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Jacques Derrida
Die unbedingte Universität
Klappentext
Aus dem Französischen von Stefan Lorenzer. Als Jacques Derrida seinen vielbeachteten Vortrag "Die Zukunft der Universität" auf Einladung von Jürgen Habermas in Frankfurt hielt, stellte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung in eine Reihe mit den berühmten Reden Kants, Schellings, Nietzsches und Heideggers. Derrida entwirft eine bedingungslose, unbedingte Universität, die zugleich eine mögliche Orientierung für die Geisteswissenschaften insgesamt reflektiert und einschließt.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2002
So ein kleiner Text und doch ein ganz großer Schritt auf dem Weg Derridas zu einer "Aufklärung ohne absolutistische oder apokalyptische Züge". Nach Meinung Michael Wetzels hat es der schmale Band faustdick hinter den Eselsohren. So stellt sich sein Autor nicht nur in die Tradition so gewichtiger Stichwortgeber zum Thema Universität, wie Kant, Fichte oder Nietzsche, er will sich zugleich auch von ihnen absetzen, indem er für die Universität ein "bedingungsloses Recht zu hinterfragen" fordert sowie eines "auf Widerstand gegen jede Form von ökonomischer, politischer, rechtlicher oder ethischer Beschränkung". Solches "Denken des Unmöglich-Möglichen" fordert Derrida von den Lehrern insbesondre der "Humanitas", erklärt Wetzel und erinnert daran, dass der Text auf einem Vortrag basiert, den Derrida in den USA gehalten hat, "wo die Geistes-, Literatur- oder Kulturwissenschaften zunehmend unter ökonomischen Legitimationsdruck geraten".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2002
Von Jacques Derrida, dem französischen Philosophen, Dekonstruktivisten und eben auch Hochschullehrer, hätte Caroline Pross nicht unbedingt eine Fürsprache für das europäische Modell der Universitäten erwartet. Das mag an der umgekehrten Perspektive liegen, meint die Rezensentin, denn schließlich hat Derrida diesen Vortrag vor vier Jahren an der US-amerikanischen Stanford-University gehalten, die keine öffentliche Hochschule ist. Vieles von dem, was Derrida dort proklamiert hat, in erster Linie eine zweckungebundene Wissenschaft, unabhängig von ökonomischen und anderen Interessen, sei nicht neu und schon bei Max Weber nachzulesen. Anders als Weber gelte Derridas Blick vorrangig den Geisteswissenschaften, die für ihn als der wahre Austragungsort von Denkanstößen und -ereignissen anzusehen seien, kurzum das, was Derrida als "unbedingte Universität" bezeichnet. Auch den neuen elektronischen Medien zeige sich Derrida überraschend skeptisch gegenüber, schreibt Pross, da er universitäre Schutzräume bedroht sieht. Als Rückzug in den Elfenbeinturm sei dies aber ganz und gar nicht zu verstehen, versichert Pross.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2001
Uwe Justus Wenzel, so scheint es, lässt sich mit einer gewissen Lust von den komplexen Schleifen des Derridaschen Denkens tragen und verwirren. Es handelt sich um eine Dokumentation eines Vortrags über die Zukunft der Geisteswissenschaften, der "Humanities", an den Universitäten, bemerkt er einleitend, aber Derrida wäre nicht Derrida, wenn er einfach so zum Thema spräche, ohne das Vortragen selbst zu thematisieren. Und so kommt Wenzel zu Einsichten wie dieser: "Die Profession des Professors hat... mehr mit einer Konfession zu tun als mit dem Metier eines bloßen Wissensvermittlers." Unvermittelt sieht Wenzel durch diesen Vortrag also die Selbstgewissheiten des Wissensbetriebes in Frage gestellt und die Vision einer wahrhaft unabhängigen, darum aber nicht "totalen" oder unverantwortlichen Universität neu entworfen. "Wie vage, wie abstrakt!, mag man sich beschweren", wendet Wenzel ein. Aber er begrüßt, die "heilsame Verwirrung", die ein solches Denken über die Universität stiften könnte.
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