Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Albert Cossery

Gewalt und Gelächter

Roman

Cover: Gewalt und Gelächter

Schelzky und Jeep Verlag, Berlin 2000
ISBN-10 389541137X
ISBN-13 9783895411373
Taschenbuch, 186 Seiten, 11,66 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Französischen von Antje Pehnt. Eine Stadt ? irgendwo auf der Welt ? leidet unter der unumschränkten Herrschaft ihres Gouverneurs. "Recht und Ordnung" lautet seine Devise und daher hat das "Gesindel", politische Dissidenten inklusive, zu verschwinden. Doch seine Exzellenz hat nicht mit den heimtückischen Aktionen der Gruppe um Karim und Heykal gerechnet. Beide verkörpern den Typus des spottlustigen, humorvollen Revolutionärs, ihr Mittel, gegen den allgewaltigen Herrscher anzugehen, ist nicht das der Gewalt. Wohlwissend um die befreiende, also subversive Kraft des Lachens entwerfen sie eine Strategie der politischen Parodie; der Gewalt wird das Gelächter entgegengesetzt. "Gewalt und Gelächter" erschien erstmals 1964 in Paris.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2001

Selten hat ein Titel so gut gepasst, meint Stefan Weidner über den bereits 1964 im Original erschienen Roman des ägyptisch stämmigen Cossery, Jahrgang 1913, dem zu Unrecht, wie der Rezensent anmerkt, keine große Anerkennung als Schriftsteller widerfahren ist. Im Mittelpunkt des Buchs, so Weidner, steht eine Gruppe anarchisch gesinnter junger Menschen, die die Übertreibung als dialektische Waffe im Kampf gegen das diktatorische Regime begreift und betreibt. Den so lebendig geschilderten Charakteren verdanke dieser "politologische Thesenroman", dass er nicht langweilig und nur gut gemeint wirke. Wer jedoch einmal einen Blick auf die Lobeshymnen eines Diktators wie Sassam Hussein geworfen habe, der weiß, meint der Rezensent, dass diese an Lächerlichkeit nicht zu überbieten waren - Übertreibung sei da kaum noch möglich. Wenn also die Wirklichkeit den Traum von der Lächerlichmachung mächtiger Regime längst eingeholt hat, so ist das Gelächter dennoch auch heute noch, bald 40 Jahre nach Entstehen dieses Romans, wohltuend und befreiend, schreibt Weidner.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2000

Nach Hans-Peter Kunisch hat dieses Buch auch vierzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen nichts von seiner Frische eingebüßt. Im Mittelpunkt stehe ein Revolutionär der besonderen Art: Heykals Methode, dem tyrannischen Gouverneur die Stirn zu bieten, besteht vor allem darin, diesen mit Plakaten so begeistert zu bejubeln, dass der Spott, der darin liegt, zwar deutlich wird, aber kaum verboten werden kann - für Kunisch ein "phantasievoll präsentiertes Lehrstück" des Autors. Revolutionäre des alten Schlags kommen, so der Rezensent, in diesem Buch nicht gut weg, ebenso die Frauen, die Cossery als autoritätsgläubig und opportunistisch schildere. Kunisch nutzt die Rezension auch gleich, um auf das Gesamtwerk des heute fast vergessenen, in Frankreich jedoch gerade neu entdeckten Autors aufmerksam zu machen. Cossery, der in Paris zwar engen Kontakt zu den Existentialisten hatte, aber wegen seiner "heiteren" Welt doch abseits stand, beeindruckt den Rezensenten nicht zuletzt durch die Erzähltechnik in "seinen Parabeln vom guten Leben".

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren