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Aus dem Archiv
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- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Anonimo Veneziano
Eine deutsche Reise anno 1708
Klappentext
Herausgegeben, aus dem Italienischen übersetzt und kommentiert von Irene Schrattenecker. In den Archiven Venedigs liegt ein handgeschriebenes Tagebuch über eine Reise von Bassano Di Grappa über Tirol nach Deutschland, dort kreuz und quer bis in den Norden und sogar nach Dänemark und Schweden hinein. Entdeckt hat diese kulturgeschichtliche Kostbarkeit die Romanistin und Kunsthistorikerin Irene Schrattenecker, die den Text aus dem alten Venezianisch übersetzte und aus heutiger Sicht erläutert und kommentiert. Sinn und Zweck der Reise bleiben ebenso unklar wie die Person des Autors, wahrscheinlich begleitete er einen Kaufmann. Doch von Geschäften ist kaum die Rede, dafür von Sehenswürdigkeiten und Bräuchen, von den - oft sehr tristen - Bedingungen einer solchen Reise, von Straßen und Wirtshäusern, von Empfängen in Adelspalais, von Frauen am Pranger, von Kanalisation und - sehr viel - von Befestigungsanlagen (war der Autor ein Spion der Serenissima?), von Obst- und Gemüsegärten vor den Toren der Städte und den Galgen daneben, an denen die Gehenkten verfaulten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "A. W." ist begeistert von dieser Entdeckung eines fast dreihundert Jahre alten Reisetagebuchs eines unbekannten Venezianers. Zwar wisse man über ihn selbst nichts, aber trotzdem vermittelt sich nach Ansicht des Rezensenten das Bild eines "bildungshungrigen Mannes, den alles interessiert, was ihm begegnet". Durch seine Schilderungen von Menschen, Städten, Kirchen, Gärten, Sitten und vielem mehr sowie seine persönlichen Eindrücke entsteht nach Ansicht des Rezensenten ein lebendiges Bild von Deutschland im frühen 18. Jahrhundert, in dem auch Religionsstreitigkeiten oder die Folgen des Dreißigjährigen Krieges deutlich werden, aber auch das, was gerade neu entsteht. Bedauerlich findet "A. W." lediglich, dass man nicht weiß, wie es dem "Verfasser auf seiner weiteren Fahrt ergangen ist".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2000
Gerrit Walther ist hingerissen von der Aufmachung des zweisprachig erschienenen Reiseberichts eines unbekannten Venezianers Anfang des 18. Jahrhunderts. Er schwärmt von diesem "wunderschönen Buch" und reibt sich verbal schier die Augen vor Verwunderung darüber, wie kenntnisreich und liebevoll die Herausgeberin sich dieses Textes angenommen hat. Der Rezensent preist die "keine Fragen offenlassenden Anmerkungen" und die "intelligente, unterhaltsame Einleitung" sowie die schönen Illustrationen. Nur wundert er sich, dass all diese Mühe auf ein derart "harmloses Textchen" verwendet wurde, das allenfalls ein "nettes" Mitbringsel" abgebe.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.04.2000
Entzückt zeigt sich Benedikt Erenz von dem Reisetagebuch des anonymen Venezianers. In Superlativen lobt er die Herausgeberin Irene Schrattenecker, die das Buch "auf das ausschweifendste, liebevollste und leidenschaftlichste" ediert habe. Erenz ist gefesselt von dem Blickwinkel des italienischen Reisenden auf Deutschland und freut sich an dessen oft skurrilen Interessen. Dass es im Textfluß schon mal zu einer "gewissen Faktenpulerei" kommt, sieht er der Tradition der Reisebeschreibungsliteratur der Zeit gezollt und mag es dem Autor nicht ankreiden. Das Reisetagebuch sei ansonsten ein "ganz eigenartiges Protokoll europäischen Lebens in den Zeiten des Barock".
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