Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Polnischen übersetzt von Henryk Bereska. In Lemberg geboren und in Gleiwitz aufgewachsen, verbringt Adam Zagajewski seine Jugend im Krakau der sechziger Jahre. Er erzählt vom Stöbern nach verbotenen Büchern im Antiquariat, vom verwahrlosten ehemaligen Judenviertel Kazimierz und von einem jungen Geistlichen namens Karol Woityla, der bei seiner Tante ein und aus ging. Wie beiläufig verdichten sich die Erinnerungen zum persönlichen Bildungsroman eines der wichtigsten polnischen Dichter der Gegenwart.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2000
Die ehemalige Königsstadt Krakau, mit ihren prunkvollen Häusern und Kirchen, der das kommunistische Regime seinen "vulgären Stempel" aufdrückte, wie Rezensentin Marta Kijowska sich ausdrückt, ist Gegenstand zweier Bücher, die aus unterschiedlicher Perspektive sich der Stadt erinnern oder sie beschreiben.
1) Adam Zagajewski: "Ich schwebe über Krakau"
Zagajewski ist zwar kein gebürtiger Krakauer, weiß Kijowska , aber feierte dort in den 70er Jahren seine ersten literarischen Erfolge als Mitglied der systemkritischen Gruppe "Teraz" (Jetzt). Längst lebt der Dichter in Paris und Amerika. Wie sehr ihm Krakau nach wie vor als Inspirationsquelle dient, lässt sich für Kijowska in diesen Erinnerungen an die Stadt seiner Jugend nachlesen: poetische Impressionen, die der Topografie und Architektur der Stadt Rechnung tragen würden, vor allem aber, behauptet die Rezensentin, eine Rekonstruktion des geistigen Klimas leisteten, in dem Zagajewski zum Dichter und Intellektuellen heranreifte. Zwar spare Zagajewski nicht mit Spott über das "rückständige Provinznest" oder das Krakauer Bildungsbürgertum, das sich aus Abneigung gegen die Sowjetisierung in den "grotesken Abglanz der k.u.k.-Epoche" zu retten versuchte; gleichzeitig machten aber Zagajewskis Porträts zeitgenössischer Intellektueller und Gelehrter (der Papst ist auch dabei!), seine eingestreuten Bemerkungen über Ästhetik auf schöne Weise klar, dass Krakau "eine gute Schule" gewesen sein muss.
2) Michael Zeller: "Noch ein Glas mit Pan Tadeusz"
Auf den literarischen Spuren Alfred Döblins sieht Marta Kijowska den in Wuppertal lebenden Michael Zeller wandeln, der Anfang der 90er Jahre für ein Buchprojekt das erste Mal nach Krakau gekommen war und seither oft dorthin zurückgekehrt ist. Kijowska hält ihn für einen ausgezeichneten Beobachter, der mit Einfühlung darauf aus ist, das Besondere der polnischen Kultur und Geschichte herauszubekommen und zu vermitteln. Ein Fremder, der sich neugierig auf alles stürzt: etwa stundenlange Kirchenfestivitäten über sich ergehen lässt, staunt Kijowksa. Neben der lustvollen Beobachtung des Alltagsgeschehens unternimmt Zeller laut Rezensentin auch Abschweifungen in die Geschichte und Literatur des Landes und trifft dabei den Stil, den sie bereits bei Döblins "Reise in Polen" vorgefunden hat, bloß neugieriger und weniger distanziert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.11.2000
Was Adam Zagajewski da an Erinnerungen, Reflexionen und Aphorismen "locker aneinandergereiht" hat, kann unseren Rezensenten ganz und gar nicht überzeugen. Eher als mit der Schilderung von "Geschichte aus der Sicht eines souveränen Menschen" - wie es dem Autor vorschwebte - fühlt sich Jörg Plath mit einem "müden Alterswerk" konfrontiert. Dabei, so Plath, habe Zagajewski als bekannter polnischer Dissident so einiges erlebt. Zwischen "Exil, Gedächtnis, Verlust und der Kraft der Imagination" - diesen zusammenhängenden "Erinnerungsbildern", die Plath herauspräpariert hat - hebe der Autor mitunter ab ins "Orbit der Metaphysik". Handfeste Fragen, die sich dem Rezensenten stellen, etwa zum Verhältnis von Angst und Engagement, bleiben dagegen unbeantwortet. Düster klingt sein Fazit: Nichts Atmosphärisches, Faktisches oder Persönliches über weite Strecken des Buches. Die von Plath ebenfalls monierte "oft etwas bemüht gravitätische" Übersetzung wiegt da eigentlich leicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Rolf Michaelis ist begeistert von den Erinnerungen des 1945 geborenen polnischen Autors. Er unterwerfe alle seine Erinnerungen einer strengen Gewissensprüfung und habe dadurch dem `Polen des Auf- und Widerstands` ein `wundervoll zu lesendes, nie geschwätziges` Denkmal gesetzt, rühmt der Rezensent. Er schätzt die leisen Töne, die das Buch anschlägt und lobt die gelungene Mischung aus `Erzählung und Verschweigen`. Besonders berührt aber haben ihn die Schilderungen der alten, `ausgemusterten Professoren`, die das neue sozialistische Regime nicht brauchen konnte und denen in dem Erinnerungsband einiger Raum gegeben ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Gleich einige Male definiert Martin Meyer in seiner Besprechung Poesie: `Poesie ist, wie Adam Zagajewski schreibt` und `Poesie ist Achtsamkeit`. Meyer zitiert auch Zagajewski, der Poesie als sein `drittes Vaterland` bezeichnet, das einzige, das unverlierbar ist. Es geht also um Poesie, die sich, wie Meyer schreibt, auch in dem vorliegenden autobiografischen Essay des polnischen Dichters als Gegenstand, mehr aber noch als konstitutives Moment erweist. Denn das Leben ist eben kein `geschlossener Bogen`, sondern vielmehr `Folge von Momenten, der Einfälle und Zufälle`, so Meyer, und die Kunst Zagajewskis erweist sich darin, wie er diese wahrnimmt und erinnert, also seine Kindheit in Gleiwitz, die Studentenzeit in Krakau, schließlich als Dichter in Paris und Amerika. Polen in der Zeit des Kommunismus hat die Erfahrung der `Welt als Trugbild` inszeniert und wird, so der Rezensent, zur schließlich poetisch verarbeiteten Grunderfahrung des Uneindeutigen und Brüchigen. Was Zagajewski als Lyriker `längst bewiesen` hat, nämlich die `nach innen zielende` Souveränität` in der `Doppelung von Leben und Kunst` zu existieren`, schreibt Meyer, `begleitet` ihn hier nun als Autobiograf. Eine einfühlsame Hommage an den Dichter!
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