten also etwas auf die Lebensbahn der Laura Diaz, die der Rezensent erfreulicherweise "grundsympathisch" findet, und alsbald Interpretationen ihres "sanften Naturells" liefert, die seltene Stilblüten treiben. Einer von Laura Ehemännern, lesen wir später dann, erlebt sich "in einer ergreifenden Sterbeszene zwischen Rasierspiegel und Toilette als gescheiterter Verräter an der Sache der Arbeiter". Und schließlich gelangt unser Rezensent zu dem Ergebnis, dass bei Fuentes "die gewaltige Aufgabe, das zwanzigste Jahrhundert in seiner Gewalttätigkeit und Widersprüchlichkeit zu veranschaulichen", leider zum weitgehenden Verzicht auf Sprachkomik und ironische Distanzierung führe. Zumindest was die Sprachkomik betrifft, konnte unser Rezensent da einiges wieder gutmachen. Nicht ganz freiwillig, vermuten wir allerdings.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.09.2000
Literarisch wenig überzeugend findet Diemut Roether den neuen Roman des Mexikaners Carlos Fuentes, der sich für sie wie ein "Abgesang" auf das soeben abgewählte Regime liest. Was Marquez für Kolumbien, sei der etwa gleich alte Fuentes für sein Heimatland: nämlich das "politische Gewissen der Nation", schreibt Roether, und ähnlich wie sein berühmter Kollege packt auch Fuentes die Geschichte seines Landes in eine Familiensaga, die einen Bilderbogen der Geschichte Mexikos im 20. Jahrhundert an die Wand malt. Schön bunt und großflächig, aber an vielen Stellen auch zu schematisch und fast ein bisschen kitschig geraten, meint die Rezensentin. Vor allem die fiktiven Teile des Romans haben Roether nicht überzeugt - die Geschichte der halbemanzipierten Laura, die als Zeitzeugin fungiert und mit 60 Jahren zur Magnum-Fotografin aufsteigt leuchtet ihm nicht ein. Ihre Anerkennung zollt Roether hingegen den kundig geschriebenen politischen Passagen, die die mexikanische Geschichte mit der US-amerikanischen und der europäischen verschränken.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.08.2000
Carlos Fuentes, der "Experte des totalen Romans", hat wieder zugeschlagen, stellt der Rezensent Fritz Rudolf Fries fest. Wieder einmal wird dem Leser in einem verschlungenen Geflecht von fiktiven Figuren und Personen der Zeitgeschichte (darunter Bunuel, Neruda, Husserl), historisch Belegtem und Erfundenem, Gegenwärtigem und Vergangenem das Panorama des 20. Jahrhunderts vor Augen gestellt. Den Rezensenten beschleicht die Frage, ob das mehr ist als "ein Potpourri aus längst gehörten Melodien", eindeutig beantworten wird er sie nicht. Zu den Höhepunkten gehören für ihn die Kapitel über Frida Kahlo und Diego Rivera, das Problem sei, so Fries, dass daneben die fiktiven Figuren etwas verblassen. Dennoch: zum "Roman im Roman" wird die Geschichte der Ehe von Titelfigur Laura und dieser Teil ist, urteilt der Rezensent, "von trauriger Schönheit".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2000
Dem Rezensenten Martin Ebel ist seine Liebe zu dem mexikanischen Schriftsteller Carlos Fuentes durchaus anzumerken, um so enttäuschter zeigt er sich jedoch über dessen neuesten Roman "Die Jahre mit Laura Díaz", den er "ästhetisch ein Monstrum" nennt, uneinheitlich und manche Figuren sogar denunzierend erzählt, eine letztlich "konventionelle Chronik" der gewaltsamen politischen Vergangenheit Mexikos in den letzten hundert Jahren. Für ihn ist es zugleich ein unglaubwürdig bleibender Emanzipationsroman, der eher holzschnittartig den Machismo beschreibt. Auch in seinen früheren Romanen, schreibt Ebel, habe sich Fuentes immer wieder der großen Geschichte seines Landes zugewendet, aber dieses Mal habe es ihm an Kraft gefehlt, den Stoff durchgehend zu gestalten und entsprechend auch der Mut, sein Schreiben formal in eine neue Richtung zu treiben.
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