Bücherschau der Woche
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Klappentext
Maria hat Zeit. So sitzt sie tagsüber oft auf einer Bank am Platz vor der Kirche, beobachtet das Treiben dort, ein Kommen und Gehen, Leute, die Ziele haben und wenig Zeit. Die arbeitslose Textilfachverkäuferin kennt sich mit Stoffen aus, weiß, was zueinander passt, was Schwächen kaschiert und Vorzüge betont. In ihrem Fall ist das schwieriger: Welcher Vorzug macht ihr Alter vergessen für einen Markt, der sie nicht braucht? Alt ist sie nicht, sie steht mitten im Leben, vielleicht nur nicht mit beiden Beinen. Aber ihr Leben läuft trotzdem rückwärts, an seinen Möglichkeiten, Träumen und Unfällen vorbei. Anna Weidenholzer entwirft ein Bild von einer Frau am Rande der Gesellschaft. Ja, sie zeigt vor allem, was das heißt: Der Rand der Gesellschaft ist immer noch mitten im Leben. Und davon ist dieses Buch voll wie selten eines.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2013
Sabine Vogels Rezension zu Anna Weidenholzers Roman "Der Winter tut den Fischen gut" wird selbst zu einem Stück Literatur, wenn sie den nüchternen Stil, in dem die junge Autorin vom trüben Alltag der arbeitslosen und menschenscheuen Maria erzählt, in ihrer Besprechung aufnimmt. Hauptsatz an Hauptsatz reihend, fasst Vogel den Inhalt zusammen: Sinnbildlich für ihre Trostlosigkeit, umgibt sich Maria mit lauter Toten und Schatten, wie der Asche ihres Hundes Berti, der Erinnerung an ihren verstorbenen Mann Walter und dem toten Frosch Otto, der erfroren war, nachdem sie ihn fürsorglich für den Winterschlaf in den Kühlschrank gelegt hatte. Trotz der "hoffnungslos depressiven Geschichte", überträgt Vogel damit eine Situationskomik, die entsteht, wenn sich durch die Weltabgeschiedenheit die Prioritäten des Alltags verschieben. Absolut lesenswert findet sie den Roman, der verdrängte Schicksale von Menschen, die "der Welt verloren gegangen" sind, zurück ins Bewusstsein holt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.02.2013
Das "große erzählerische Rätsel", wie nämlich ein langweiliges, tristes, ereignisarmes Leben in eine Geschichte verwandelt wird, die nicht selbst langweilig, trist und ereignisarm ist, das hat die junge österreichische Autorin Anna Weidenholzer in ihrem Romandebüt "Der Winter tut den Fischen gut" leider auch nicht gelöst, seufzt Jutta Person. Zwar gefällt der Rezensentin Weidenholzers Kunstgriff, die Geschichte von ihrem Ende, dem freudlosen Alltag einer arbeitslosen Frau "in der missgünstigen Häkelgardinenhölle ihrer Kleinstadt", episodisch rückwärts bis zu ihrem Anfang, der Kindheit, zu erzählen. Dass dieses Leben aber auch im Rückwärtsgang gleichmäßig freudlos bleibt, vergällt Person jedoch das Vergnügen an der Lektüre. Daran können auch gelegentliche reizvolle Skurrilitäten oder der präzise eingefangene Zynismus der Arbeitswelt nichts ändern. Sprachlich gekonnt und konzeptionell überzeugend, aber insgesamt eine Übung in "Graustufigkeit", so das Fazit der Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2012
Daniela Strigl gelingt es, uns neugierig zu machen mit ihrem Blick auf Anna Weidenholzers Roman. Das Thema Arbeitslosigkeit transzendiert die Autorin laut Strigl weit ins Individuelle der Biografie ihrer Heldin hinein, indem sie ihr mittels eines raffinierten Aufbaus Vor- und Nachgeschichten angedeihen lässt. Das steht der Figur sehr gut und sorgt für Spannung, findet Strigl. Die Banalität einer schwierigen Lebenssituation, die Rituale, die sich anpirschende Depression, all das vermag Weidenholzer ihr plastisch darzustellen, abgründig, komisch sogar. Nicht zuletzt, so erläutert Strigl, aufgrund einer perfekt sitzenden Sprache.
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Anna Weidenholzer
Anna Weidenholzer, geboren 1984 in Linz, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien und Wrocław, Polen. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien, zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Alfred-Gesswein-Preis 2009, Aufenthaltsstipendium Schloss Wiepersdorf 2011, Staatsstipendium ... mehr lesen













