Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer. Ein amerikanischer Industrieller, ein Exilrusse und ein polnischer Jude planen eine Kunstausstellung privater Sammler im deutschen Kurort Bad Kranach. Doch treffen hier Menschen aufeinander, die weniger miteinander gemein haben, als sie dachten ? und doch mehr, als ihnen lieb ist.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2000
Alles ist so wie immer, lesen wir bei Sabine Brandt, und trotzdem sei es Szcypiorskis letztem Buch anders. Vertraut ist ihr der Blick auf die "inhumanen Muster des Säkulums", also auf das, was Menschen einander und besonders "auf dem Boden des vergewaltigen Polens" antaten. Dies spiele auch in den "Feuerspielen" eine Rolle. Neu für die Rezensentin ist aber, dass sowohl Kommunismus als auch Nationalsozialismus nur noch einen prinzipiell schlechten Menschheitszustand beschrieben, aber nicht mehr als "Ding an sich" zum Thema würden. Neu ist wohl auch, dass das Buch "keine Fabel im klassischen Sinn" hat, sondern "verwirrend viele". Diese Fäden verfolgt die Rezensentin ein wenig. Auch, um zu den Figuren zu gelangen, die an diesen Fäden hängen. Ein Exilrusse ist darunter, ein amerikanischer Großindustrieller und ein ungarischer Doktor, die in einem deutschen Kurort aufeinander treffen. Aber irgendwie verschafft die Rezensentin keinen Überblick über das "fesselnde Vielerlei von Szenen", das "Kaleidoskop, das die handelnden Personen in mannigfachen Situationen zeigt". Weil sie ihn selbst nicht hat? Zuweilen "überwältigen die vielen Details" bekennt sie immerhin. Und fügt hinzu: "aber das schadet weder dem Lesenden, noch tut es dem Buch Abbruch". Man müsse bloß begreifen, für welchen Part der "trüben Säkulumsgeschichte" welche Person jeweils stehe. Aber auch hier bleiben die Erläuterungen der Rezensentin ausgesprochen nebulös.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Klaus Harpprecht findet den Roman `missglückt`, und empfiehlt ihn trotzdem nachdrücklich zur Lektüre. Er sei das `Testament` des verstorbenen polnischen Autors, der den Aufstand des Warschauer Ghettos und das deutsche Konzentrationslager überlebt hat. Szczypiorski schreibt hier gegen das Vergessen an, bemerkt der Rezensent. Die Handlung moniert er als `mühsam konstruiert`, dazu manchmal kaum zu durchschauen, und die Ereignisse, die in der erzählten Gegenwart des Romans spielen, lassen ihn `ziemlich kalt`. Die `Beschwörung der Vergangenheit` aber, die auch in die Gegenwart hineingreift, findet der Rezensent `unmittelbar und ergreifend`. Sie macht für ihn das Buch lesenswert.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Marta Kijowska ist enttäuscht. Andrzej Szczypiorski scheint seine `Fabulierlaune` zugunsten einer `Lust am Räsonieren` verloren zu haben. Sein letzter Roman, der wieder einmal ein Panorama menschlicher Schicksale zeigt, ist der Rezensentin in seiner Handlung zu konstruiert. Die Figuren bleiben `seltsam konturlos`. Ihre Geschichte durchbricht der Autor als `allwissender Weiser` mit Verallgemeinerungen, die das Verständnis des Leser aber nicht erweitern, so die Rezensentin. `Feuerspiele` lese sich - ähnlich wie auch Szczypiorskis vorletzter Roman `Selbstporträt mit Frau` - wie ein `historisch-moralischer Essay`: `Der Moralist hat sein Schlussplädoyer gesprochen, der Erzähler, der mit `Die schöne Frau Seidenmann` und `Eine Messe für die Stadt Arras` die Glanzstücke seiner Prosa lieferte`, ist dabei leider auf der Strecke geblieben, resümiert Kijowska.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Es geht, laut dem polnischen Titel, um "Spiele mit dem Feuer", und die Rezensentin Katarina Holländer moniert durchaus die im Deutschen verharmlosende Umbenennung. Das Buch, schreibt sie, ist eine "brennende Liebeserklärung an die Erinnerung". Aber wer erinnert sich und an was? Zunächst ist es der Protagonist Jan; nachdem seine Frau gestorben ist, bricht eine "Flut" von Erinnerungsbildern über ihn herein; dabei schlüpft er jedoch "in die Erinnerungen anderer, Lebender und Toter", schreibt Holländer. Das Geheimnis liegt darin, wie sich jeder anders an den Krieg erinnert: ob "Polen, Deutsche, Juden, Nazis, Kommunisten". Erinnerung ist Interpretation, auch die des Lesers, schreibt die Rezensentin. Sie ist aber auch Möglichkeit der Vollendung einer Tat, die in der Realität ungetan blieb, "die Rache eines unerschrockenen Juden am Tod seines Bruders". Nach der "Läuterung", die der Autor nicht so nennt, schreibt Holländer, führt die Frau Rita Jan aus seiner Erinnerungskammer über den Hof zu einem "anständigen" Menschen. "Es sieht aus wie Rettung", schreibt Holländer, aber der Mann ist Sargschreiner. Und überhaupt ist "zunehmend fraglicher" geworden im Verlauf des Buches, so die Rezensentin, "ob sich etwas bewegt hat" in den zwei Monaten des Erinnern, ob nicht alles auf einer Ebene "jenseits des Zeiträumlichen" geschieht. Ein "meisterhaft präzises und zugleich uneindeutiges" Buch, urteilt Katarina Holländer.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








