Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

A. L. Kennedy

Gleißendes Glück

Roman

Cover: Gleißendes Glück

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2000
ISBN-10 3803131510
ISBN-13 9783803131515
Gebunden, 192 Seiten, 17,38 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Herzke. Helen Brindle ist verheiratet mit ihrem Peiniger und hat ein Verhältnis mit Gott, von dem sie sich einen Liebhaber wünscht. Gott hat ein Einsehen und zeigt ihr im nächtlichen Fernsehprogramm Edward E. Gluck, Psychologie-Professor, perfekter Ratgeber im Irrgarten menschlicher Beziehungen und gutaussehend. Helen nimmt sich ein Herz, reist ihm zu einem Kongress hinterher, spricht ihn an, verliebt sich - und meint, Gottes Wink verstanden zu haben, denn auch Professor Gluck verliebt sich in sie. Aber er hat ein Geheimnis. Ein nächtliches Telefonat bringt es an den Tag: auch dieser Mann erliegt den Verlockungen der Gewalt - nicht ganz so handfest wie Helens Mann, aber um so erfinderischer. Ein finster ironischer Roman über die von den Fratzen der Gewalt umstellte Glückseligkeit: Helen Brindle, schutzlos scheinbar unter Männern, aber souverän und beirrbar auf ihrem Weg ins Glück.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000

Ein Selbsthilfebuch als Roman, eine Liebesgeschichte - ein "schönes und gescheites" Buch, befindet Agnes Hüfner und versucht auch, uns auseinander zu setzen, was genau sie damit meint. Allein dass die Autorin ihre Figuren "wie in einer Versuchsanordnung" agieren lässt, wie Hüfner mitteilt, muss - trotz fehlender psychologischer Interpretationsversuche - doch eher abschreckend wirken. Und wenn die Rezensentin schreibt, die Figuren seien "schwer fassbar", so bleibt offen, ob das dem Text gut tut oder nicht. Erst im letzten Absatz der Besprechung lesen wir einen wirklich brauchbaren Hinweis auf die Güte des Romans: Selten, heißt es dort, verliere die Autorin die Balance zwischen der Ironie und der Sentimentalität, mit der sie "vom Verlust und dem Wiedererlangen der Liebesfähigkeit" erzähle. - Und das ist ja doch nicht wenig.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.12.2000

Sehr angetan ist Ulrich Sonnenschein von A.L. Kennedys Erzählung, die er als einer merkwürdige und einfühlsam erzählte Liebesgeschichte zwischen Helen Brindle, der unausgefüllten Protagonistin, und Dr. Edward Gluck, einem Fernsehratgeber darstellt. Er lobt Kennedys ausdrucksstarke Sprache - in diesem Zusammenhang verweist er auf andere junge schottische Autoren, denen er einen ähnlich "konzentrierten Umgang" mit Sprache bescheinigt - und die Intimität, die sie so entwickelt. "Sie nimmt sich der menschlichen Zwangslagen an und vermeidet dabei den falschen melodramatischen Ton". Im Original war die Erzählung im Rahmen eines Erzählbandes erschienen. Sonnenschein unterstützt die Entscheidung des deutschen Verlages, die Erzählung allein zu veröffentlichen, "denn nicht nur was den Umfang angeht, ist `Gleißendes Glück` eher ein Roman".

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.11.2000

Begeistert gibt Eva Behrendt die Geschichte um den psychotisch-genialen Fernseh-Glücksverheißer Gluck und die intelligente aber unterdrückte Hausfrau Mrs. Brindle der jungen schottischen Autorin A.L. Kennedy wieder. Trotz seines analytischen Talents und der Nähe zum Nobelpreis müsse der Seelenforscher Gluck mehrmals täglich unter pornografischer Anleitung onanieren. Im Fernsehen höre die neben einem tyrannischen Gatten frigide gewordene Mrs. Brindle die Anleitungen Glucks zum Glücklichsein. Die Geschichte könnte da enden, wo die beiden sich treffen, schreibt die Rezensentin. Doch die Autorin erzähle "mit so viel Poesie, intelligenter Doppelbödigkeit und feinem Lächeln", dass der Leser gebannt bleibe von der "komplexen Gleichzeitigkeit von Täterschaft und Opfertum", die Behrendt auch eine gelassene Ballade der sexuellen Hörigkeit nennt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000

Erst beschreibt Rezensent Christoph Bartmann das Buch als "kleinen, merkwürdigen Roman". Am Ende ist daraus ein "verwirrender und glänzender Roman" geworden. Dazwischen erfahren wir einiges über die "sanfte Abwegigkeit" der Protagonistin und ihre "wahrlich idiosynkratische Beziehung zu drei Männern", die da sind: Gott höchstpersönlich, der "tumbe Tyrann" mit dem sie in einer "durchschnittlich kleinbürgerlichen Ehehölle" kohabitiert und schließlich Professor Gluck, ein "Kybernetiker des Glücks", der ihr Liebhaber wird. Wir erfahren aber auch einiges über den Rezensenten selbst, wie ihn beim Schreiben erst die Begeisterung für dieses Buch erfasst, dass ihm beim Lesen vielleicht nicht ganz so faszinierte. Er lobt die "verhaltene, aber signifikante Art des Aussprechens". Man erfahre wenig über die Hauptfigur Mrs. Brindle, und komme ihr doch "fast unheimlich nahe". Gefesselt beobachtet der Rezensent auch das "Pas de deux der Anziehungen und Abstoßungen" zwischen der Protagonistin und ihrem Geliebten. Und den "zeitraubendsten und erfolglosesten" Kussversuch der Literaturgeschichte.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.09.2000

Thomas David geht in seinem ausführlichen Porträt der schottischen Schriftstellerin auch kurz auf ihren Roman ein, der ihr erstes auf deutsch erschienene Buch ist. Ein längst "überfälliges Debüt", findet der Rezensent, der vom Sprachrhythmus und der Tiefe der "sonderbaren Geschichte" begeistert ist. Der Autorin gehe es vorrangig um die Schilderung der zwiespältigen Gefühle ihrer Protagonisten, dabei lenke sie ihr Augenmerk auf die "Tiefensphären" der Figuren. Der Text entwickelt einen Sog, der den Leser in die Geschichte hineinzieht, schwärmt der Rezensent.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

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