Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Zwei Jahre verbringt der junge Mahdi unter Saddam Husseins Regime im Gefängnis, unschuldig, wie sogar die Polizei zugibt. Der Roman berichtet vom höllischen Alltag der Gefangenschaft, aber auch von Mahdis vorherigem Leben als Literaturbegeisterter und Taubenzüchter, dem das Leben offenzustehen schien. 1991 wird er von Partisanen aus dem Gefängnis befreit, doch sein Land ist nicht mehr dasselbe. Er beschließt zu fliehen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2011
Lewis Gropp ist sehr angetan vom Autor und seinem neuen Roman. Laut Gropp hat sich hier jemand nicht nur vom irakischen Flüchtling und Tellerwäscher zum deutschen Bestsellerautor gemausert. Abbas Khider vermag es offenbar auch, den Rezensenten durch seinen irakischen Gefängnisroman wirklich zu fesseln, indem er noch dem Schauder etwas Heiteres, dem Heiteren wiederum das Tragische abgewinnt. Zudem fasziniert ihn Khiders schlichte, auf ihn nie konstruiert wirkende Sprache als eine am Menschen interessierte Kunst. Das Wissen um Khiders Mühe (auch beim Schreiben in der deutschen Sprache), um seinen literarischen Ehrgeiz macht den Autor in Gropps Augen zu einem wirklich Großen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.05.2011
Wie ein Schlag hat dieser Roman den Rezensenten Jens Jessen getroffen: Wenn der aus dem Irak nach Deutschland geflohene Abbas Khider von den Erniedrigungen erzählt, die sein jugendlicher Protagonist in den Gefängnissen des Saddam Husseins ausgesetzt war, dann wird Jessen klar: "Der Lagerroman ist keine historische Gattung", er ist immer noch aktuell und "der Roman der Moderne par excellence". Seinen Schrecken bezieht er nicht nur aus deutschen Konzentrationslagern und russischen Gulags, sondern auch aus den orientalischen Gefängnissen und Folterkellern. Für Khider ist es der Kokon aus menschlichen Erfahrungen und Beziehungen, der den Menschen davor schützt, seine Würde und Identität unter den brutalen Schlägen der Staatsmacht zu verlieren, wie Jessen beeindruckt schildert und betont, dass Khider dabei aber nichts idealisiere, die hier geschilderte Jugend sei durchaus überschattet von fragwürdigen Erlebnissen und Charakteren. Außerdem weiß der Rezensent sehr zu schätzen, dass Khider nah am Geschehen bleibt und dies in einer Sprache erzählt, deren Poesie aus ihrer Lakonie rührt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2011
Meike Fessmann vermag es kaum zu fassen, was Abbas Khider ihr in seinem zweiten, ausdrücklich, wie sie weiß, für das deutsche Publikum geschriebenen Roman über das Leben in seiner Heimat Irak in den 80ern und frühen 90ern zu erzählen hat. Den Zusammenhang der Probleme innerhalb der arabischen Welt mit Diktatur und sozialen Missständen, wie ihn aktuelle politische Entwicklungen vor Augen führen, kann Fessmann hier lesend nachspüren. Den Wert solcher Vermittlung schätzt sie sehr hoch ein. Wie sie auch Khiders Vermögen beeindruckt, bei seinen Schilderungen aus einem Flüchtlingslager an der kuwatisch-irakischen Grenze, den Lebensabschnitten des Helden (Kindheit und Jugend, dann Gefängnis) entsprechend, zwischen Poesie und Nüchternheit hin und her zu wechseln.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2011
Aus bitterem eigenem Erleben erzählt der 1973 geborene Iraker Abbas Khider hier von zwei finsteren Jahren im Gefängnis. Hineingesteckt hat ihn der Staat Anfang der Neunziger ohne irgend nachgewiesenen Grund. Khider hatte wohl einfach Umgang mit den falschen, von Saddam Hussein als regimekritisch betrachteten Kreisen. Der Titel verdankt sich einem der finstersten Momente: Die Hoffnung auf eine verkündete Amnestie geht ins Leere; stattdessen bekommt jeder Gefangene nur eine Orange, mit freundlichem Gruß vom Tyrannen. In Rückblenden wird auch die Jugendgeschichte des Protagonisten erzählt. In nüchterner Sprache entsteht, lobt der Rezensent Wolfgang Günter Lerch, so ein präzises Bild des Lebens in einer Diktatur.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2011
Bei Abbas Khiders Roman "Die Orangen des Präsidenten" handelt es sich um einen nur halbfiktionalen Text, wie Rezensent Dirk Knipphals informiert. Denn viele der im Buch geschilderten Ereignisse seien direkt der Biografie des Autors entnommen. Khiders, Jahrgang 1973, wurde gleich seinem Protagonisten Mahdi zwei Jahre lang grundlos im Irak Saddam Husseins gefangengehalten und floh schließlich aus seiner Heimat, bis er sich nach langem Umherirren in Berlin niederließ. Mit gelindem Erstaunen nimmt der Rezensent daher zur Kenntnis, dass Khider die Romanform einer wie auch immer gearteten Dokumentation vorgezogen hat. Als Kritik will Knipphals dies jedoch nicht verstanden wissen. Denn so oder so hat er eine Menge Dinge aus dem Buch gelernt, vor allem, "wie unmittelbar und ungebremst" Diktatur und Weltpolitik auf ein ganz normales Leben wirken. Eine wohlwollende Erwähnung der "kräftigen, einfachen Sprache" Khiders rundet das insgesamt positive Urteil der Kritik ab.
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