Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Italienischen von Anja Nattefort. Shatzy Shell, eine junge Frau ohne besondere Eigenschaften, lernt bei einer Telefonumfrage das Wunderkind Gould (elf Jahre und Promotion in theoretischer Physik) kennen. Ein ungleiches Paar, das im Radio Boxkämpfen lauscht, Western erfindet und sich zwischen Universität, Wohnung und Fußballfeld bewegt. Gemeinsam mit Diesel dem Riesen und Poomerang dem Taubstummen geraten sie in allerlei seltsame Geschichten. Ein Roman wie eine Stadt: voll skurriler Menschen, die sich zusammentun - witzig, phantasievoll und berstend vor urkomischen Dialogen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.01.2001
Einen zwiespältigen Eindruck hat das Buch bei unserem Rezensenten hinterlassen. Zwar weiß Giovanni di Stefano um die Möglichkeiten von Bariccos Poetik, hinter dem Trivialen "eine andere Wirklichkeit aufblitzen zu lassen", der vorliegende Text aber bleibt ihm allzu oft einfach banal. Das Unglaubwürdige, "wie aus der Welt der Werbung, der Comics oder der billigen Shows herausgerutscht", das di Stefano an den Figuren und der Rahmenhandlung ausmacht und bei dem er gleichfalls vergeblich nach dem Aufscheinen des Authentischen sucht, wird zu einer Stärke des Textes offenbar nur in dessen Abschweifungen "in der Art von TV-Serials": In diesen Miniaturen zeige der Autor seine Fähigkeit, spannende Situationen aufzubauen und aufhellende Details hervorzuheben.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000
Baricco liebt Metaphern. Das hat er mit "Seide", seiner "Parabel auf die Liebe", bewiesen und das ist auch mit "City" nicht anders. Hier wie dort geht es um "Schleifen", so Rezensentin Jenny Friedrich-Freska. Die Schleifen von "City" ziehen sich durch Amerika, "zwischen verschiedenen Zeiten" und "um die großen Fragen: Wer bist du? Wer willst du sein? Und wie sehen dich die anderen?" Diesen Fragen nähern sich die beiden Protagonisten unterschiedlich: Der 12jährige Gould über Boxkämpfe, die er - eingeschlossen im Klo - kommentiert, während sich sein Kindermädchen Shatzy an einem Western abarbeitet. Baricco kommt "nicht um das Klischee der ehrgeizigen Professoren und des emotional vernachlässigten Genies herum", meint die Rezensentin. Sie hat die Protagonisten - und somit das Buch - aber trotzdem gern: weil Baricco Empfindungen gut und "mit Witz" beschreibt, weil man Teile des Westerns und über 15 interessante Seiten lang die Beschreibung eines Boxkampfs lesen kann, und weil alle Personen "ein klein wenig neben sich" stehen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2000
"Klapperdürr" nennt Alexander Honold die Handlung dieses Romans, was ihn allerdings ganz und gar nicht hindert, eine hoch amüsierte Kritik zu schreiben. Was Honold gefällt, ist, wie Baricco eintaucht in die Welt zweier jugendlicher Außenseiter und sich in ihre Tagträumen, um sich in ihre Popfantasien und selbst ausgedachten Geschichten einzufühlen. Sowohl mit dem hoch talentierten Physikgenie und Comicleser Gould als auch mit der etwas älteren Shatzy Shell scheinen Baricco da zwei absolut glaubhafte Repräsentanten einer aus Comics, Filmen und Musik gespeisten Trivialkultur gelungen zu sein, die Honold übrigens angesichts der schickeren und neueren "Cyberkultur" schon zur aussterbenden Art erklärt. Das einzige, was Honold an dem Roman stört, ist denn auch alles, was von diesen beiden Hauptfiguren ablenkt, nämlich gerade die rudimentäre Rahmenhandlung und die Figur eines schweigsamen und hochtrabend intellektuellen Professors. Zum Glück scheint man auf die nächste Episode mit Shatzy und Gould nie lange warten zu müssen. Honold empfiehlt vor allem die Schnellimbiss-Szene auf den Seiten 106 bis 112. Wer da "nicht vor Lachen in konvulsivische Zuckungen verfällt, ist für dieses Buch verloren".
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