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Klappentext
In den englischen Kathedralen und ihren Schlußsteinen, die den Scheitel der steilen Gewölbe bezeichnen, entdeckt Anne Duden ein Element, das sich wie ein Botenstoff durch die Schriften dieses Buches zieht: das Motiv des "Green Man", ein männliches Medusenhaupt, aus dem Äste und Blätter sprießen. Die tiefe Zweideutigkeit dieses Motivs ist das heimliche Thema von Anne Dudens Schriften.
Rezension Perlentaucher
Anne Dudens Texte gehören zu den intensivsten der deutschen Gegenwartsliteratur. Kein Wunder, dass sie nur wenige Leser finden. Wer möchte, dass es ihm wehtut, wenn er von Schmerzen liest. Es macht doch den Reiz der Lektüre aus, dass man mit ihr das Schlimmste durchmachen und einem doch nichts passieren kann. Natürlich schneiden auch Anne Dudens Worte nicht ins Fleisch, aber manchmal täuschen sie unsere Wahrnehmung, und das zentrale Nervensystem scheint sich zu vertun und hält, was nichts ist als eine Wortmeldung für eine Nachricht der Zellen selbst. Das ist vielen zu viel. Andere wieder - vielleicht sind sie gerade nicht die Sensibleren, für die sie sich halten - schätzen Anne Duden gerade darum...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2000
Hanns-Josef Ortheil erkundet schichten- und scheibchenweise die poetologischen Bekundungen der Schriftstellerin Anne Duden, die sich in dieser Sammlung von kürzeren Prosatexten programmatisch weigert, Auskunft über ihr Schreiben zu geben. Ausführlich beschreibt er, wie er - viel ist von Tasten, Horchen, Verstehen die Rede - auf zentrale poetologische Begriffe wie Verborgenheit, Versteck, Dunkelheit stieß, die sich biografisch rückübersetzen lassen, zum Beispiel auf die im Krieg verbrachte Kindheit. Dudens "ich-loses Sprechen" sei zugleich monologisch, behauptet Ortheil, aber in eine polyphone Struktur eingewoben, die stets mehrere Zeit- und Sprachebenen zum Klingen bringe. Ortheil verweist auf Dudens Affinität zur Musik und Malerei, der sie im zweiten Teil des Bandes mit verschiedenen Beispielen Ausdruck verleihe. Alles in allem also ein schwer zugängliches Buch, vermittelt Ortheil, das sich aber von einem verständigen Kopf öffnen läßt.
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Rezensionsnotiz zu , 12.03.2000
Anne Dudens Texte gehören zu den intensivsten der deutschen Gegenwartsliteratur. Kein Wunder, dass sie nur wenige Leser finden. Wer möchte, dass es ihm wehtut, wenn er von Schmerzen liest. Es macht doch den Reiz der Lektüre aus, dass man mit ihr das Schlimmste durchmachen und einem doch nichts passieren kann. Natürlich schneiden auch Anne Dudens Worte nicht ins Fleisch, aber manchmal täuschen sie unsere Wahrnehmung, und das zentrale Nervensystem scheint sich zu vertun und hält, was nichts ist als eine Wortmeldung für eine Nachricht der Zellen selbst. Das ist vielen zu viel. Andere wieder - vielleicht sind sie gerade nicht die Sensibleren, für die sie sich halten - schätzen Anne Duden gerade darum. Sie genießen den Schauder, den Schrecken über die Gewalt, die plötzlich ausschlägt aus ihren Texten wie sie manchmal ausbricht aus einem Menschen, von dem wir das nie gedacht.
In "Zungengewahrsam" schreibt die Autorin vor allem über das Schreiben. Über ihr Schreiben. Man lese die ersten Sätze und man weiss, ob man den nächsten verfallen wird oder ob es einem zu viel ist, zu anstrengend, zu fordernd. "Auch das Schreiben ist ein Gewaltakt. Oft genug zumindest ist es ein gewaltgeladener Auftakt. Auftakt zum Text, den dann, später, auch wenn er es in sich hat, mit all dem nichts mehr verbindet. Der Text ist der Text, das Gewordene, anders Gewordene. Die Verbindung ist gekappt, die Nabelschnur zerschnitten. Der Text atmet allein, von sich aus." Diese spröde Verbindung von Abstraktion und Sinnlichkeit macht den Reiz von Dudens Prosa aus. Mit "atmet allein" würde der Satz sehr beeindruckend aushauchen, aber sie hat Angst missverstanden zu werden und schiebt das papierene "von sich aus" nach. Schade. Oder? Vielleicht aber wirkt das "atmet allein" gerade deshalb so stark, weil es eingebettet ist in die Schlacke der Abstraktion.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.11.1999
Mit Respekt, aber auch leiser Befremdung schreibt Sabine Peters über diese kleinen Schriften Anne Dudens und stellt dar, wie isoliert die Autorin in der heutigen Literaturlandschaft dasteht: Ablehnung der leichten Verständlichkeit oder eines sich beim Publikum anbiedernden Unterhaltunswillens. Ein hoher, ja elitärer Anspruch. Dann will sie der Dichterin aber auch zurufen: "Die Welt und die Zeitgenossen sind, so wie sie sind, nicht dazu da, um eigens Anne Duden zu verletzen." Aber dennoch schätzt sie Dudens Radikalität, auch die Art, wie sie über Maler wie Cézanne, Altdorfer, Wallis schreibt "um zu zeigen, wie in Kunstwerken Verdrängtes wiederkehrt".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
In einer Doppelrezension bespricht Meike Fessmann neben "Zungengewahrsam" auch den Gedichtband "Hingegend" der Dichterin. In Fessmanns Augen sind beide Bücher nichts für die breite (lesende) Masse: "das Werk einer Einzelgängerin", die nur denjenigen Lesern zugängig sein wird, die Dudens Erlebniswelt selber nahe stehen.
1) "Zungengewahrsam":
In "Zungengewahrsam" steht für Fessmann das "Eigenleben" der Worte im Vordergrund. Um dies zu veranschaulichen, führt sie das Wort "Kelchlaute" an, bei dem der Leser unwillkürlich an "Kehllaute" denke, seine eigene körperliche Reaktion beobachte, merke, wie sich sein Schlund verwandele in etwas, was dem nächsten assoziierten Begriff, nämlich "Blütenkelch" schon sehr nahe komme. Dudens Worte haben nach Fessmann eine körperlich spürbare Energie. Darüber hinaus ortet sie den Schwerpunkt in Dudens Dichtung in den Verwandlungen, Vermischungen und Übergängen. Allerdings verlange diese Dichtung dem Leser aber auch einiges an lohnender Anstrengung ab.
2) "Hingegend" (Edition Postskriptum, Verlag zu Kampen):
Dies ist für Fessmann ein Gedichtband "höchster Qualität". Anders als in "Zungengewahrsam", in dem sich Texte und Bilder ergänzten, seien die Gedichte hier selbst Bilder, "Schriftbilder im wörtlichen Sinn", die aber kaum zusammen zu fassen seien. Deshalb beschränkt sich Fessmann in ihrer Besprechung weitgehend darauf, auf die verschiedenen Zugangsarten hinzuweisen, beispielsweise auf einen Handlungszusammenhang oder die Zugehörigkeit zu einem Zyklus. Abschliessend merkt sie noch an, dass Anne Duden mit ihren Werken unterwegs sei, und zwar zu einem Ort, der noch keinen Namen habe.
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