Bücherschau der Woche
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Klappentext
Deutsch von Kathrin Passig und Gerhard Henschel. Bob Dylan der mit bürgerlichem Namen Robert Zimmermann heißt, erzählt in seiner langerwarteten Autobiografie, die auf insgesamt drei Bände angelegt ist, von seiner Karriere über vier Jahrzehnte. Bob Dylan hat nicht nur die letzten vierzig Jahre Musikgeschichte wie kaum ein anderer geprägt, sondern ist ebenso einer der großen und einflussreichsten Lyriker unserer Zeit, der mehrmals von Allen Ginsberg offiziell für den Literaturnobelpreis nominiert wurde.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004
Eine Autobiografie, die über den Niederungen des biografischen Berichts steht - das, so Lothar Müller, überlässt Bob Dylan seinen Material anhäufenden und schreibenden Bewunderern aus Journalismus und Philosophie. Er selbst dagegen will, so formuliert es Müller, "sein eigener Ghostwriter sein", die Stimme, die Bob Dylans Geschichte in einem Bob-Dylan-Song besingt, in einem Ton "irgendwo zwischen dem Alten Testament und einer Bootleg-Series". Für Daten, Orte, Namen und Platten lege man sich eine Biografie mit Diskografie in Griffweite. Und dann bitte volle Konzentration auf den Geist der Geschichte! Müller hat zwei Bewegungen identifiziert: den Aufbruch und die Ankunft, verbunden mit einen Blick zurück. Hier vermutet der Rezensent den Schlüssel zu Dylans Selbstwahrnehmung und damit zu seiner Laufbahn: Die Überzeugung, "dass er seine entscheidenden Inspirationen als Songwriter, der das Songwriting revolutioniert, dem Blick zurück verdankt" - auf die amerikanische Geschichte, auf die Pionierzeit der Massenunterhaltung, auf die Erfindung des Buchdrucks. Kurzum: Dylans neuestes Konzeptalbum.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.11.2004
Rezensent Heinrich Detering ist ausgesprochen beeindruckt von diesem Buch, in dem Bob Dylan sein Leben als "selbstironischen Bildungsroman über den Weg in eine zeitlose, mit religiösen Vorstellungen verschwimmende Sphäre der Kunst" erzählt. Gefallen hat Detering besonders die uneitle Selbstdistanz und Chuzpe, mit der Dylan stets haarscharf an den Ereignissen vorbeierzähle: Nichts erfahre der Leser "über die Revolution der Rockmusik, kaum ein Wort über die wichtisgen Alben, nichts von der Ehescheidung, nichts von Jesus". Dylans unternimmt mit seinem zeitraffenden und zeitdehnenden Erzählen für Detering einige Anstrengung, alle Chronologie aufzuheben, weshalb der Rezensent schon den Titel des Buches nur ironisch verstehen kann. Unter der "scheinbaren Spontaneität" von Dylans autobiografischen Geschichten spürt der Rezensent außerdem ein Kunstbewusstsein, dem er nie ganz auf die Schliche kommen kann. Mit Techniken, wie er sie in seinen Songs der siebziger Jahre entwickelt habe, ziele Bob Dylan in diesen Aufzeichnungen "auf den stehenden Augenblick jenseits der verstreichenden Zeit". Auch kann Detering in diesem Buch "jenes vergangene und nie ganz wirkliche Amerika" spüren, aus dem für ihn Bob Dylans Songpoesie lebt, in die sich dieses Buch "nach einem weit ausholenden Bogen hinauf in unsere Gegenwart" wieder zurückbiege.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2004
Für Frank Schäfer klingt der ersten Band der Autobiografie von Bob Dylan, der nun in deutscher Übersetzung vorliegt, ein bisschen nach "Altvorderen-Prosa" in der der Mythos des alten Amerika noch einmal beschworen wird. Dazu passt seiner Meinung nach auch, dass der amerikanische Verlag es nicht versäumt hat zu betonen, Dylan habe seine Lebenserinnerungen auf einer "uralten Schreibmaschine" geschrieben. Der Rezensent betont, dass die Autobiografie keineswegs chronologisch geschlossen ist, sondern vielmehr in Sprüngen voranschreitet, die die jeweiligen "Wendepunkte" im Leben des Sängers und Songwriters einfangen. Dylan beschreibt, wie er 1961 zu seinem Plattenvertrag kommt, sich 1968 aus dem Musikbusiness zurückzuziehen versucht, weil ihm der Rummel um die eigene Person zu viel wird und er schildert den "Tiefpunkt seiner Karriere", 1987, wo er daran denkt mit der Musik aufzuhören, fasst der Rezensent zusammen. Schäfer fragt sich ein bisschen zweifelnd, ob die "kryptischen Passagen" über eine neue Gitarrenspieltechnik, die Dylan unter anderem aus der Krise hilft, eigentlich ernst zu nehmen sind, oder unter der Rubrik "Weihrauch" zu verbuchen sind. Insgesamt aber stellt der Rezensent beeindruckt fest, dass der Sänger seinem offenbar hohen literarischen Anspruch in diesem Buch durchaus gerecht wird. Schäfer preist die dichten Schilderungen der Milieus und Charaktere und findet, dies alles habe den "Anschein von Authentizität", was er als Ausweis jeder "guten Literatur" definiert. Ihn beeindrucken auch die "Verve" und der "nachgerade religiöse Enthusiasmus", mit dem Dylan insbesondere "musikalische Einflüsse" schildert und er gesteht, dass es ihm "Spaß" gemacht hat, Dylan hier "beim Schwärmen zu beobachten".
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