Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Andrei Makine

Das Verbrechen der Olga Arbelina

Roman

Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2000
ISBN-10 3455051340
ISBN-13 9783455051346
Gebunden, 320 Seiten, 20,40 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Die schöne Russin, die an einem Frühlingsnachmittag des Nachkriegsjahres 1947 durchnässt und halb entblößt am Flussufer neben einem Toten sitzt, ist keine Mörderin. Aber was hat Olga, Bibliothekarin der Exilgemeinde von Villiers-La Forêt, mit dem abstoßenden alten Arzt zusammengeführt? War sie erpressbar? Welches Geheimnis verbirgt die ausdruckslose Maske ihres Gesichts? Andrei Makine erzählt die fesselnde Geschichte einer Frau, die nach einem ausschweifenden Leben im vorrevolutionären Russland, den Schrecken der Flucht, einer gescheiterten Ehe und zahllosen Affären im mondänen Pariser Exil Bilanz zieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.07.2000

Mit einem Geständnis, wie es einem erfahrenen Kritiker gewiss selten zu entlocken ist, beginnt Harald Eggebrecht seine Besprechung: "Manchmal packt einen die Furcht, dem Zauber eines Buches vollkommen zu erliegen..." Und so ist es ihm offenbar mit diesem Roman des in Frankreich lebenden Russen gegangen. Es scheint, als habe ihm alles daran gefallen: das erste Bild schon vom Friedhofswärter, der das Laub fegt und von den Toten erzählt, dann der auf diese Weise bewerkstelligte Eintritt in die Erzählung vom Leben der verstorbenen (vielleicht sogar ermordeten) Olga Arbelina, einer russischen Emigrantin in Frankreich, und schließlich die Schilderungen ihrer inzestuösen Liebe zum halbwüchsigen, bluterkranken Sohn. Großzügig schüttet er Lob um Lob über Autor und Werk aus: Makine vermag es "jeden Satz poetisch aufzufüllen und szenisch zu gestalten", er verliert "nie den Kontakt zur Sinnlichkeit des Erzählens", der Roman ist aus "virtuos ineinander verschränkten Rückblenden und Perspektivenwechseln" entwickelt; und Sabine Müller und Holger Focke haben all das "überzeugend ins Deutsche gebracht". Eine Eloge!

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2000

Wer sich von dem neuen Roman Makines "weniger Seele und mehr Esprit" erhofft hätte, werde auch diesmal enttäuscht, konstatiert Birgit Veit. Die knappe Handlung folge dem "ausgeleierten Strickmuster" psychologischer Romane des 19. Jahrhunderts. Die Rezensentin scheut sich nicht, ihn der Trivialliteratur zuzurechnen. Aber außerdem poche er auch noch auf einen "psychologischen Wahrheitsanspruch". Dennoch, so gibt Veit zu, verstehe sich der Autor darauf, den Leser zu fesseln. Die Regeln eines gelungenen Spannungsbogens und der nötigen retardierenden Textpassagen beherrsche er perfekt. Dieser Technik verdanke es der Autor, dass er "den Leser bei der Stange halten" könne, selbst wenn er mit seinem Roman mehr oder weniger versteckt Klischees bediene.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000

Ein für diese Zeitung ungewöhnlich polemischer Verriss von Ralph Dutli: nichts, aber auch gar nichts kann er an diesen "dreihundert abgeschmackten Romanseiten" des seiner Meinung nach "maßlos überschätzten Schriftstellers" finden. Er wirft dem seit 1987 in Paris lebenden sibirischen Autor vor" mit seinem Buch vom "derzeit modischen Inzestthema profitieren" zu wollen und dabei mit seinem "einsamen Exilantentum" die "französisch-russische Nostalgie" kokett auszubeuten. Dabei gelingt dem "Romandekorateur" nach Meinung des Rezensenten mit seiner von einem Pariser Friedhofswärter erzählten Geschichte über eine russische Fürstin am Ende doch nur eine in "Natur- und Sexualkitsch" ertrinkende "Mutter-Sohn-Schnulze". Reines Kunstgewerbe, urteilt Ralph Dutli.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

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07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

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19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

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12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren