Juan Carlos Onetti

Ein verwirklichter Traum

Erzählungen
Cover: Ein verwirklichter Traum
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783803112019
Gebunden, 126 Seiten, 11,90 EUR

Klappentext

Ausgewählt von Jürgen Dormagen. Mit einem Nachwort von Heinrich v. Berenberg. Aus dem Spanischen von Wilhelm Muster, Gerhard Poppenberg und Jürgen Dormagen. Mit dem 1994 im spanischen Exil gestorbenen Uruguayer Juan Carlos Onetti verbindet sich die Melancholie und die müde Sinnlichkeit in den beiden großen Städten am Rio de la Plata - Montevideo und Buenos Aires. Die Figuren dieses Autors sind Menschen, die das Leben gezeichnet hat, ehe sie die Chance bekamen, damit zurecht zu kommen. Ihre Welt, das sind die Bars, Hotelabsteigen und die verrauchten Redaktionen, in die vom Hafen her der Klang der Schiffssirenen, der Geruch des Meeres dringt. Die Gewalt schleicht auf leisen Sohlen durch diese Geschichten. Immer liegt unter der schläfrigen Ruhe dieser Geschichten die Vehemenz mühsam zurückgehaltener Ausbrüche, und manchmal bricht sie sich Bahn.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2002

Die Erzählungen des 1994 in Madrid verstorbenen Uruguayers Juan Carlos Onetti spenden wenig Hoffnung, warnt Maike Albath. Denn die Helden und Heldinnen des Schriftstellers in diesen "zehn seiner besten Geschichten" seien stets auf der Suche nach sich selbst, wobei sie sich in immer undurchschaubarere Situationen verstricken und schließlich jegliche Kontrolle über sich verlieren, fasst die Rezensentin kurz und knapp den Lebens- und Leidensweg dieser Figuren zusammen. Der Band selbst sei eine Art "Visitenkarte" für den erst spät berühmt gewordenen Schriftsteller, der für Albath ohne Zweifel zu einem der wichtigsten Südamerikas zählt. Denn schließlich habe er als erster die Abkehr von traditionellen Erzählformen vollzogen und somit den Weg für die "nueva novela" von Vargas Llosa, Carlos Fuentes oder Julius Cortazar geebnet. Das heißt allerdings auch, meint die Rezensentin, starke Nerven zu haben, denn bei Onetti ist alles im Verfall: es "rostet, schimmelt und fault", nicht nur die Dinge sind davon betroffen, sondern auch die Menschen. Jede dieser Erzählungen verbreite eine unheimliche Stimmung, Erlösung aus der Ausweglosigkeit bringe allenfalls der Tod. Trost spende hier einzig die "große Schönheit" der Sprache des Südamerikaners, seine an Proust erinnernde verschachtelte Syntax, sein an gute Krimis angelehnter Spannungsaufbau und schließlich die Phantasie, mit der er den Leser gleich einem Voyeur an der Ungeheurlichkeit dieser Geschichten teilhaben lasse, schließt die faszinierte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2002

Gustav Seibt reiht den uruguayischen Autor als Bindeglied zwischen dem "Urvater" Borges und den heutigen Altmeistern Fuentes, Marquez und Llosa ein. Aber leider, bedauert Seibt, sei dieser bedeutende Autor hierzulande viel weniger bekannt als all die anderen. Einer der ersten deutschen Kritiker war nach Seibt Jörg Drews, der Onetti 1986 in einem "Merkur"-Aufsatz vorstellte und ihm "das graue Rauschen einer unaufhebbaren Depression" unterschob. Nicht ganz verkehrt, meint Seibt, aber erstens verkaufe sich die Schwermut heutzutage schlecht und zweitens habe dieser Autor eben auch ganz andere Seiten: er war humorvoll und ein warmherziger Mensch. Diese eher ironische, sinnliche und veristische Seite können deutsche Leser nun in einem Erzählungsband kennen lernen, den Seibt als Einstieg in das Gesamtwerk Onettis empfiehlt: wunderbare minimalistische Poesie in zehn anrührenden Geschichten, die laut Seibt eine absolut unterhaltsame Lektüre versprechen.

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