Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 14.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe. 12 Bände in 14 Teilbänden

Band 10: Werke 1778-1781. Die Erziehung des Menschengeschlechts. Ernst und Falk. Zur Geschichte und Literatur V/VI

Cover: Gotthold Ephraim Lessing: Werke und Briefe. 12 Bände in 14 Teilbänden

Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN-10 3618611404
ISBN-13 9783618611400
Gebunden, 1318 Seiten, 92,00 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Arno Schilson und Axel Schmitt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2002

Den in Schulklassen als unerschütterlichen Volksaufklärer dargestellten Lessing möchte Friedman Apel differenzierter verstanden sehen. Er macht deutlich, wie sehr Lessing, für den die begriffliche Vermittlung von Einsicht problematisch ist, eine "singuläre Position im achtzehnten Jahrhundert" einnimmt. "Radikaler Aufklärer war er weniger als Kritiker der Mythologie und Dogmatik denn als einer, der realisierte, wie viel Gewissheit ins Wanken gerät, wenn der Mensch versucht, dem nachzukommen, was ihm Wahrheit dünkt." Die Spannung zwischen Handeln und Diskurs sieht Lessing aber als eine fruchtbare, als "Produktivität der Kultur." Doch bei aller Einsicht "in die Aporie des moralischen Imperativs, die Begrenztheit des Wissens und die Vorläufigkeit der Erkenntnis", bleibt das Lesen Lessings "Lebenselixir". Aus seiner "Lesewerkstatt" sind Lektürenotizen erhalten, um deren Auswertung sich die neue Ausgabe der "Werke und Briefe in zwölf Bänden" bemüht. Obwohl Apel diese Aufgabe als eine sehr undankbare und schwierige sieht, kann er jedoch nicht über alle Schwächen der Ausgabe hinwegsehen. Die Herausgeber bekennen sich zwar zur Selektivität, doch schicken viele Stellenkommentare den Leser über unzählige Verweise geradewegs in die Wüste. "Es fehlt den Herausgebern hier der Mut zum Weglassen, dort zum auf das Wesentliche reduzierenden Hinweis", so Apel. Die Schwierigkeit der unübersichtlichen Überlieferungslage der späten Texte beantworten die Herausgeber fast durchgängig mit dem Abdruck des Erstdrucks, jedoch ohne autoritative Pose, wie der Rezensent wohlwollend bemerkt. Auch das "Kolorit der Lessingschen Sprache" bleibt erhalten, dank der vorsichtigen Anwendung der verlagseigenen Modernisierungsregeln. Alles in allem eine schwierige Aufgabe, die "Ehre vielleicht, aber Ruhm bestimmt nicht einbringt", meint Apel und schließt: "Der selbstdenkende Leser geht dankbar damit um."

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.01.2002

Lothar Müller widmet sich dem Abschlussband der Werkausgabe Lessings und einer neuen Lessing-Biographie.
1. Werke 1778-1781
Voller Begeisterung scheint der Rezensent diesen Lessing-Band gelesen zu haben. Dankenswerterweise widme sich dieser Band nicht nur dem Dramatiker Lessing, sondern auch dem Lessing, der sich mit Leidenschaft um das Nebensächliche bemüht, wobei sein Genie überaus deutlich sichtbar werde. Es seien die verschiedensten, teils auch unvollständigen Texte und Fragmente aus Lessings Werk zusammengetragen worden, wobei die "zersplitterte Gelehrsamkeit" Lessings in seinen unterschiedlichen Ausprägungen deutlich sichtbar werde, was zur Vollständigkeit des Lessing-Bildes der Leserschaft einen kostbaren Beitrag leiste. Zudem lobt Lothar Müller die Tatsache, dass die Schriften ausführlich kommentiert wurden, was erheblich zum Verständnis beitrage.
2. Lessing. Aufklärer und Judenfreund.
Von Jaspers Lessing-Biographie zeigt sich Lothar Müller dagegen alles andere als begeistert. Der einzige Vorzug dieses Buches sei darin zu sehen, dass es Lessing eventuell weitere Leser zu vermitteln vermag. Ansonsten allerdings hat er einiges zu bemängeln. Statt eines vielschichtigen und toleranten Denkers und Schriftstellers werde hier ein Lessing gezeigt, der durch Liebschaften, Betrügereien und Geldgier charakterisiert werde. Zudem reihe Jasper die Werke "wie Perlen auf die Lebensschnur", ohne in ihr Inneres zu dringen oder der Verbindung zwischen Text und Lebenswirklichkeit des Autors ein auch nur halbwegs angemessenes Interesse entgegen zu bringen. Daher das vernichtende Fazit des Rezensenten: "Eine intellektuelle Biografie des Rätsels Lessing ist dies nicht."

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