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Armin Nassehi
Der soziologische Diskurs der Moderne
Klappentext
Wie funktioniert eigentlich die Soziologie? Vor welchem Publikum bewährt sie sich? Wie konstruiert sie ihren Gegenstand? Und welche Probleme löst sie, die wir ohne sie nicht hätten? Diese Fragen zielen auf die Möglichkeit soziologischer Theorie und Forschung überhaupt.
Die Antwort, die hier gegeben wird, besteht weder in einer Geschichte noch in einer systematischen Darstellung der Soziologie. Es geht vielmehr um eine Kritik der soziologischen Vernunft. Das zentrale Verfahren ist daher das der klassischen (Erkenntnis-)Kritik - einer Kritik, die die Bedingungen auslotet, mit denen sich soziologisches Denken möglich macht. Neben einer Kritik der reinen Soziologie geht es auch um eine Kritik der handelnden, der authentischen, der operativen und der gesellschaftlichen Vernunft. Diese Rekonstruktion kann keine neutrale Beobachtung des Faches sein, sondern führt zu einem Konzept einer Gesellschaft der Gegenwart. Es soll den veränderten Bedingungen einer Gesellschaft Rechnung tragen, die selbst nicht mehr an die Konstruktionen jener soziologischen Vernunft glaubt, welche das klassische Bild der (bürgerlichen) Gesellschaft und ihrer soziologischen Weiterentwicklung gezeichnet hatte.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.12.2006
Nicht einverstanden ist Hauke Brunkhorst mit der umfassenden Kritik, die Armin Nassehi in seinem Werk "Der soziologische Diskurs der Moderne" an der bürgerlichen Soziologie übt. Insbesondere das zentrale Argument des Autors, in der herrschenden Soziologie von Marx bis Adorno, von Weber bis Habermas, von Mead bis Beck werde die moderne Gesellschaft stets als Nationalstaat gedacht und damit der Kategorie der Globalität nicht gerecht, weist er zurück. Die Gesellschaft als Arena öffentlicher Selbstverständigung ist für Brunkhorst nämlich "keineswegs starr an den Nationalstaat gekoppelt". Sie habe sich längst zur Weltöffentlichkeit erweitert, und streite in vielen Arenen jenseits des Staats über ihre öffentlichen Angelegenheiten. Auch Nassehis Kritik an der von den bürgerlichen Soziologien vertretenen Idee einer sozialen Friedensordnung, einer diskutierenden Öffentlichkeit, einer egalitären Verfassung ohne Krieg teilt Brunkhorst nicht. Im Gegenzug wirft er Nassehi vor, einer Ideologie der "neuen Bürgerlichkeit" anzuhängen, "die mit Carl Schmitt und Herfried Münkler die jungkonservative Botschaft verkündet, dass, wer von Krieg nicht reden will, vom Frieden schweigen sollte".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2006
Armin Nassehi veranstalte ein großes Gemetzel unter dem von der Soziologie so sorgsam gepflegten Theoriepluralismus, berichtet Rezensent Hans Bernhard Schmid. Der Autor erzähle eine große Geschichte unterlegener und überlegener Theorien. Dies zelebriere Nassehi "wieder einmal" mit einer großen Freude an Reflexion, nicht aber an Argumentation, bemängelt der Rezensent. Zunächst müssten alle subjektverhafteten Theorien über die Klinge springen, dann die Rational-Choice Apologeten, und schließlich selbst noch die "Stichwortgeber" von Nassehi, die Praxis-Beschwörer. Denn ihnen, referiert der Rezensent des Autors Volte, mangele es an jenem erhöhten Reflexionsniveau, das auch noch die eigene Theorie "gegenwissenschaftlich" hinterfragt. Dies leiste nur Niklaus Luhmann. Der Autor liefere aber nicht nur kaum Argumente für seine Geschichte der Soziologie, kritisiert der Rezensent zu guter Letzt, "neue Beschreibungen" oder Gesellschaftsanalysen seien in der umfangreichen Studie gleichfalls Mangelware.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2006
Respektabel, aber nicht wirklich überzeugend, erscheint Jürgen Kaube dieser umfängliche Band über Sozialtheorien der Moderne, den der Soziologe Armin Nassehi vorgelegt hat. Er unterstreicht, dass Nassehi große Namen wie Durkheim, Weber, Dewey, Habermas, Luhmann, Bourdieu und Foucault ebenso ins Spiel bringt wie weithin Unbekannte, u.a. sich selbst. Der "soziologische Diskurs der Moderne" stellt sich für Kaube dabei dar als eine Art Wettkampf, den Soziologen und Philosophen in unterschiedlichen Konstellationen um die angemessenste Beschreibung der modernen Gesellschaft ausfechten. Dass Klarheit und Verständlichkeit hier nicht unbedingt als Sieger hervorgehen, erweist sich schnell. Kaube moniert etwa, dass unklar bleibt, was der zentrale und am häufigsten genannte Begriff der Praxis genau bedeuten soll. Auch Nassehis Versuch, die einzelnen Soziologen einzuordnen, kommt ihm zunehmend diffus vor. Besonders stört sich Kaube außerdem am unschönen, schwer verständlichen Soziologenjargon des Autors.
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