Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Für viele ist er der bedeutendste Dirigent des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Mit Sicherheit ist er der problematischste. Aufgewachsen mit der Bürde des Übervaters Erich Kleiber, rang er sein Leben lang mit seinem Anspruch auf Perfektion. Als einer der gesuchtesten Dirigenten überhaupt, akzeptierte Carlos Kleiber jahrelang keine feste Position. Die Zahl seiner Auftritte war gering, seine offizielle Diskografie minimal. Sein Charisma aber war legendär, seine Fangemeinde groß. Der Garant musikalischer Sternstunden blieb jedoch dem klassischen Musikbetrieb ein Rätsel.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2008
Ein großes Rätsel, ja sogar das Klischee eines solchen, war zeitlebens der Dirigent Carlos Kleiber womöglich auch sich, vor allem aber der Welt. Den Zugang zum engeren Familienkreis hat sich Kleiber für zukünftige Biografen verbeten, deshalb musste Alexander Werner unter Mitarbeitern und anderen Weggefährten recherchieren. Das Material, das er gesammelt hat, ist sehr umfangreich ausgefallen, ohne dass sich, stellt der Rezensent Daniel Ender fest, nun ein eindeutiges oder einheitliches Bild ergäbe. Was nicht zuletzt daran liege, dass manche der Äußerungen auf ihre Verlässlichkeit kaum zu prüfen sind. Ohne Zweifel steht fest, dass viele der von Kleiber gepflegten "Idiosynkrasien" mit dem schwierigen Verhältnis zum Vater, dem ebenfalls gefeierten Dirigenten Erich Kleiber, zu tun haben, in das die Biografie sich Licht zu bringen bemüht. Heraus kommt insgesamt, so Ender, ein "Mosaik unzähliger Fragmente", das zwar ganz gewiss nicht "die eine Wahrheit", aber doch Aufschluss über viele Züge des Carlos Kleiber bringt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2008
Wolfgang Schreiber ist Alexander Werner dankbar, dass der sich mit eigenen Erklärungen zur schwierigen Künstlerpersönlichkeit von Carlos Kleiber zurückhält. Indirekt, indem er Zeitzeugen Hinweise geben lässt, deute Werner aber an, dass Kleiber zeit seines Lebens vom Vorbild des Vaters beeinflusst wurde. Das wurde ebenso übermächtig wie die Kritik am eigenen Tun, was sich in immer selteneren Auftritten und wachsender Kompromisslosigkeit manifestierte. Schon der Vater war nach Argentinien ausgewandert, weil er die nationalsozialistische Einmischung in die eigene künstlerische Arbeit nicht hinnehmen wollte. Schreiber fühlt sich über die Vorgänge und ihre Hintergründe ausreichend informiert, der Materialfluss schwillt manchmal sogar bis knapp an die Kapazitätsgrenze des Leserhirns an. Doch es fehlt eben auch nichts. Alles, was der Rezensent zu Kleiber wissen wollte, hat er hier erfahren.
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