Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Türkischen von Angelika Gillitz-Acar und Angelika Hoch. Nachwort von Karin Schweißgut. Rio de Janeiro: Stadt des Karnevals, Meisterin im Spiel der Täuschungsmanöver, der Zufälle und der Maskerade. Özgür, eine introvertierte junge türkische Akademikerin, kann sich von der ebenso faszinierenden wie bedrohlichen Stadt nicht lösen, ja sie fühlt sich vielmehr angezogen von der scheinbar grenzenlosen Freiheit und der Lebensfreude der brasilianischen Metropole. Weit entfernt hat sich dabei die junge Frau von der traditionellen Frauenrolle, wie sie die türkische Gesellschaft vorsieht. Nicht wie eine Touristin führt Özgür den Leser durch die Labyrinthe dieser Großstadt, sondern wie eine Migrantin, die das zunächst Fremde als Vertrautes und Eigenes akzeptiert. Gleichzeitig ist die Stadt Impuls für ihr Schreiben und für die Schöpfung ihrer fiktiven Doppelgängerin Ö. - die beiden Erzählebenen, auf mannigfache Weise miteinander verflochten, spiegeln sich ineinander. Passagen, die aus einem Reiseführer stammen könnten, folgen surrealen Szenen, satirische Momente wechseln sich mit Zeitungsmeldungen ab.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.06.2008
Monika Carbe hat Asli Erdogans Roman um die junge aus Istanbul stammende Özgür, die sich in der Metropole Rio de Janeiro durchzuschlagen versucht und schrittweise in ihrer Einsamkeit ihre Identität verliert, nicht kalt gelassen. Die Protagonistin protokolliert in ihrer Romankladde, deren Heldin ihr alter Ego Ö. ist, die Eindrücke von Gewalt, Armut und Verlorenheit wobei ihre Aufzeichnungen immer "verstörender" und "verstörter" werden, stellt die Rezensentin mitgenommen fest. Der erschütternde Eindruck mag sich auch aus der Tatsache ergeben, dass die türkische Autorin, die Informatik und Physik studiert hat, die fortschreitende Auflösung ihrer Heldin bei aller Poesie und aller Bilderfülle recht analytisch und kühl beobachtet, mutmaßt Carbe. Höchst begrüßenswert findet die Rezensentin, dass mit diesem Roman, der in die seit 2005 erscheinende 20-bändige Türkische Bibliothek des Zürcher Unionsverlags aufgenommen worden ist, "endlich einmal" eine türkische Autorin zu Wort kommt, die ihre Protagonistinnen ein modernes, unabhängiges Leben führen lässt, und wenn es noch so furchtbar ist.
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