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Aus dem Archiv
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Klappentext
Reisen ins Gebirge bedeuteten im 18. Jahrhundert Anstrengung und Gefahr. Es war keine Erholung, es war Strapaze. Man reiste, weil man etwas suchte, was vor der eigenen Tür nicht zu finden war, weil die Natur die eigenen Kräfte aufs äußerste herausforderte. Daß Landschaften die Seele spiegeln, daß extreme Reisen so etwas wie Initiationsriten sind, beschreibt Adolf Muschg anhand von Goethes Reisen in die Schweiz. Die Schweiz des 18. Jahrhunderts war die ideale europäische Kulisse für ein in den Alpen wiedererstandenes Arkadien und diente als Projektionsfläche für extreme Selbstversuche und Lebensträume. Johann Wolfgang Goethe unternahm drei Reisen in die Schweiz. Die erste im Jahr 1775 galt der Frage "Wer bin ich?". Der 26jährige suchte seine Fesseln zu sprengen, suchte nach einer tragfähigen Identität. Die zweite Reise 1779 sollte der Emanzipation von seiner Rolle als Fürstendiener gelten. Die Fragen "Wem gehöre ich?", "Was soll ich in Weimar?", "Was habe ich in der Welt verloren?" begleiteten ihn. Die dritte Reise 1797 unternahm der "Mann von funfzig Jahren": der Staatsmann und selbstbewußte Künstler auf politischer und ökonomischer Recherche.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.11.2004
"Einen lichtvollen, klaren Essay" über Goethes drei Reisen in die Schweiz erwarte den Leser mit diesem Band von Adolf Muschg, versichert Rezensent Andreas Dorschel. Drei Mal ist Goethe in seinem Leben in die Schweiz gereist. Die erste Reise, 1775, stand in Muschgs Sicht ganz im Zeichen der Frage "Wer bin ich?". Der subjektiven Erkundung stellt er die "Objektivität" der zweiten Schweiz-Tour von 1779 gegenüber, die eine "einzige Studienreise in die Gegenständlichkeit" gewesen sei. Die letzte Exkursion, 1797, falle schließlich aus dieser komplementären Reihe, da sie aus rein fachlichem Interesse des Ministers Goethe erfolgt sei. Wie nebenbei plaudere Adolf Muschg ein "paar Betriebsgeheimnisse der Eidgenossenschaft" aus und verzichte zu Recht darauf, meint der Rezensent, seine Darstellung mit aufgesetzten Glanzlichtern zu verfälschen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2004
Recht angetan zeigt sich Rezensent Manfred Osten von Adolf Muschgs Essay, der Goethes Schweizer Reisen als "Projekt der Selbstfindung" deute. Muschg setze diese Reisen mit dem nicht unmittelbar mit der Schweiz verbundenen Kosmos von Goethes Biografie in Beziehung und stelle dabei immer wieder "belebende Bezüge" her. Der Essay gewinne so die "Komplexität einer wiederholt gespiegelten Reisebeschreibung von einem, der auszog, leben zu lernen". Osten würdigt Muschg als "behutsamen Reisebegleiter". Mit "Empathie und Sympathie" lade er den Leser ein, Goethes erste Schweizer Reise 1775 als "sturm- und dranghafte Suche nach Identität" zu erfahren. Die zweite Reise 1779 sehe Muschg im Zeichen der "Emanzipation Goethes als Fürstendiener". Auf der dritten Reise 1797 lerne man Goethe als "Staatsmann und arrivierten Künstler" kennen. Dabei verheimliche Muschg weder Goethes ambivalente Einstellung zur Schweiz und dessen emotionalen Wechselbäder angesichts der Schweizer Natur, noch seine Wallfahrten zu Lavater, zu dem er später auf Distanz ging, und den Stätten Wilhelm Tells.
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