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Alexander Rahr
Wladimir Putin - Der `Deutsche` im Kreml
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.10.2000
Ernst Kux behandelt zwei Neuerscheinungen, die auf unterschiedliche Weise den russischen Präsidenten Putin portraitieren: Alexander Rahr geht biografisch vor, Wolfgang Seiffert analysiert Putins politische Richtlinien. Eines sei ihrer Herangehensweise gemeinsam, schreibt Kux, beide Autoren zeigten sich fasziniert von Putins vermeintlich "deutschem Wesen" und ignorierten Analysen, die aus internationalen Instituten kommen.
1.) Alexander Rahr: "Wladimir Putin - Der "Deutsche" im Kreml" (Universitas-Verlag)
Für Rahrs kenntnisreiche politische Biographie findet Kux lobende Worte. Rahr verfolge den politischen Weg des russischen Präsidenten, indem er die geschönte Autobiografie (auf deutsch: "Aus erster Hand", Heyne-Verlag) Putins nicht etwa umgehe, sondern kritisch auswerte; er ergänze oder korrigiere viele Details, die den familiären Background und die Etappen Schule - Studium - KGB betreffen, darunter fällt auch die Zeit Putins als KGB-Mann in der DDR. Von Interesse findet Kux vor allem aber die innerrussische Karriere des Präsidenten, seine Petersburger Zeit als stellvertretender Bürgermeister sowie dann sein Überwechseln in Jelzins Machtapparat nach Moskau, wo er für alles einmal zuständig war, von der Wirtschaft bis zur Armee, so dass es ihm heute möglich ist, alle Bereiche mit eigenen Leuten zu besetzen. Putins Biografie habe Lücken, schreibt Kux, auf die der Autor hinweise, ohne sie spekulativ zu füllen; die Frage nach der Zukunft Russlands unter Putin lasse Rahr offen. Laut Kux eine solide Studie, der leider ein Index und Quellenangaben fehlten.
2.) Wolfgang Seiffert: "Wladimir W. Putin - Wiedergeburt einer Grossmacht?" (Langen Müller-Verlag)
Der Rezensent rät ab! Kux sieht in Seiffert, einem Juristen und Ökonomen, der 1978 die DDR in Richtung BRD verlassen hat und heute in Moskau lehrt, einen jenen Vertreter, die den Personenkult um Putin anheizen. Putin nutze gerade die politische Anonymität, aus der er plötzlich und kometenhaft herausgetreten sei, "zur Stärkung seines Charismas", wobei ihn seine Zeit in Deutschland als KGB-Offizier zu einer noch schillernderen und geheimnisvolleren Figur gemacht hat. Dass Putin seine Karriere jedoch zielstrebig betrieben habe, lasse sich eben in der Biografie von Alexander Rahr nachlesen. Bei Seiffert - nichts davon. Biografische Details würden einfach der westlichen Presse entnommen, schimpft Kux. Stattdessen übersetze und erläutere der Autor Putins jüngste politische Richtlinien. Vor allem ärgerlich findet Kux aber Seifferts unkritische Parteinahme für Putins politische Strategien: sein Sichstarkmachen für einen starken Staat und ein weltpolitisch starkes Russland, womit er sogar den Krieg in Tschetschenien rechtfertige.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2000
Mit einer kurzen Einführung über die Hoffnungen, die an Wladimir Putins Amtsübernahme geknüpft waren, beginnt Werner Adam eine Besprechung von zwei deutschen Putin-Biographien.
1) Wolfgang Seiffert: "Wladimir W. Putin"
Wolfgang Seifferts Buch kommt in Adams Beurteilung schlecht weg. Es lobe Putin in einer Weise in den Himmel, "die an Personenkult sowjetischen Angedenkens" erinnere. Bei seiner Putin-Lobpreisung würde Seiffert durch keinerlei Tatsachen aus dem Konzept gebracht, von denen Adam dann natürlich ein paar Kostproben zu bieten hat. Außerdem verharmlose Seiffert die Rolle des KGB, Putins früherem Arbeitgeber. Deswegen ist der Rezensent schon ziemlich früh gedrängt, das Buch veärgert aus der Hand zu legen. Aber daran scheint dann doch noch die ein oder andere Putin-kritische Bemerkung Seifferts gehindert zu haben.
2) Alexander Rahr: "Wladimir Putin. Der Deutsche im Kreml"
Bei der Lektüre von Rahrs Buch hat Konrad Adam dann aufgeatmet und stößt sich auch nicht daran, "dass dieser Autor beim Leser ein gehöriges Maß an Detailkenntnis" voraussetzt. Putins Werdegang findet er in diesem Buch "mit all seinen teils einleuchtenden, teils widersprüchlichen Begleiterscheinungen" kenntniss- und erlebnissreich nachgezeichnet. Aber weil auch Rahr nicht umhin kann, gelegentlich Löbliches an Putin hervorzuheben, muss unser Rezensent gleich Einspruch erheben. "Aufgesetzt" findet er die Feststellung, dass an Putin schon in den frühen 90er Jahren "exzellente Managerarbeit" aufgefallen sei. Auch Rahrs Einschätzung, Boris Jelzin sei in den letzten Jahren seines Amtes nicht mehr ganz zurechnungsfähig gewesen, teilt Adam nicht. Auf Unverständnis des Rezensenten stößt schließlich "die wenig verständliche Schreibweise mancher russischer Namen": Elzin statt Jelzin, Ewtuschenkow statt Jewtuschekow usw.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.06.2000
Eine Wissens- und auch eine Marktlücke füllt diese erste deutsche Biografie des jetzigen russischen Präsidenten nach Meinung von Michael Thumann. Thumann ist beeindruckt von der Sachlichkeit, mit der Alexander Rahr besonders die DDR-Zeit Putins rekapituliert und dabei auch mit falscher Legendenbildung aufräumt. Zugleich mache Rahr aus der Not eines relativ kurvenarmen Lebens eine Tugend, denn es gelinge ihm, die Biografie Putins geschickt in die politischen Ereignisse seit 1996 einzubinden. Dazu zählt Thumann den Kampf gegen die Kommunisten, den Bankenkrieg, den Finanzkollaps und das Gerangel um die Nachfolge Jelzins - kurzum, ein anschaulich geschriebener, komprimierter Überblick über die späte Jelzin-Ära, meint Thumann. Er folgt der Ansicht Rahrs, dass Russland mit Putin einen dritten Weg zwischen Autoritarismus und Demokratie einschlage, mit von oben verordneten Wirtschaftsreformen à la China.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.06.2000
Auch in den ersten beiden in deutscher Sprache vorliegenden Büchern, die sich mit dem russischen Präsidenten befassen, werde das "Geheimnis Putin" nicht gelüftet, resümiert Barbara Oertel in ihrer Doppelrezension.
1) Geworkjan/Kolesnikow/Timakowa: "Aus erster Hand"
Zu dieser Dokumentation von drei Interviews mit Putin, die durch Kommentare von Angehörigen, Lehrern und Bekannten ergänzt worden sind, bemerkt die enttäuschte Rezensentin lediglich, dass auch nach der Lektüre die politischen Konturen Putins "unscharf" bleiben. Doch zeigten die Gespräche, dass der russische Präsidente es "meisterhaft" verstehe, "seine Karten zu mischen und auszuspielen", ohne sich in die Karten gucken zu lassen, so die Rezensentin beeindruckt.
2) Alexander Rahr: "Wladimir Putin"
Rahrs Biografie Putins bekommt den Politiker ebenfalls "nicht in den Griff", urteilt Oertel resigniert. Dem Autor bleibe nichts anderes übrig, als die widersprüchlichen Äußerungen Putins zur russischen Innen- und Außenpolitik "unkommentiert" darzustellen. Trotzdem würdigt sie das Unterfangen des Autors, zumindest eine "sorgfältige Analyse des politischen Kräfteparallelogramms" zu unternehmen und gesteht ihm zu, er habe - "zumindest indirekt" - das Rätsel Putin ein bißchen erhellt.
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