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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Bryan Stanley Johnson

Christie Malrys doppelte Buchführung

Roman

Cover: Christie Malrys doppelte Buchführung

Argon Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3870245603
ISBN-13 9783870245603
Gebunden, 224 Seiten, 18,00 EUR

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Klappentext

Mit einem Vorwort von Georg M. Oswald. Aus dem Englischen von Michael Walter. Christie Malry, ein einfacher junger Mann, hat sich vorgenommen, reich zu werden. Er beginnt, in einer Bank zu arbeiten. Schnell merkt er, dass der Umgang mit Geld allein noch nicht reich macht, aber dafür lernt er die doppelte Buchführung, bei der jede finanzielle Transaktion eine Doppelwirkung hat: Minderung auf einem Konto bewirkt Mehrung auf einem anderen. Christie Malry erkennt den Nutzen dieses Prinzips und wendet es in seinem Sinne an...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2002

Michael Schmidt attestiert diesem Roman, dass er sich ungeachtet seines ersten Erscheinungsdatums 1973 ziemlich "frisch gehalten" hat. Die Geschichte des Bankangestellten Christie Malry, der sein Dasein in Debit und Kredit umrechnet und sich für jede Kränkung des Lebens rächt, um die Bilanz auszugleichen, ist ein "Spiel mit dem Geist des Kapitalismus" wie auch mit der Romanform, meint der Rezensent begeistert. Den "abgründigen angelsächsischen Humor" und die experimentelle Form sieht Schmidt in der Tradition von Autoren wie Sterne, Joyce und O'Brien. Schmidt stellt erfreut fest, dass Johnson weder ins Predigen verfällt noch "Plädoyers" hält und preist den Roman als "ziemlich komisch und ziemlich bitter zugleich".

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2002

Jenny Friedrich-Freksa hat den bereits 1973 in England erschienen Roman mit Vergnügen gelesen. Sie lobt die Geschichte des kleinen Buchhalters einer Kuchenfirma, der sich für ihm widerfahrende Ungerechtigkeiten immer grausamer rächt, als "experimentierfreudig und überraschend". Für die Rezensentin ist das Besondere an diesem Buch, dass sich der Autor in direktem Gespräch mit der Hauptfigur befindet und von diesem "kontrollieren" lässt, was zu interessanten Wendungen in der Geschichte führt, verspricht Friedrich-Freksa.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2002

Der Roman von B. S. Johnson ist im Original schon 1973 erschienen und war vor zehn Jahren kurzzeitig auch bei Fischer im Programm, informiert Friedhelm Rathjen. Er beschreibt das kurz und knapp konstruierte Buch als ein typisches Produkt der sechziger Jahre. Die vier Kriterien, die er dafür anführt, entwickelt er vorsichtig, um, wie er selbst begründet, den potenziellen Leser nicht gleich zu verschrecken. Es geht, wie Rathjen ausführt, natürlich um die Gesellschaft, die dem Individuum ständig übel mitspielt, und die doch recht unkonventionellen Methoden eines "einfachen Menschen", sich dagegen zu wehren. Das Thema "Sex" werde dabei in einer "höchst entromantisierten Sprache" eingebunden. Neben dem Kriterium der Kürze verweist der Rezensent auf die häufigen reflektorischen Einschübe durch den Autor. Wer also ein Freund von "epischer Breite" und raunender Tiefe" sei, liege wohl mit diesem Roman falsch, vermutet Rathjen. Er hingegen sieht das Büchlein dieses Autors, der sich vierzigjährig das Leben nahm", als "schalkisches kleines Meisterwerk der Literatur als Literatur" und begrüßt es sehr, dass es auf Deutsch wieder lieferbar ist.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002

Kurz und vergnüglich findet Ernst-Wilhelm Händler die Lektüre von Johnsons Buch, der selbst forderte, Romane sollten kurz, komisch und brutal sein. Eine tolle Idee nennt Händler den Einfall Johnsons, seinen Helden die schlechten und die guten Erlebnisse seines Lebens als Soll- und Haben verbuchen zu lassen. Der Protagonist muss aber die Erfahrung machen, dass die Rache, die er an jenen nimmt, die ihm Schaden zugefügt haben, seine Lebensbilanz nicht saniert. Darüber spricht dann auch der Autor selbst mit dem Leser. Johnson, der den Ruf hatte, so trink- und handfest zu sein wie Brendan Behan, war wohl fast ebenso skandalbereit wie sein Held, dessen doppelte Buchführung immer mehr Tote verbucht. Wie Händler erwähnt, hat diese Radikalität den Autor 1973 zum Selbstmord verleitet.

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