Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Christel Wiemken. Mit einem Nachwort von Susanne Ovadia.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.05.2005
Nach Meinung des Rezensenten Ralf Berhorst handelt es sich bei diesem Roman von Anna Sebastian um eine düstere, "den Geist der Zeit atmende" Abhandlung mit "metaphysischem Orgelton". Im Mittelpunkt steht der Staubsaugervertreter Crisp, der eigentlich eine traurige Existenz führt, sich dann aber durch "Größenphantasien" zum "übermenschlichen Manipulateur" macht. Auf diese Weise nimmt er Rache an allen, die ihn vorher gedemütigt haben. In den Augen seiner Opfer steht er sogar mit dem Teufel in Verbindung. Nach Meinung des Rezensenten ist seine Figur dank der "souveränen Gewandtheit und großen Dialog-Intelligenz", die die Autorin mit ihrem "düster-allegorische Sujet" an den Tag legt, durchaus überzeugend - wenn auch keineswegs trostspendend.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.01.2005
Eine "leicht entschlüsselbare Parabel auf die Geburt des Größenwahns aus dem Geist des Minderwertigkeitskomplexes" erblickt Rezensentin Marion Löhndorf in Anna Sebastians (1916-1953) wiederentdeckten Roman "Das Monster" von 1944. Wie Löhndorf berichtet, wurde der Roman über einen Staubsaugervertreter, dessen wahres Talent in der zerstörerischen Manipulation seiner Mitmenschen besteht, als Anspielung auf die nationalsozialistischen Machthaber gelesen. Man spüre den "ungefilterten Zorn" der Autorin, die, in Wien in ein jüdisches Elternhaus geboren, vor den Nazis fliehen musste, und die im Londoner Exil Geliebte von Elias Canettis wurde, der ihr Leben jahrelang bestimmte und durch den sie zum Schreiben kam.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.2004
Roberto Schopflocher bejubelt diesen bereits 1944 im Londoner Exil erschienenen Roman der österreichischen Autorin Anna Sebastian als "bedeutsamen literarischen Fund" und findet es sehr begrüßenswert, dass er nun endlich auch auf Deutsch vorliegt. Sebastian, die 1953 mit nur 37 Jahren starb, hat für diesen Roman zur Zeit seines Erscheinens viel Lob bekommen, weiß der Rezensent, der sich diesem Urteil nur anschließen kann. Es geht um den Staubsaugervertreter Mr. Crisp, der sich immer mehr in absurde Allmachtsphantasien hineinsteigert und sich schließlich als Gott verehren lässt, fasst Schopflocher zusammen. Er betont, dass die "Eindringlichkeit" dieses Buches auch heute nichts von seiner "verstörenden" Wirkung eingebüßt hat, wenn er es auch für nötig hält, dass sich heutige Leser in die Zeit seiner Entstehung zurückversetzen müssen, um es zu verstehen. Denn nicht zuletzt gemahnt der Staubsaugervertreter Crisp an die "Megalomanie eines Postkartenmalers namens Hitler", so der Rezensent nachdrücklich.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2004
Es gibt historische Gründe, warum man Friedl Benedikt im deutschen Sprachraum kaum kennt, informiert Andreas Platthaus: Emigranten hatten es schwer nach dem Krieg, zumal, wenn sie auf Englisch schrieben und übersetzt werden mussten. "Das Monster", 1944 in England erschienen, handelt mit allegorischer Absicht von einem machtbesessenen Staubsaugervertreter, der Abweisende in Untertanen verwandelt; das Buch ist, so Platthaus, ein solides stilistisches Hybrid aus Canetti - der ihr Lehrer und wohl auch Liebhaber war - und Kafka, doch es gebricht dem Buch an der "allegorischen Brillanz" des letzteren, während die "markante Ortlosigkeit" von Canettis "Blendung" zur "Vermeidungsstrategie" verkomme. Eine interessante Entdeckung also, nicht mehr.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.03.2004
Anna Sebastian war in England in den 40er und 50er Jahren teilweise bekannter als ihr zeitweiliger Gefährte Elias Canetti, dem sie aus Wien ins Londoner Exil gefolgt war, erzählt ein frohlockender Sven Hanuschek, denn schließlich kenne man hierzulande die Autorin nur aus Klatsch und Tratsch von Tagebüchern, wo sie unter ihrem ursprünglichen Namen Friedl Benedikt firmierte. Da deutsche Namen in der Kriegszeit schlecht verkäuflich waren, wurde aus Friedl Benedikt Anna Sebastian, die erfolgreich mehrere Romane schrieb, so Hanuschek, bald schon auf Englisch, und zur "einzigen Vertreterin des Surrealismus im englischen Roman" gekürt wurde. "Das Monster", berichtet er, entstand 1944; der Roman wurde nun erstmals - und "lebendig", lobt der Rezensent - in Deutsche übersetzt, Susanne Ovadia hat ein ausführliches Nachwort zur tragischen Lebensgeschichte ihrer Schwester beigesteuert, die mit 37 Jahren starb. Der Roman zerfällt in einen realistischen und einen surrealistischen Teil, beschreibt ihn Hanuschek; erzählt werde die Geschichte eines erfolglosen Staubsaugervertreters, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht, seine Allmachtsphantasien Wirklichkeit werden lässt und wie ein kleiner "Alltags-Hitler" unbarmherzig seine Umgebung terrorisiert. Besonders bestechend findet Hanuschek die Heiterkeit und das Temperament der Autorin, die buchstäblich, so Hanuschek, "mit Entsetzen Scherz treibt".
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