Herausgegeben und mit einem Nachwort von Ingolf Schulte. Der Schlussband der Soma Morgenstern-Edition versammelt im ersten Teil die Kritiken, Berichte und Glossen zu Literatur, Theater, Musik, Film und anderern Gegenständen. Sie sind in dem Jahrzehnt von 1924-1934 erschienen, vorwiegend in der Frankfurter Zeitung. Die zweite Abteilung veröffentlicht zum erstenmal Morgensterns essayistische Arbeiten über Franz Kafka sowie den einzigen in englischer Sprache geschriebenen Text, seinen Essay über Boris Pasternaks Roman "Dr. Schiwago". Der dritte Teil enthält Briefe, in denen Morgenstern über seine Begegnungen mit Walter Benjamin, Robert Musil und Ernst Weiß berichtet hat. Dann folgt eine Abteilung mit Aufzeichnungen und Arbeitsnotizen und schließlich werden die drei erhaltenen Tagebücher aus den Jahren 1949 und 1950 veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2002
Der jüngst erschienene elfte Band mit Kritiken, Berichten und Tagebüchern ist der letzte einer, wie Rezensent Hansres Jakobi findet, vorzüglich edierten Werkausgabe. Hier findet man eine breite Palette von meist erstmalig gedruckten Texten des nach dem Krieg aus dem Bewusstsein geschwundenen jüdischen Autors Soma Morgenstern, vom Bericht oder von der Glosse über Theater, Musik oder Film bis zu Auszügen aus Notizheften oder den Nachkriegstagebüchern aus Paris und New York. Am wichtigsten erscheinen dem Rezensenten die literarischen Beiträge, auch wenn er kritisiert, dass einiges zu sehr dem damaligen Augenblick verhaftet zu sein scheint, anderes wiederum wohl allein in die Sammlung aufgenommen wurde, um der Vollständigkeit Genüge zu tun. Daneben weist Jakobi ausdrücklich auf das besondere dokumentarische Interesse von Auszügen über Walter Benjamin aus Briefen an Gershom Scholem, Äußerungen über Robert Musil aus Briefen an Karl Corino und Urteilen über Kafka hin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.12.2001
Mit dem vorliegenden elften Band ist nun die Soma Morgenstern-Gesamtausgabe abgeschlossen - Anlass für Lothar Müller, das ganze verlegerische Projekt noch einmal als Großtat zu rühmen. Er kommt zu der interessanten Feststellung: "Ein Denkmal, größer als der Autor, dem es gilt." Denn der Herausgeber, Ingolf Schulte, hat sich so in den Nachlass Morgensterns hineingekniet, dass er das Werk "nicht einfach nur erschlossen" hat, sondern darüber hinaus auch "geschaffen". Müller meint damit, dass vieles nur in Ansätzen und Fragmenten formuliert vorhanden war. Ingolf Schulte hat es zusammengesetzt. Im letzten Band nun überwiegt der Anteil aus dem Nachlass vollends, meint Müller. Nicht alles findet seinen Gefallen: Gelegenheitsarbeiten fürs Feuilleton, Notizen, Varianten von Varianten, aber eben auch die Briefe an Scholem und Musil oder eine klarsichtige Würdigung von Kafka, dem Morgenstern sehr verbunden war. Im übrigen treten mit zunehmenden Alter auch die Ressentiments stärker hervor, behauptet Müller und berichtet von wahren Hasstiraden gegen Theodor W. Adorno.
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