Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Udo Rennert. Eine kurze Geschichte des Judentums: Der jüdische Religionswissenschaftler und ehemalige Rabbiner Arthur Hertzberg wagt es, eine Charakteristik der jüdischen Gemeinschaft zu entwerfen. Dabei konzentriert er sich im wesentlichen auf folgende Punkte: das Selbstbewußtsein, auserwählt zu sein, als Verpflichtung zu einer universellen Ethik für die Menschheit; die Erfahrung, immer und überall ausgeschlossen zu bleiben und sich beständig gegen eine fremde soziale und kulturelle Umwelt neu bestimmen zu müssen; und eine pluralistische, antidogmatische Tradition, aus der eine sich stets neu definierende, kosmopolitische Kultur erwachsen ist.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2000
Andreas Kilcher hält sich mit einem Urteil über dieses Buch weitgehend zurück und nutzt die Rezension vielmehr dazu, Hertzbergs wesentlichste Thesen herauszustellen und näher zu erläutern. Demnach lehnt der Autor sowohl eine vollständige Säkularisation wie auch ein dogmatisch-orthodoxes Judentum ab und plädiert für ein zwar religiös fundiertes, aber gleichzeitig liberales, modernes und auch multikulturelles Judentum. Bedingung dafür sei der "jüdische Charakter", dessen Identität Hertzberg an drei Grundbegriffen festmache: `der Jude als Erwählter, als Aufrührer und als Außenseiter`. Erwählt im Sinne eines `moralischen Vorbildes für die Menschheit`, als Aufrührer, weil Judentum nach Hertzbergs Ansicht pluralistisch, ja auch `zerstritten` sein müsse, und zuletzt als Außenseiter, weil sich Juden "in ihrem Nonkonformismus gegenüber dem nichtjüdischen Umfeld" unterscheiden. Kilcher weist dezidiert darauf hin, dass Judentum für Hertzberg nicht losgelöst von religiösen Fundamenten zu betrachten ist, da seiner Ansicht nach ein Judentum, dass sich "ausschließlich durch politische, gesellschaftliche, kulturelle Werte auszeichnet (...) seine konstitutive `Andersheit` aufgeben" würde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2000
Rolf-Bernhard Essig äußert in seiner Rezension zunächst großen Respekt vor dem Risiko und der bewussten "Provokation" der Autoren, die Frage nach dem `Wesen` der Juden zu stellen. Er weist auf die Tradition ähnlicher Versuche hin und auf das Problem, möglicherweise antisemitische Tendenzen unbeabsichtigt zu bestärken. An der vorliegenden Abhandlung gefällt ihm jedoch, dass die Autoren "ganz unorthodox" Juden `als Teil des jüdischen Volkes` betrachten und eher die Tradition und Verantwortung in den Vordergrund stellen, und nicht etwa ein besonderes `Verdienst`. So betont Essig das starke Eintreten der Autoren für Toleranz und Selbstbewusstsein und ihre Ablehnung ultraorthodoxer oder chauvinistischer Tendenzen, nicht zuletzt, weil ihrer Ansicht nach die Pluralität des Judentums "geradezu konstitutiv für seine Geschichte" gewesen sei. Inhaltlich lobt Essig die seiner Ansicht nach sehr differenzierte Darstellung der jüdischen Geschichte und bedeutender jüdischer Persönlichkeiten, die Hertzberg mit eigenen Erlebnissen - beispielsweise aus dem Ghetto oder persönlichen Begegnungen mit Ben Gurion und anderen - verknüpft. Nicht zuletzt sieht der Rezensent eine Stärke des Buches in der "Missachtung von Denktabus über das jüdische Wesen".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000
Positiv, wenn auch zurückhaltend, äußert sich Julius H. Schoeps über Hertzbergs Buch zu einer neuen Bestimmung des Judentums. Der Autor macht deutlich, so Schoeps, dass der Glaube an ihre Erwähltheit den Juden zwar in der Vergangenheit geholfen habe, schwierige Situationen zu überstehen, gleichzeitig werde aber diese Sonderstellung häufig als Bürde empfunden. Schoeps empfiehlt den Text als "lesenswert" und weist darauf hin, dass er ein Problem behandelt, das viele Juden nicht zuletzt seit der Shoah wieder beschäftigt.
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