Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Türkischen von Christoph K. Neumann. Nachwort von Wolfgang Günter Lerch. Der junge Historiker Mümtaz hat eine geradezu osmotische Beziehung zu der alten, vom Verfall bedrohten Sultansmetropole: zu ihren Bauwerken, zum Basar voller rätselhafter Dinge, zur Poesie, zur klassischen Musik. Als er Nuran kennenlernt, erwacht in dieser Liebe einen Sommer lang der Zauber der alten osmanischen Kultur zu neuem Leben. Bis eines Tages der todkranke Suat, Studiengefährte und Rivale von Mümtaz, auftaucht und diese Liebe zerstört.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.10.2008
Rezensent Stefan Weidner verneigt sich fast ehrfuchtsvoll vor diesem Roman, den er einen "türkischen Zauberberg" nennt und pflichtet dem Urteil des Schriftstellers Orhan Pamuk bei, der das Buch als den "bedeutendsten Roman" bezeichnet habe, der je über Istanbul geschrieben worden sei. Auch zeigt Weidner mit dem Autor dieses Romans einen zu entdeckenden Klassiker der türkischen Moderne an, der seinen Vergleichsmaßstab nur an Marcel Proust, Robert Musil oder eben Thomas Mann finden würde. Und so spielt die nach dem ersten Weltkrieg vom Sultan verlassene, nun ungeschützt den Stößen der Moderne ausgesetzte Stadt Istanbul Weidner zufolge auch die heimliche Hauptrolle in diesem 570-Seiten-Buch. Die "metaphernreiche Beschreibungskunst" Ahmed Hamdi Tanpinars raubt dem Rezensenten immer wieder den Atem. Aber auch der Protagonist, der identitätssuchende Mümtaz, und sein fast erotisches Verhältnis zu den Details der Stadt faszinieren den Rezensenten sehr, der bei der Beschreibung dieser Prosa von einer betörenden Melange aus Hegel, Nietzsche und islamischer Mystik spricht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Den Höhepunkt der türkischen Literaturmoderne erklimmt Rezensent Wolfgang Schneider bei der Lektüre. Das Buch umreißt er als "Roman der Unruhe", in dem emotionale Extreme ausgelotet werden. Dass Ahmed Hamdi Tanpinar seinen Text in der zweiten Hälfte der 30er Jahre ansiedelt, ist für Schneider weniger das Problem. Irritierend jedoch erscheint ihm der hohe Ton und die "vergeistigte Glut" mancher Passagen, nicht zuletzt, weil das zu "exquisiten Stilblüten" führt. Von der so verhandelten Passion der Hauptfigur, des Träumers und Instanbul-Flaneurs Mümtaz, wendet sich Schneider darum lieber ab und schwelgt in der impressionistischen Schau der Stadt Istanbul, die für ihn ihresgleichen sucht. Spannend wird es für ihn noch einmal, wenn Tanpinar eine "Art türkischen Raskolnikow" die Szene betreten und das Liebesglück von Nuran und Mümtaz zerstören lässt. Alles in allem erscheint der Roman dem Rezensenten genau im Pathos-Trend zu liegen. Dass er dennoch auch die Polaritäten zwischen Orient und Okzident, zwischen Tradition und Moderne am Beispiel der Türkei und ihrer Kulturgeschichte thematisiert, macht ihn für Schneider erst zu einer "faszinierenden" Lektüre.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.10.2008
Ahmed Hamdi Tanpinars 1949 erschienener Roman "Seelenfrieden" hat den Autor zu einem Bezugspunkt für viele jüngere türkische Autoren werden lassen, berichtet Tobias Völker in seiner Rezension. Dabei nehme Tanpinar mit seiner Skepsis gegenüber der kemalistischen Modernisierung eine Sonderrolle in der türkischen Literaturgeschichte ein. Dies ist, wie uns der Rezensent informiert, auch das Thema von "Seelenfrieden", in dem der Autor davon erzähle, wie sich seine Hauptfigur der Gegenwart verweigere und ganz in melancholischer Sehnsucht dem Vergangenen nachhänge. Diese Melancholie hat Tanipinar nach Völkers Ansicht zu einem "Faszinosum" für die jüngeren türkischen Schriftsteller werden lassen. Orhan Pamuk etwa habe dieses Buch zum "bedeutendsten je über Istanbul geschriebenen Roman" erklärt. Und der Rezensent hält offenbar ähnlich große Stücke auf dieses Buch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008
Thomas Steinfeld stellt gleich zwei Bücher des 1909 geborenen und 1962 gestorbenen türkischen Schriftstellers Ahmet Hamdi Tanpinar vor, den Orhan Pamuk als "innigsten Beschreiber" Istanbuls bewundert, wie der Rezensent wissen lässt. "Seelenfrieden" erzählt die Geschichte Mümtaz', der nach dem Tod der Eltern zu seinem älteren Cousin nach Istanbul zieht und damit in eine Zwischenwelt des untergegangenen Osmanischen Reichs und der modernen Republik Türkei gerät. Zwischenzeitlich wird der Held von der Liebe abgelenkt, die allerdings scheitert, wie Steinfeld verrät. Wiewohl der Roman nach Einschätzung des Rezensenten durchaus allegorische Züge hat, lässt er ihn doch vor allem an Marcel Proust und dessen "Suche nach der verlorenen Zeit" denken.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2008
Rezensentin Monika Carbe hat in Ahmet Hamdi Tanpinar (1901-1962) einen Schriftsteller entdeckt, der die Zeit des Wandels vom Osmanischen Reich zur türkischen Republik erlebt und in seinen Romanen zum zentralen Thema gemacht hat. Jetzt sind zwei seiner Romane auf Deutsch erschienen, die die Rezensentin uns wärmstens ans Herz legt, auch wenn sie betont, dass die Leser bei der Lektüre einen "langen Atem" brauchen. In "Seelenfrieden", 1949 erschienen, erzählt Tanpinar vom jungen Mümtaz, der seinen älteren, schwer kranken Cousin Ihsan, einen Privatgelehrten, pflegt, sich um dessen Haushalt, Geschäfte und die labile Ehefrau kümmert und fortwährend den Verlust der eigenen Geliebten fürchtet, berichtet die Rezensentin. Dazu kommen Rückblicke in die Kindheit des Protagonisten, und aus all dem ergibt sich ein melancholischer, in ruhiger Erzählweise dahin fließender Ton, der Carbe nicht selten an Marcel Proust denken lässt. Ein Roman, dessen Held "fast schon verzweifelt" die Verbindung zwischen der verlorenen Vergangenheit und der modernen Gegenwart versucht, so die Rezensentin, die sich offenbar gern dem breit erzählten Roman hingegeben hat.

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