Als Caroline Farner (1842-1913) ihr Medizinstudium abschloss, hatte sie schon ein bewegtes Leben hinter sich. Sie war Erzieherin in England gewesen und hatte ihr gesamtes Vermögen verloren, als sie der Schwester in Amerika und dem Bruder in Ungarn helfen wollte. Von Depressionen heimgesucht, kehrte sie zurück, um Diakonissin zu werden, als sie von der neuen Möglichkeit eines Medizinstudiums an der Universität Zürich erfuhr. Farner hat als Ärztin großen Erfolg und gründet verschiedene soziale Institutionen. Doch dann wird sie Opfer einer Intrige und wegen der Veruntreuung von Mündelgeldern angeklagt. Aber die promovierte Medizinerin lässt sich von Männermacht und frauenfeindlicher Presse nicht einschüchtern und kämpft, bis sie in letzter Instanz Recht bekommt. Rosemarie Keller zeichnet in ihrem biografischen Roman das außerordentliche Schicksal einer der allerersten Ärztinnen nach, die im 19. Jahrhundert allen Hindernissen zum Trotz ihren Weg gegangen ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.02.2002
In der NZZ bespricht Sybille Birrer zwei Bücher des Genres historischer Roman, das ihrer Meinung nach gerade in unserer bildungsbeflissenen Gegenwart immer populärer wird: Rosemarie Kellers biografischer Roman über die Ärztin Caroline Farner "Ich bereue nicht einen meiner Schritte" und Alexandra Lavizzaris Roman über Rodins Muse "Gwen John". Dass Rosemarie Keller ihr Buch als Roman bezeichnet, irritiert die Rezensentin. Die Autorin erzählt die Lebensgeschichte der Schweizer Ärztin Caroline Farner (1842 - 1930) nach, die nicht nur eine Pionierin ihres Fachs war, sondern auch verschiedene soziale Einrichtungen ins Leben rief, dann aber einer Intrige zum Opfer fiel und wegen angeblicher Veruntreuung von Mündelgeldern vor Gericht gezerrt wurde - und letztinstanzlich diesen Kampf gewonnen hat und freigesprochen wurde. Birrer findet die Biografie betulich: die historischen Dokumente seien aussagekräftig genug, von der Autorin hätte sie weniger Faktentreue, weniger Parteinahme und moralische Entrüstung, stattdessen mehr eigene Imagination gewünscht und erwartet. Die Biografie leide auf diese Art an Überzeichnung und Verdoppelung, die "allwissende Erzählstimme" nervt - jedenfalls Sybille Birrer, die sich an zwanzig Jahre zu spät kommende Frauengeschichtsschreibung erinnert fühlt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2001
Esther Scheidegger Zbinden konnte der Lebensgeschichte der Zürcher Ärztin Caroline Farner, die jetzt von Rosemarie Keller recherchiert und aufgeschrieben wurde, einiges abgewinnen. Farner war die erste Schweizer Allgemeinärztin, die auch Männer behandelte, war auch außerhalb ihrer beruflichen Ambitionen ihrer Zeit weit voraus, und wurde deshalb in vielerlei Hinsicht gesellschaftlich abgestraft. Es gab Rufmordkampagnen gegen sie, und vor diesem Hintergrund findet die Rezensentin die Lektüre dieser Biograpfe auch sehr spannend: "Zürich hätte an Caroline Farner viel gutzumachen". Mit der Arbeit der Biographin ist sie offenkundig auch zufrieden. Sie nennt deren Schilderung von Caroline Farners Leben "anschaulich und dezidiert parteiisch".
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