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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Englischen von Dr. Klaus Pemsel. Frauen - Töchter, Mütter, Schwestern - stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils von Nuruddin Farahs Trilogie. Die Journalistin Medina, die mit ihrer kleinen Tochter ihr Zuhause verlässt, um zu verhindern, dass die streng islamische Schwiegermutter das Mädchen beschneiden läßt, oder Sagal, die Nationalschwimmerin, die davon träumt ins Exil nach Europa zu gehen. Es ist die stille Revolte innerhalb der Häusermauern - Frauen auf der Suche nach einem Platz in der von der Diktatur gezeichneten Gesellschaft Somalias.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2002
Die Auseinandersetzung mit der islamischen Kultur und Religion hat Konjunktur. Martin Halter ist nach Lektüre der Romane "Tochter Frau" und "Vater Mensch" von Nuruddin Farah der Meinung, dass man sich bei ihm über die Wurzeln und Opfer des fundamentalistischen Terrors in islamischen Gesellschaften weit besser informieren kann als bei "unseren Scholl-Latours", selbst wenn die beiden Romane fast zwanzig Jahre alt sind und erst jetzt - aus aktuellem Anlass - einen Verlag gefunden haben. Mit "Bruder Zwilling", im Vorjahr erschienen, liegt nun Farahs Trilogie aus den achtziger Jahren komplett vor.
Niemand kann engagierter und einfühlsamer vor allem über Frauen "im Machtdreieck zwischen Diktatur, islamistischem Terror und patriarchalischer Clanherrschaft" schreiben als Nuruddin Farah, schwärmt Martin Halter. Farah stammt aus Somalia, er lebt seit 1975 im Exil. Die Situation seines Heimatlandes ist nach wie vor so katastrophal, berichtet Halter, dass es ihm nicht möglich sei, dorthin zurückzukehren. Literarisch aber ist Farah seiner Heimat treu geblieben. "Tochter Frau" stellt eine westlich geprägte Journalistin in den Mittelpunkt, die sich weigert, ihre Tochter beschneiden zu lassen. Diese Entscheidung kostet sie Haus, Familie und Beruf, darüber hinaus trägt sie auch psychische Beschädigungen davon, die sie verhärten lassen, erzählt Halter. Auch wenn Farahs Bücher nie ganz von Schwarzmalerei und aufdringlicher Symbolik frei seien, stelle er andererseits seine Figuren - meist starke Persönlichkeiten - nie eindimensional und widerspruchsfrei dar. Farah macht es seinen westlichen Lesern nicht einfach, weil seine Begriffe von Emanzipation und Freiheit nicht die gleichen seien wie unsere, aber zugleich seien sie "über alle Zweifel erhaben", da sie "die Kategorie des Zweifels kennen", rühmt Halter den Autor.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.01.2002
Nuruddin Farah, 1945 im südsomalischen Baidoa geboren, zählt seit langem, weiß Angela Schader, zu den "geschätzesten" Autoren Afrikas. Sein kritisches schriftstellerisches Engagement führte ihn 1974 ins Exil. Seither hat er eine ganze Reihe von Werken verfasst, die sich mit dem Zustand seines kriegs- und krisengeschüttelten Landes befassen. Seine beiden Hauptwerke, die Trilogien "Variationen über das Thema einer afrikanischen Diktatur" mit den Teilbänden "Bruder Zwilling", "Tochter Frau" und "Vater Mensch" sowie der zweite Triptychon mit den Bänden "Maps", "Duniyas Gaben" und "Geheimnisse" liegen nun zur Freude der Rezensentin vollständig im Deutschen vor. In einer sehr langen Besprechung hat sich Schader mit dem zweiten und dritten Band der ersten Trilogie sowie dem mittleren Band der zweiten Trilogie auseinandergesetzt. Beide Werkgruppen, ist der Rezensentin aufgefallen, kreisen um die Themen Diktatur und Exil. Die Trilogie, deren zweiten Band "Tochter Frau" bildet, begreift Schader als "vielschichtige künstlerische Replik der realen Scheinwelt", die sich in Somalia aus dem diffusen Zusammenspiel von Marxismus, Clanherrschaft, oppositionellen Untergrund und in- und ausländischen Abhängigkeiten zusammensetze. Im Zentrum von "Tochter Mutter" steht die emanzipierte Journalistin Medina, die wegen ihrer Arbeit im Widerstand der journalistischen Tätigkeit nicht weiter nachgehen kann. Doch im Zentrum des Geschehens steht nicht nur diese starke Frau, berichtet die Rezensentin, sondern vielmehr ein Bild der Protagonistin, das in der Begegnung mit anderen weiblichen Charakteren gespiegelt und gebrochen werde. Nähere Interpretationen überlasse der Autor dabei, so Schader, dem Leser, den er streng auktorial durch das Geschehen führe. Medina geht ihren Weg, hinterlässt dabei aber eine verstörte Familie. Schader jedenfalls hat während der Lektüre eine ganze Reihe von Überraschungen in der Umwertung der Charaktere erlebt, aber gerade darin verortet die Rezensentin den besonderen Gehalt dieses "zutiefst ambivalenten Porträts".
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