Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Anne-Katrin Lang, Claus Leggewie

Der Kampf um die europäische Erinnerung

Ein Schlachtfeld wird besichtigt

Cover: Der Kampf um die europäische Erinnerung

C. H. Beck Verlag, München 2011
ISBN-10 3406605842
ISBN-13 9783406605840
Gebunden, 224 Seiten, 14,95 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Was hält Europa zusammen - der reichste Binnenmarkt der Welt, eine starke Währung, die Freizügigkeit seiner Bevölkerung - oder eine geteilte Geschichte? Vier von zehn EU-Bürgern sind Euro-Skeptiker, die in Umfragen bekunden, die Europäische Union sei eine schlechte Sache. Wer die europäische Identität stärken möchte, so die These von Claus Leggewie, der wird die Erörterung und Anerkennung der strittigen Erinnerungen genauso hoch bewerten müssen, wie Vertragswerke, Währungsunion und offene Grenzen. In diesem Buch analysiert er die europäische Erinnerungslandschaft und besucht Erinnerungsorte, an denen sich die aktuellen Geschichtskonflikte verdeutlichen lassen. Dabei steht die europäische Peripherie im Mittelpunkt, das Baltikum, die Ukraine, Jugoslawien, die Türkei, aber auch die europäische Kolonialvergangenheit und die Geschichte der Migranten. Auf diese Weise wird deutlich, wie weit noch der Weg ist zu einem im doppelten Wortsinne geteilten europäischen Geschichtsbewusstsein.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Claus Leggewie, Anne-Katrin Lang: "Der Kampf um die europäische Erinnerung" - Leseprobe bei C.H. Beck

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2011

Rezensent Helmut König hat diesen Band mit Gewinn gelesen, vor allem weil er ihm vor Augen führte, wie provinziell Westeuropas historisches Gedächtnis zum Teil noch immer ist. Die Autoren Claus Leggewie und Anne Lang beschreiben darin verschiedene Erinnerungskonflikte, deren öffentliche Erörterung sie für eine europäische Einigung unerlässlich finden. In einem ersten Teil werden verschiedene Themenkreise der europäischen Erinnerung dargestellt (Holocaust, Gulag, Kolonialverbrechen, ethnische Säuberungen), in einem zweiten Teil dann einige Beispiele erinnerungspolitischer Konflikte (die sowjetische Annektierung der baltischen Länder, der Völkermord an den Armeniern, der Holodomor in der Ukraine). Wie kompliziert hier Erinnerung ist und wie ungewiss liebgewonnene Gewissheit, das hat der interessierte Rezensent hier erfahren können.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2011

Überaus anregend findet Rezensent Christoph Klessmann Claus Leggewies Plädoyer für eine gesamteuropäische Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Erinnerungen. Die These, eine gemeinsame Reflexion der schwierigen gemeinsamen Geschichte Europas spiele eine zentrale Rolle für eine europäischen Identität, scheint ihm vom Autor überzeugend ausgeführt. Lobend hebt er Leggewies präzise Rekonstruktion einer Reihe von geschichts- und erinnerungspolitisch bedeutsamer Debatten - Auschwitz, GULag, ethnische Säuberungen, Migrationsgeschichte usw. - hervor. Auch die Ausführungen über Erinnerungsorte der europäischen Peripherie im zweiten Teil des Werks hält Klessmann für sehr aufschlussreich. Bleibt für ihn zu hoffen, dass das Buch der Planung für ein "Haus der europäischen Geschichte" Impulse geben wird.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.05.2011

Dem Rezensenten Stephan Speicher wird deutlich, dass es den Autoren Claus Leggewie und Anne-Kathrin Lang mit ihrem Buch darum geht, einer europäischen Identität den Rücken zu stärken. In seinen Augen will das aber nicht recht gelingen, zu verschieden sind, wie die Beispiele um große Felder der europäischen Erinnerung und Erinnerungsorte des 20. Jahrhunderts zeigen, die Themen für die einzelnen europäischen Länder. Den Einfall, sechs Erinnerungsorte in den Blick zu nehmen, findet er zwar gar nicht schlecht, "weit" führt er aber nicht, wie der Rezensent kritisiert. So ohne weiteres lässt sich eben nicht von europäischer Erinnerung sprechen, meint Speicher, und er sieht dies mit diesem Buch, wenn auch "unfreiwillig", an vielen Stellen untermauert, etwa dem sowjetischen Ehrenmal in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Und wenn er es auch begrüßenswert findet, dass Leggewie und Lang allseits Verständnis für die unterschiedlichen nationalen Gedächtnisse erkennen lassen, für die Konturen ihres Themas ist das eher ungünstig, so Speicher.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2011

Außerhalb der Universitäten ist die transnationale Geschichtsschreibung noch immer ein Spezialdiskurs, bedauert Rezensent Maximilian Probst, der in diesem Buch einen guten Schritt sieht, die Erinnerungskultur in europäische Bahnen zu lenken: Claus Leggewie und Anne Lang belassen es auch nicht bei Forderungen, freut sich Probst, sondern geben auch gleich die Richtung vor: Ein europäischer Gründungsmythos sei demnach nur ex negativo möglich, in der Erinnerung an die Vernichtung der europäischen Juden. Und nur vermittelt als das, was durch den Zivilisationsbruch Auschwitz negiert worden sei, könne sich Europa auf Aufklärung, Wissenschaft oder Freiheitsdenken berufen. Probst erhebt da keine Einwände und freut sich, dass die Autoren auch gleich eine praktische Handreichung zur Implementierung ihres Geschichtskonzepts mitliefern.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren