Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler. Warum lässt sich ihre Mutter immer wieder mit Männern ein, die nichts taugen? Zum Beispiel Bordzek. Was hat ihre Mutter nur an dem gefunden? Zum Glück ist er fort - ihre kleine Schwester Edie hat ihn mit nur einem einzigen Satz in die Flucht geschlagen. Nur schade, dass auch Axel fort ist, ihr großer Bruder. Nach einem Streit mit einem Liebhaber ihrer Mutter ist er zu Mortimer gezogen, den er anders lieb hat als seine Geschwister. Wie kommt das alles? Müssen große Brüder fortgehen? Bart Moeyaert lässt hier ein Mädchen einen zugleich distanzierten und innigen Blick auf seine "schwierige" Familie werfen und von der Sehnsucht nach Geborgenheit erzählen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.01.2002
Rezensentin Monika Osberghaus hält viel von diesem jungen niederländischen Autor, auch wenn sie im Detail noch manche Unfertigkeit zu bemängeln hat. Seine Geschichten findet sie "bezwingend". Auch deshalb, weil sie beim Lesen den Eindruck hat, hier schreibe jemand, um eine "Beklemmung" loszuwerden. Moeyaerts neuer Roman handelt ihren Schilderungen zufolge von vier Geschwistern, die sich selber Vater und Mutter sein müssen. Denn einen Vater gibt es nicht, und die Mutter hat nur ihre Liebhaber im Kopf. Aber anders als in "der an solchen Leuten nicht armem Jugendliteratur" gehe es hier einmal nicht darum, das anzuprangern. Hinter der Sehnsucht der Geschwister nach "Eltern, die etwas taugen", sieht die Rezensentin "übergroß" die Sehnsucht nach Liebe stehen. Das gebe dem Buch eine Wärme, die in ihren Augen alle Beschädigungen überstrahlt. Moeyaerts "stimmungssatte, körpernahe Szenen" erscheinen ihr wie "Filmbilder mit der Handkamera".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.11.2001
Jugendbuchautoren orientieren sich mehr und mehr an literarischen Standards der Belletristik, meint Rezensentin Gerda Wurzenberger - Identifikationsfiguren fielen wenn überhaupt, dann nur noch durch die Hintertür ins Haus der Jugendliteratur. Die Rezensentin stellt zwei Jugendromane vor, die ihrer Ansicht nach zwar eine Entwicklung im Sinne einer Aufklärung der Geschichte bieten, aber in beiden bleibe ein unbegreiflicher Restbestand, der sich nicht (im sozialkritischen Sinne) aufklären oder einfach erklären lasse.
1) Mats Wahl: "Der Unsichtbare"
Der Schwede Mats Wahl hat einen Krimi für Jugendliche geschrieben, was ja jetzt eigentlich alle tun (das gilt für die Kinder- wie Jugend- und Erwachsenenliteratur), der sich aber in der Form recht ungewöhnlich präsentiert, behaupet Wurzenberger. Die Erzählperspektive wechsele. Zu Anfang wird noch aus Sicht des vermissten Jungen berichtet, aber je mehr der ermittelnde Kommissar der Wahrheit und einer rechtsradikalen Jugendgruppe auf die Spur komme, desto mehr trübe sich der Sinn des vermissten Jungen, der im Sterben liege. Zu dessen Tod fallen dem Autor haufenweise sozialkritische Motive und "pseudoreligiöse Erklärungen" ein, meint Wurzenberger und lässt offen, inwiefern sie dieses Zugeständnis an tröstungsbedürftige Kinder und Jugendliche gelten lässt.
2) Bart Moeyaert: "Es ist die Liebe, die wir nicht begreifen"
Ein Kurzroman, der nach Wurzenberger ein Gefühl der Rätselhaftigkeit und Unvollständigkeit vermittelt. Im Mittelpunkt steht eine halbjugendliche Heldin mit ihren großen und kleinen Geschwistern, die alle unter der Vorliebe ihrer Mutter für unmögliche Männer leiden. Fazit: Erwachsenenliebe ist grausam und vor allem unberechenbar. Angesiedelt ist er in einer nicht näher bezeichneten Umgebung und einer nicht näher bezeichneten Zeit - die 60er Jahre, vermutet die Rezensentin, und die Nationalität des Autors - er ist Holländer - könne zumindest einen geografischen Anhaltspunkt liefern. Die vom Autor so eingesetzte Fremdheit scheint das Buch aus den Beschränkungen des Genres herausgelöst zu haben, schreibt Wurzenberger, das Rätselhafte wiederum weise darauf zurück. Auch eine recht rätselhafte Bemerkung, aber es ist doch spürbar, dass die Rezensentin von diesem Roman stark beeindruckt ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.11.2001
Beeindruckende Literatur ist das. Dies die Meinung der Rezensentin, die es viel besser findet, wenn, wie in diesem Buch, nicht alles ausgesprochen wird, sondern der Leser kraft einer "äußerst sinnlichen und sehr direkten Beschreibung" "dabei" sein kann, aber dennoch genügend Freiheit hat, Raum für eigene Gedanken. Die Bilder und Szenen, die Moeyaert erfindet, um seinen "archetypischen Konflikt" zwischen Mutter und Sohn darzustellen, von Abschied, Kindheit, Jugend und Alter zu erzählen, verfügen laut Stephanie von Selchow über "große Kraft und Symbolwirkung."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2001
In drei eigenständigen Kapiteln beschreibt ein zwölfjähriges Mädchen Szenen aus ihrem Familienleben, die sich für Siggi Seuss deutlich von denen unterscheiden, die sie in anderen Jugendbüchern gelesen hat. In einer "ungeheuren" Dichte halte der belgische Schriftsteller Bart Moeyaert Stimmungen eines Mädchens fest, das versucht, die Liebe zu begreifen. Für den Rezensenten sind die Geschichten in diesem Buch Gleichnisse der Vielfalt dessen, was wir Liebe nennen. Und dazu gehören für Seuss Rohheit und Zartheit, Unerschütterlichkeit und Zerbrechlichkeit, Illusion und Wahrhaftigkeit. Der Autor, so Seuss, hat diese Nuancen in intensiven Bildern festgehalten.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001
Brigitte Jakobeit ist von dem Jugendroman über Gewalt in der Familie äußerst angetan. Wie schon in den vorangehenden Romanen des niederländischen Autors findet sie die besondere Gefühlslage von Jugendlichen auch hier treffend beschrieben. Dabei erleichtert es die Rezensentin, dass Moeyaert die familiären Probleme nicht "breit tritt", sondern sich mit Andeutungen begnüge. Er sei ein "Meister der literarischen Beschränkung", so Jakobeit begeistert, dem es immer gelinge, an den richtigen Stelle Pausen zu setzen und der zu recht "Vertrauen auf die Wirkung von Bildern" habe.
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