Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
"Was ist Ordnung?" Diese Frage gehört zu den Kernfragen der Geistes- und Sozialwissenschaften. Andreas Anter nimmt sie systematisch und ideengeschichtlich in den Blick, zeigt die vielgestaltigen Phänomene der Ordnung und erschließt die disparaten Ordnungsdiskurse der Moderne. Ob bei Hobbes oder Tocqueville, Max Weber oder Carl Schmitt, Walter Eucken oder Eric Voegelin - die Ordnungsfrage wurde denkbar unterschiedlich beantwortet. Es gibt jedoch kaum eine neuzeitliche politische Theorie, die nicht auf sie gerichtet wäre. Fast alle zentralen politischen Begriffe der Moderne sind Ordnungsbegriffe: Ob Staat, Souveränität, Verfassung oder auch die "Politik" selbst - sie alle sind auf den Gesichtspunkt der Ordnung bezogen. Aber worauf beruht die Existenz einer Ordnung? Da sie nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann, sondern stets neuen Zerfallsprozessen ausgesetzt ist, stellt sich das Ordnungsproblem heute mehr denn je. Andreas Anter zeigt, daß Ordnungen sich durch Grenzziehungen, durch die Unterscheidung von Innen und Außen konstituieren. Und er demonstriert eine grundlegende Paradoxie: daß jede Ordnung Unordnung zulassen muß, um sich selbst zu behaupten.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.03.2005
Als "äusserst informative tour d'horizon durch die Geschichte abendländischer Ordnungsmodelle" würdigt Rezensent Ludger Heidbrink diese Studie von Andreas Anter. Wie er berichtet, erscheint Ordnung bei Anter als das Grundproblem der Politik überhaupt. Im Lauf der Geschichte lasse sich ein Übergang von der gewachsenen zur gemachten Ordnung beobachten, der nicht nur dem Menschen die Verantwortung für sein Handeln aufbürdet, sondern auch die Frage nach den Kriterien "richtiger" oder "guter" Ordnungen hervorruft, die durch die schwierige Balance von politischer Macht und gesellschaftlicher Freiheit geschaffen werden müssen. Zustimmung findet der Autor bei Heidbrink für seine Kritik der Auffassung, moderne Gesellschaften organisierten sich vernünftig. Vielmehr bedürfe es des Rechts als grundlegender "Ordnung menschlichen Verhaltens", das der moderne Verfassungsstaat garantiere. Trotz der Bedrohung des Staats durch den Ansturm von Globalisierung und Privatisierung sehe Anter weder das Ende des Staats noch der Politik gekommen. Heidbrink moniert an dem "lesenswerten Buch" zweierlei: zum einen kläre es nicht die Voraussetzungen, unter denen sich stabile soziale Strukturen herausbilden können, zum anderen bleibe der Ordnungsbegriff "hochgradig unklar".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2005
Etwas enttäuscht zeigt sich Michael Pawlik über das Buch des Leipziger Politikwissenschaftlers Andreas Anter, der eine Geschichte des politischen Denkens als Geschichte von Ordnungsvorstellungen entwickelt. Es liegt nicht an mangelnder Belesenheit oder Eloquenz des Verfassers, betont Pawlik, auch seien viele Einzelanalysen sehr zutreffend, trotzdem erweise sich das Buch nicht als streng durchkomponierte Sinfonie, sondern als loses Melodienpotpourri. Anter habe den Bogen zu weit gespannt, kritisiert der Pawlik, er belasse es nicht dabei, die Ordnungsvorstellungen für das politische Denken zu analysieren, sondern wolle auf jeden Fall auch noch die Ordnungsdiskurse der benachbarten Gesellschaftswissenschaften miteinbeziehen. So fühle sich der Verfasser bemüßigt, nach allgemeinen Strukturprinzipien der Ordnung zu fragen, um am Ende einzulenken und zuzugeben, dass es keinen Ordnungsbegriff allgemeiner Gültigkeit gebe. Dieser Ausflug in die Nachbarwissenschaften erweist sich für Pawlik als eher überflüssig und der gewünschten Ordnung und Ordentlichkeit des Buches zuwider laufend. Was die Analysen auf seinem eigenen Gebiet angeht, zollt Pawlik Anter allerdings gebührenden Respekt.
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