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Klappentext
Aus dem Italienischen von Moshe Kahn. Sizilien im Jahr 1891: Eine Sensation! Der Holzhändler Pippo beantragt ein Telefon zum privaten Gebrauch! Die Leute fragen sich, wozu er das wohl braucht und bringen die Gerüchteküche zum Brodeln. Als der Antrag abgelehnt wird, läßt Pippo seine Beziehungen spielen. Bald ist halb Sizilien in den Fall verwickelt: Entlassungen, Beförderungen, Verhaftungen, Morde - und das alles nur wegen eines Telefons...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2000
Andrea Camillieri zeichnet nach Winfried Wehles Ansicht hier ein hinreißendes Bild von einer Gesellschaft, in der kein Wort so verstanden wird, wie es gemeint ist - mit all seinen Folgen. Gleich einer „Epidemie“, die die Bevölkerung befallen hat, gibt es keine Wahrheiten mehr, sondern nur noch Deutungen, „Versionen“ oder schlicht: Missverständnisse. So berichtet eine Ehefrau in der Beichte wahrheitsgemäß über die „Erfüllung ihrer ehelichen Pflichten“ und setzt ihren Mann dadurch dem Verdacht aus, Sozialist zu sein (wodurch er schließlich sogar im Gefängnis landet). Wirth fühlt sich bei diesem Buch an ein „Volksstück“ erinnert, eine Art Schelmenroman, der bisweilen an Kafka denken lasse - wenn Camillieri nicht auch die „lächerlichen, engstirnigen und hinterhältigen Verspannungen der Gegenseite“ aufdecken würde. Ein besonderer Reiz liegt für den Rezensenten allerdings vor allem in Camillieris Umgang mit der Sprache. Da werde zwischen Italienischem und Sizilianischem gewechselt, zwischen förmlicher und privater Sprache, zwischen Hochsprache und Dialekt. Mit dem Effekt, dass offenbar „auch auf die Sprache kein Verlass ist“. Dabei hat sich Moshe Kahn bei der schwierigen Aufgabe, dies in seiner Übersetzung einzufangen, recht wacker geschlagen, wie der Rezensent findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.02.2000
Keiner spielt zur Zeit "so virtuos" mit dem Klischee des Mafiosen wie Andrea Camilleri, bescheinigt Werner Irro dem sizilianischen Autor. Camilleri erzähle keine Handlung, sondern gebe - wie im Theater - nur "Geschriebenes" und "Gesagtes" seiner Figuren wieder, bis der Leser in einer Flut von Namen und Motiven versinke. Diese Technik beschreibt nach Irro etwas zutiefst sizilianisches: Die Gleichzeitigkeit von Unverwechselbarkeit und Verschleierung. So bilde auch die Sprache die Realität ab und verschleiere sie zugleich. Ein großes Lob spricht Irro auch Moshe Kahn aus, der mit seiner Übersetzung der "komplexen Sprachvielfalt" Camilleris aus Hochitalienisch und Sizilianisch, "ein nuancenreiches Sprachkunstwerk" geschaffen habe.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
In einer Doppelrezenion bespricht Elisabeth Bauschmid neben diesem Roman auch Camilleris "Der Hund aus Terracotta".
1) "Der unschickliche Antrag":
Bauschmid hatte offensichtlich grossen Spass bei der Lektüre, auch wenn man es in diesem Camilleri-Roman nicht mit Kommissar Montalbano zu tun bekomme. Dafür werde dem Leser anlässlich eines Antrags auf eine Telefonleitung etwas vorgestellt, was Bauschmid die "sizilianische Lösung" nennt - und für die sie einige erläuternde Bespiele anführt. Bauschmid versteht dies als persönlichen Kommentar des Autors zu den derzeitigen italienischen Verhältnissen, begrüsst es aber, dass Camilleri den Roman in Dialogen und Briefen verfasst hat und als Person dadurch im Hintergrund bleibt. Sie vergleicht das Buch mit einem Puzzlespiel, das der Leser selbst zusammen fügen müsse, dafür aber in den Genuss "böser Lakonik" und "wunderbarer Komik" gelange. Camilleris Sizilianisch hält sie allerdings eigentlich für unübersetzbar, auch wenn Moshe Kahn sein Bestes getan habe.
2) "Der Hund aus Terrakotta" (Verlag Klaus Wagenbach):
Hier beschränkt sich Bauschmid auf eine kurze inhaltliche Zusammenfassung der Geschichte. Besonders hebt sie die Übersetzung von Christiane von Bechtolsheim hervor, der sie in ihrer Arbeit eine "selbstverständliche Leichtigkeit" bescheinigt.
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